Schulpreis Mammutprojekt: Schule als Zukunftsstaat

Bönnigheim / Von Carolin Domke 15.05.2018

Was die Schüler des Stromberg-Gymnasiums in Vaihingen auf die Beine gestellt haben, ist wirklich beeindruckend. In einer Woche im Februar verwandelte sich das komplette Gymnasium zu einem Zukunftsstaat unter dem Leitbild der Nachhaltigkeit. Hierfür schlüpften Lehrer und Schüler in die Rollen gleichberechtigter Bürger und simulierten durch aktives Mitwirken einen Staat mit funktionierender Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Dazu zählten auch Wahlen für ein Parlament und eine Verfassung mit 100 Seiten, die ethisch vertretbar war.

Die gesamte Schule involviert

Knapp zwei Jahre tüftelten sie an ihrem Staat „FutureSG“ (SG für Stromberg-Gymnasium) und immer mehr Interessierte beteiligten sich. Am Ende wirkten neun Arbeitskreisleiter und 50 Teilnehmer an dem Mammutprojekt mit, um die Themen Nachhaltigkeit und Wirtschaft für insgesamt 600 Schüler und 50 Lehrer näher zu bringen.

Das Projekt zeigte unglaublich viele Facetten und erforderte viel Koordinationsgeschick. Die Größe des Teams sei auch eine der größten Herausforderungen gewesen  gewesen, erzählen Daniel Sakarli, Waleed Salam und Samuel Marek nach der Verleihung des Schulpreises, bei dem sie den ersten Platz in ihrer Kategorie gewannen. „Es war auch nicht leicht, das große Team zu beschäftigen. Es sollte ja keine Arbeitslosen geben“, sagt Samuel Marek. Für eine bessere Koordination wurden daher sechs Arbeitskreise eingeführt: Finanzen, Betriebe, Politik, Öffentlichkeitsarbeit, Ethik und Sponsoring.

Im Staat „FutureSG“ konnte man nur bargeldlos mit „Stromer“ bezahlen. Eigens dafür hatten die Schüler eine App entwickelt. Und wer etwas kaufen wollte, musste Geld verdienen. Im Betriebe-Arbeitskreis beschäftige sich man mit den Herausforderungen einer Betriebsgründung. „Es gab Friseure, Upcycling, Polizei. Man konnte sogar heiraten“, erzählen die Schüler. Und es mussten Gesetze geschrieben werden. So waren für einige Betriebe auch Hygienevorschriften notwendig.

Die Arbeitskreise für Öffentlichkeitsarbeit und für Sponsoring traten mit verschiedenen Unternehmen in Verbindung. Mit Hilfe von 23 Vertreten aus der Industrie und Forschung wurden für den Workshop „Zukunfts-Tag“ zur Vorbereitung der Projektwoche im Februar die Bürger des Staates „FutureSG“ sensibilisiert. „Wir hatten auch Angst, dass es nicht funktioniert. Am Ende waren aber alle begeistert“, verrät Daniel Sakarli.

In der fünftägigen Projektwoche hatten die Schüler jede Menge Spaß und auch die Lehrer ließen sich auf verrückte Ideen ein. So versteigerte der Konrektor Roland Wirth seine Haare für 13 Stromer, um an Geld zu kommen. Kurzerhand wurde ihm seine Haare auf vier Millimeter rasiert. „Es gab sogar Ausweise“, sagt Daniel Sakarli und präsentiert sein Exemplar. „Auf der Rückseite ist der QR-Code, der jeden identifiziert und mit dem auch gezahlt werden konnte. So wurden aber auch Illegale identifiziert.“

Anreiz für neue Projekte

Aus diesem Mammutprojekt entwickelten sich wieder neue Projekte, die fortgeführt werden, sagt Waleed Salam. „Ich war in der Schülerfirma Upcycling und wir werden das auch weitermachen.“ Bei einem Punkt sind  sich alle einig: Obwohl die Planung sehr aufwändig war, war es etwas Besonderes mit den Lehrern und Schülern Zeit zu verbringen und sich besser kennenzulernen (weitere Projektporträts von Preisträgern des BZ-Schulpreises folgen).

www.stromberg-gymnasium-saz.de

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