Kirchheim Neue Perspektiven für den Dorfladen

Kirchheim / Uwe Deecke 04.12.2018

Das Bemühen des Kirchheimer Dorfladens scheint zu fruchten, denn die Umsätze des Ladens haben sich nach oben entwickelt. Wie es weitergeht, entscheidet sich im Februar.

Zuletzt hatten sich die fünf Gesellschafter entschlossen, den Kirchheimer Dorfladen abzuwickeln, nachdem das Umsatzjahr wegen des langen Sommers schlecht verlaufen war (die BZ berichtete). Die Zeit nach Ostern hatte deutliche Einbußen hinterlassen, die am Ende des Jahres das Aus für den Laden bedeutet hätten. Man versuchte nach der Ankündigung, mit Aktionen wie einer Einkaufsnacht auf sich aufmerksam zu machen und für den eigenen Laden verstärkt zu werben. Offenbar mit Erfolg. „Es hat sich ein deutlicher Aufwärtstrend abgezeichnet“, erklärte Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold auf Anfrage unserer Zeitung. Es stelle sich aber die Frage, ob das nur ein Strohfeuer gewesen sei oder mehr. Klar sei für ihn, dass er sich wie auch die anderen vier Gesellschafter in der Zwickmühle befinde, denn man hafte persönlich dafür, wenn es nicht klappt. Das habe auch schon schlaflose Nächte bewirkt, gibt Seibold zu, der sich von Anfang an für den Laden in der Ortsmitte stark gemacht hatte.

Großes Engagement

„Die aktuelle Entwicklung hat gezeigt, dass man weitermachen könnte“, erklärte er nach der Zwei-Wochen-Frist, die sich die Gesellschafter gesetzt hatten. Es gab neue Anteilseigner und Spenden, das Engagement sei sehr groß für den Laden, der auf regionale Produkte setzt und den weiten Weg zu den Supermärkten am Ortsrand erspart. Der Laden hat sich mit seinem Café auch als Treffpunkt entwickelt und will den persönlichen Service bieten, den ein Supermarkt nicht hat.

Die Umsatzziele würden aktuell erreicht, sagt Bürgermeister Uwe Seibold, der weiß, dass die Wintermonate ohnehin die stärkste Zeit im Jahr ausmachen. Nun hat man sich bis Ende Januar eine Frist gesetzt, nach der eine Entscheidung fallen soll. „Wenn es weitergeht, wird man Veränderungen machen“, so der Bürgermeister. Das bedeutet: Sachen, die man nicht unbedingt im Sortiment haben muss, raus zu schmeißen, auch bei den Öffnungszeiten und am Personal zu reagieren, wenn es anders nicht mehr gehe.

Wenn es so bleibt wie in den letzten beiden Wochen, dann könnte der Laden überleben. Mit dem angekündigten Verkauf der Real-Kette könnte sich eine ganz neue Perspektive ermöglichen. Die Metro AG hat sich im vergangenen Jahr erst aufgespalten und die Elektronikmärkte Saturn und Mediamarkt vereint. Gleichzeitig wurde das Traditionsgeschäft von Metro mit den bekannten Großmärkten mit den Real-Lebensmittelmärkten zusammengelegt, die allerdings seit Jahren an Marktanteilen verlieren. Bereits im September wurde Amazon als Käufer gehandelt, das mit seinem Online-Lieferhandel einen Zutritt in den deutschen Lebensmittelmarkt bekommen könnte. Auch andere ausländische Interessenten gibt es, doch überlebensfähig wäre nach Einschätzung von Branchenkennern nur ein Teil der existierenden Real-Märkte.

Dass Real verkauft werden soll, sorge für große Verunsicherung unter den Mitarbeitern, so Seibold. Und wenn die Real-Märkte den Besitzer wechseln würden, ergäbe sich eine ganz neue Situation. Für den Einzelhandel im Ort wäre das ein großes Problem, „wenn wir jetzt zumachen und Real ein halbes Jahr später“.

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