Bönnigheim Merlot und Cabernet ersetzen Trollinger

Michael Soltys 11.04.2018

Die Weingärtner Stromberg-Zabergäu werden in den kommenden Jahren die Anbauflächen für neue Rotweinsorten deutlich ausweiten. Nicht so sehr, das man von einem Umbruch sprechen könnte, aber doch in einem Ausmaß, dass Rotweine, die man sonst eher aus dem Ausland bezieht, künftig eine größere Rolle im Sortiment der genossenschaftlichen Kellerei spielen.  Das wurde in einem Gespräch der BZ mit Albrecht Hauber deutlich, dem önologischen Vorstand der Kellerei.

Der Grund für diesen Wandel: „Die Geschmacksprofile ändern sich“, sagt Hauber und fragt sich: „Wer trinkt in zehn Jahren wohl noch Trollinger-Lemberger in der heutigen Geschmacksrichtung?“ Einfache, leichte Rotweine, wie sie aus dem Schwäbischen kommen, verlieren in der Gunst des Publikums. An der Qualität kann der Schwund jedenfalls nicht liegen, ist Hauber überzeugt, die habe auch die Genossenschaft mit Sitz in Brackenheim zu bieten. Es ist das Profil der Weine aus dem Ausland, die schwerer, dichter, gehaltvoller sind und deshalb die Kunden eher anlocken, macht er deutlich.

Erfahrungen mit dem Anbau solcher Sorten wie Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon oder Zweigelt haben die Brackenheimer und Bönnigheimer Wengerter in den vergangenen Jahren genügend gesammelt. Lohnenswert schien der Anbau bisher nicht, da die Trauben in früheren Jahren kaum genügend reif geworden sind, um ansprechende Weine daraus zu erzeugen.

Mit dem Klimawandel und dem Anstieg der Temperaturen hat sich das geändert. Jetzt sollen aus den kleinen Anfängen heraus größere Mengen aus mehr Fläche gewonnen werden. Von 80 Ar aktuell soll der Merlot in zwei bis drei Jahren auf fünf Hektar angebaut werden. Cabernet Franc will die Genossenschaft auf einem Hektar anpflanzen, Cabernet Sauvignon auf zwei bis drei, Zweigelt auf rund drei Hektar. An die Mitglieder wurde deshalb eine Empfehlung herausgegeben, diese Sorten bei Neuanpflanzungen zu bevorzugen, „wenn die Lage passt“.

Mitglieder ziehen mit

Das bedeutet, dass „in langen Zeiträumen“ Abstriche am Trollinger gemacht werden, der in den guten bis sehr guten Lagen steht, die auch die neuen Sorten beanspruchen. Mit 135 Hektar ist der Trollinger die zweitwichtigste Sorte der Genossenschaft. Bei den Mitgliedern kommt die Aufforderung  an. „Die Nachfrage ist da“, sagt Hauber. Mit den neuen Sorten will die Brackenheimer Genossenschaft den Premiumsektor stärker bedienen und dafür auch Ausbaumethoden wie die Maischegärung stärker einsetzen.

Als heimische Sorte spielt in den oberen Preiskategorien der Lemberger nach wie vor die wichtigste Rolle. Denn sie ist die Hauptsorte der Genossenschaft, die auf 195 Hektar angeboten wird. Doch auch für ihn stellt sich die Frage, was geändert werden müsse, um den Geschmack der Kunden zu treffen.