Der „große Nordostring B 29“ würde vor allem den Großraum Stuttgart entlasten, wenn der Verkehr ins Remstal hier fließen könnte. Drei- oder vierspurig soll der neue Abschnitt der B 29 werden, die ab der Anschlussstelle Mundelsheim geplant ist und die Verbindung zur A 81 und B 27 herstellen wird. In Kirchheim befürchtet man dadurch mehr Schwerlastverkehr in den südlichen Landkreis Heilbronn.

Pläne wieder aufgenommen

Im Herbst 2013 wurde diese Bundestraßen-Variante zunächst aufgegeben, so dass der Autobahnzubringer zwischen Backnang-West und Mundelsheim nur dreispurig und als Landesstraße ausgebaut werden sollte. Nun soll die B 29 doch kommen, was die Wirtschaft und Kommunen an der neuen Bundesstraße freut, die nun einen Autobahnzubringer bekommen. Vorgesehen ist ein drei oder vierspuriger Ausbau von Backnang-West zur A 81 bei Mundelsheim, von Waiblingen bis Backnang-West würde die B 29 gemeinsam mit der B 14 verlaufen.

Weniger euphorisch ist man im Kirchheimer Gemeinderat, wo das Thema nun diskutiert wurde. „Wir befürchten, dass dann nicht jeder auf die A 81 fährt, sondern weiter auf der L 1115 bleibt“, so Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold auf Anfrage der BZ. Vor allem als Weg in den südlichen Landkreis Heilbronn, ins Zabergäu oder auch als Umfahrung der Staustrecke am Weinsberger Kreuz könnte Kirchheim dann dienen, wenn die B 29 bis Mundelsheim ausgebaut ist.

22 000 Fahrzeuge

Die Lasten würde Kirchheim dann zu spüren bekommen, das ohnehin bereits einen hohen Schwerlastverkehr aushalten muss (die BZ berichtete). Dass der neue Bereich der B 29 alle Orte umfährt, während die B 27 mitten durch Kirchheim führt, wurmt den Rathauschef. „Wenn man außerorts 23 000 Fahrzeuge nicht zumuten kann, wie kann man Kirchheim dann 22 000 Fahrzeuge innerorts zumuten?“, fragt Seibold. Für ihn ist klar, dass Kirchheim dann erneut Verkehrszuwächse bekommt, vor allem im Schwerlastverkehr, „weil der Lkw-Fahrer sich das aussucht, was funktioniert“. Das ist keinesfalls die A 6 zwischen Weinsberg und Obereisesheim, wo die Laster mehr stehen als fahren, sondern vielmehr die Umfahrung der Staustrecke über Kirchheim.

Interessant sei die Feststellung, dass exakt dieselben Behörden, die die Situation zwischen Mundelsheim und Backnang für nicht hinnehmbar erklärten, eine Umgehung von Kirchheim ablehnten, so Seibold. Vor diesem Hintergrund hatte er sich vor kurzem an Landesverkehrsminister Winfried Hermann sowie Staatssekretär Steffen Bilger gewandt, den Sachverhalt geschildert und um Abhilfe gebeten.

Gutachten beauftragt

Untermauern möchte die Gemeinde ihr Anliegen nun auch mit einem Gutachten, das das Büro „Köhler + Leutwein“ erstellen wird. Es soll herausfinden, wie viele Fahrzeuge dann die L 1115 statt der A  81 benutzen und wie sich die Verkehrsströme verteilen. „Ich bin gespannt auf das Untersuchungsergebnis“, so Seibold, der mit dem Gemeinderat auch eine weitere Untersuchung in Auftrag gegeben hat. Sie soll das Kosten-Nutzen-Verhältnis der geplanten Ortsumgehung Kirchheims ermitteln. „Ich gehe davon aus, dass man im Frühsommer die Ergebnisse hat“, erklärt der Kirchheimer Rathauschef gegenüber der BZ.