Führung Mehr als 1000 Beerdigungen in einem Jahr

Kurt Sartorius, Vorsitzender der Historischen Gesellschaft (Mitte), eröffnete die Reihe der „3B-Glanzpunkte“ am Wochenende in Bönnigheim.
Kurt Sartorius, Vorsitzender der Historischen Gesellschaft (Mitte), eröffnete die Reihe der „3B-Glanzpunkte“ am Wochenende in Bönnigheim. © Foto: Uwe Deecke
Von Uwe Deecke 09.04.2018

Vor genau 400 Jahren brach der längste Krieg in der deutschen Geschichte aus. Aber weniger der Dreißigjährige Krieg als vielmehr die Pest hinterließ in Bönnigheim Not und Elend, wie die Stadtführung im Rahmen der „3B-Glanzpunkte“ zeigte.

Der Krieg erinnere ihn an Syrien, und man wisse gar nicht mehr, wer gegen wen kämpfe, begann Kurt Sartorius die Führung durch die Bönnigheimer Geschichte. „Begonnen hat alles im Jahr 1618 mit dem Prager Fenstersturz“, so der Vorsitzende der Historischen Gesellschaft, und der Krieg habe sich von einem böhmischen Konflikt zu einem Weltkrieg entwickelt. Am Ende kämpften die habsburgischer Herrscher gegen französische Interessen und der Konflikt zwischen dem katholischen Bund und der protestantischen Union brach offen aus. Mittendrin lag Bönnigheim als katholische Enklave in Mainzer Besitz in einem evangelisch geprägten, württembergischen Umland. Und seine Bevölkerung sei von den Greueln des Krieges weitgehend verschont geblieben.

Wegzug verboten

„Erst 1623 gab es erste Auswirkungen, als ein toter Soldat gefunden wurde“, erklärte Sartorius den rund 40 Teilnehmern der Führung. Bönnigheim sei schon seit 1517 streng geteilt gewesen, in die vier Bezirke mit vier Rathäusern und bis zu sieben Keltern. Und schon früh seien die Herrscher evangelisch geworden, allen voran die Herren von Liebenstein. Bezahlen musste die Bönnigheimer trotzdem.

Kontributionszahlungen wurden fällig für die Bürger, wenn Soldaten in die Stadt kamen. Und sie belasteten die Bewohner so sehr, dass sie in ihrer Geldnot an Wegzug dachten. Doch der war verboten, wie Sartorius ausführte. 1637 erging der Erlass, dass diese Bürger mit schweren Strafen zur rechnen hätten. Gedroht wurde mit dem Verlust der Bürgerrechte, dem Verlust von Hab und Gut in der Stadt sowie auch dem Tod. „Überhaupt sind die Strafen sehr hart gewesen“, blickte der Vorsitzende in die Vergangenheit der Ganerbenstadt.

Am Marktplatz gab es einen Einblick in die jüngere Geschichte. Am Platz der heutigen VR-Bank stand das alte Rathaus, das 1945 abgebrannt war. Und mit ihm auch das Stadtarchiv, für die Historische Gesellschaft ein besonders harter Verlust. Davor steht heute noch der Ganerbenbrunnen, Symbol der Vierteilung der Stadt, in der es verboten war, von einem Viertel ins andere zu ziehen oder eine Frau aus einem anderen Viertel zu heiraten.

Die Cyriakuskirche hatte für die Teilnehmer auch viel Interessantes zu bieten. Die Kirche ist zwar evangelisch, doch es sind einige katholische Elemente erhalten. Als eine von drei Kirchen in Württemberg hat die Kirche noch einen mächtigen Lettner, der den Chor von der Gemeinde trennt. Als einzige Kirche in Württemberg hat sie auch noch einen spätgotischen Hochaltar, an dem es noch so manche Besonderheit gibt.

Tote aus dem ganzen Umland

Die schwarze Pest wütete schrecklich in Bönnigheim, so Sartorius, und kostete viele Menschenleben. Allein im Jahr 1635 gab es 1039 Beerdigungen von Menschen aus dem ganzen Umland, die in der dicht bebauten Stadt lebten. Der Dreißigjährige Krieg war dann 1648 endlich vorbei. Der „Westfälische Friede“ wurde verkündet und Europa neu aufgeteilt – mit freier Religionswahl.