Erligheim Mit einer Hand am Zügel

Erligheim / Von Roland Willeke 14.08.2018

Rund 50 Pferd-Reiter-Kombinationen, so Mitveranstalterin Sara Burton, traten am Wochenende bei insgesamt 300 Starts in den Disziplinen des Westernreitens auf der Ghost Rider Ranch in Erligheim an. Die Ranch, auf der sich früher eine Gärtnerei befand, wird von Andreas Giehr und Sara Burton betrieben, allerdings in der Freizeit, wie Sara Burton, studierte Wirtschaftswissenschaftlerin, betont. Andreas Giehr arbeitet als Handwerker, „denn vom Westernreiten lässt sich nicht leben“, berichtet Sara Burton, die im Ehrenamt Jugendbeauftragte des Paint Horse Club Germany (PHCG) in Baden-Württemberg ist.

Wettbewerb für die Jüngsten

Kein Wunder also, dass die Kinder- und Jugendarbeit ein besonderes Anliegen der Farmbetreiber ist, die auf ihrem Areal rund 20 Pensionspferde im Offenstall betreuen. Beim jährlich veranstalteten Westernreit-Turnier werden denn auch schon die Kleinsten buchstäblich ans Pferd und ans Westernreiten herangeführt, indem man die Drei- bis Achtjährigen in so genannten Führungsklassen über den Reitplatz führt, das Pferd immer im festen Griff eines erwachsenen Begleiters.

Paint Horses – bei uns würde man sie wegen ihres gefleckten Fells als Schecken bezeichnen – und Quarter Horses sind die wichtigsten Pferderassen im Westernreiten. In Erligheim waren aber auch Haflinger und Kaltblutpferde zusammen mit anderen Pferderassen am Start. Da bei den Wettbewerben zwischen den Pferderassen  – Paint Horse oder nicht Paint Horse  – unterschieden wird, gab es bei einigen Disziplinen nur einen oder zwei Starter. Genauer gesagt waren es Starterinnen, denn zumindest im Jugend- und Amateurbereich überwiegen die Mädchen.

Für den Zuschauer mutete es etwas seltsam an, dass es auch nur bei einem Starter einen ersten Platz und damit die blaue Kokarde des Siegers gab. Die Reiter sehen das natürlich anders, konnten sie doch bei dem Turnier, das bei der American Paint Horse Association (APHA) angemeldet war, wertvolle Punkte für die Cup-Wertung erringen. Aus der Schweiz war eigens Simone Reiss als Wertungsrichterin der APHA angereist. Zusammen mit ihrem Kollegen Peter Voss bewertete sie die Leistungen von Rössern und Reitern.

Das Aufgabenprogramm bei einem Westernreitturnier orientiert sich am Alltag der amerikanischen Cowboys. So muss beispielsweise beim Trail ein durch ein Seil symbolisiertes Gatter vom Pferd aus geöffnet und wieder geschlossen werden. Das Pferd muss sich ohne Scheu auf verschiedenen Untergründen, wie Holzbohlen oder Sand, bewegen. Beim Wettbewerb Horsemanship wird geprüft, wie harmonisch Reiter und Pferd interagieren. Und im „Pleasure“ muss der Reiter nach Ansage sein Pferd unverzüglich dazu bewegen, die Gangart  – Schritt, Trab oder Galopp – zu wechseln.

Kleiderordnung wird geprüft

Es wird auch geprüft, ob die Kleiderordnung eingehalten wird. Obligatorisch für die Reiterinnen und Reiter sind ein Cowboyhut – bei Jugendlichen ein Reithelm – und eine langärmlige Bluse, auch bei dreißig Grad im Schatten. Die Sitten und die Wertungsrichterinnen sind streng: Beim Erligheimer Turnier kam es zu Disqualifikationen, wenn eine Reiterin den falschen Kragen hatte oder gar zu viel nackten Rücken zeigte.

Am Wochenende waren neben den Könnern auch Anfänger und Nichtreiter ausdrücklich willkommen. Sie sollten die „Supergemeinschaft“, so Sara Burton, unter den Reitern und das echte Cowboy-Feeling kennenlernen.

Regelmäßig bietet die Ghost Rider Ranch Wochenenden für so genannte Jugendklassen an, bei denen ein Reitlehrer ins Westernreiten einführt. Erstmals nehmen die „Ghosties“, wie sie sich selbst nennen, am diesjährigen Sommerferienprogramm der Gemeinde teil. Motto:  Für einen Nachmittag einmal ein Cowboy sein.

www.ghost-rider-ranch.de

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