Vorsorge Mit Eis gegen den Frost

Thomas Häberle vor seinem Bewässerungssee.
Thomas Häberle vor seinem Bewässerungssee. © Foto: Helmut Pangerl
Erligheim/Kirchheim / Uwe Deecke 04.01.2018

Im Jahr 2011 baute Thomas Häberle vom Erligheimer Talhof einen Wasserspeichers angefangen, die Ernte abzusichern. Damals gab es schon Frostnächte, die den Ernteertrag stark beeinträchtigten. Das Thema Frostberegnung wird immer wichtiger.Häberle ließ einen 99 Meter tiefen Brunnen bohren, der einen Speichersee mit rund 8000 Kubikmetern speist. Wenn im Frühjahr Minusgrade drohen, reagiert das Frostwarngerät. Dann bekommt Häberle eine SMS mit der Frostwarnung und kann die Anlage in Gang setzen. Die Obstbäume werden durch Pumpen auf Wagen beregnet, die Tropfen gefrieren und setzen Kristallisationswärme frei, die die Blüten schützt.

Für Häberle verlief das letzte Jahr ohne Einbußen. „Die Ernte war ganz normal“, so der Erligheimer. Während die anderen Obstbauern in der Gegend Ausfälle bis zu 90 Prozent hatten, kamen seine Apfelbäume dank der Beregnung gut durch den Frost. „Wir hatten drei schwere und fünf leichte Frostnächte“, blickt Häberle auf das Jahr zurück. Das bedeute elf Stunden Beregnung bei schweren und drei bis fünf Stunden bei leichten Frostnächten.

Um dafür die ausreichende Wassermenge zu haben, ließ der Erligheimer ein zweites Becken bauen, das 16.000 Kubikmeter Wasser fasst. So könne er acht Frostnächte überstehen, doch es müsse auch ständig nachgefüllt werden, sagt er. Pro Stunde laufen 27 Kubikmeter Wasser durch die Anlage, die die Bäume bewässert. Die Wagen mit den Pumpen kommen im März wieder zu den Bäumen, sobald es wieder gefährlich für die Triebe werden könnte. Gibt es nämlich dann schon warme Temperaturen und die Bäume treiben aus, werden schwere Frostnächte zur großen Gefahr für die Ernte. Rund 500.000 Euro hat Häberle  nach eigenen Angaben für die Anlagen investiert. Eine Investition, die auf 20 Jahre angelegt sei, sich aber schon nach wenigen Jahren bezahlt machen könnte.

Überlegungen, eine Frostberegnung zu installieren, gibt es inzwischen bei vielen Obstbauern der Region, auch bei der Kirchheimer Obsthalle. Auch der Obstbaubetrieb Munz in Kirchheim hat eine Frostberegnungsanlage bereits teilweise umgesetzt. Sein kleines Becken mit 2500 Kubikmetern gibt es seit 1990, es reicht aber bei weitem nicht aus für die ganzen Obstbäume, sodass auch er erhebliche Ausfälle zu verzeichnen hatte. Sein Tiefbrunnen ist noch älter und wurde bereit 1978 gebohrt. Eine Pumpe bringt das Wasser aus 64 Meter Tiefe, das dann zu den Kreisregnern geleitet wird, die einen Radius von rund 18 Metern abdecken.

„Wir haben die Frostgefahr schon in den letzten Jahren gesehen“, blickt Tobias Munz zurück. Der Betrieb im Kirchheimer Becken liege einiges tiefer als die Flächen der Obsthalle und sei daher klimatisch benachteiligt, sagt Munz im Gespräch mit der BZ. Im Jahr 2016 habe er deshalb den Bau eines größeren Beckens beantragt, das 18.500 Kubikmeter fasst, nach 13 Monaten waren endlich alle Genehmigungen da.

„Es geht natürlich um die Lieferfähigkeit“, sagt der Kirchheimer, der seine Kunden mit Obst versorgen muss. Derzeit sei der Erdbau für das neue Wasserbecken beendet, nun müssten die Folien verlegt sowie die Pumpen samt Leitungen installiert werden. „Es könnte klappen bis zum Frühjahr“, so Munz zum Zeitplan der Arbeiten. Im April sollte idealerweise die Frostberegnung funktionieren. Dann können wie in Erligheim auch hier die Frostschäden verhindert werden.

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