Fußball Löchgauerin kickt für die Türkei

Fatma Isik (links) bei der  Regionalliga-Begegnung ihres FV Löchgau gegen den FSV Hesen Wetzlar II.
Fatma Isik (links) bei der Regionalliga-Begegnung ihres FV Löchgau gegen den FSV Hesen Wetzlar II. © Foto: imago/Pressefoto Baumann
Löchgau / Sandra Bildmann 18.03.2017

Der Wirbel um ihre Person ist Fatma Isik gar nicht recht. Fatma Isikwill vermeiden, dass andere von ihr denken, sie hätte die Aufmerksamkeit an ihr bewusst eingefädelt. Die 25-Jährige fühlt sich nicht wohl, wenn alle nur auf sie schauen. Dabei war so erst alles ins Rollen gekommen.

Beim Auswärtsspiel des FV Löchgau im Oktober 2016 bei Wacker München habe ein Scout des türkischen Fußballverbands sie genauer beobachtet, erzählt Isik, kurz darauf sei die Einladung zur Frauen-Fußballnationalmannschaft eingegangen. Der Moment sei natürlich etwas ganz Besonderes gewesen. So richtig Gänsehaut habe sie bekommen, als sie erstmals das Nationaltrikot überstreifte und nach dem Einmarsch die Hymne singen durfte. „Das war ein richtig geiles Gefühl.“

Seit sechs Jahren spielt die gebürtige Pforzheimerin in Löchgau. „Mein Verein“, schwärmt Fatma Isik und strahlt. Zuvor hat sie für den FV Knittlingen in der Landesliga gekickt. „Die Umstellung von Landesliga auf damals zweite Bundesliga war enorm.“ Während sie in Knittlingen auf allen Positionen mal gespielt hat und häufig als Stürmerin eingesetzt wurde, ist sie in Löchgau auf rechts außen abonniert. Auch Spielphilosophie und Taktik seien ganz anders.

Sie habe nie an Schicksal geglaubt, sagt Isik. Doch kaum hatte sie nach vier Jahren die Tätigkeit als Produktionshelferin in einem Vaihinger Unternehmen gegen die Arbeit in einer Soccerhalle in Oberderdingen eingetauscht, folgte mit der Berufung ins türkische Nationalteam der nächste Karrierekick. „Meine Chefs in der Halle unterstützen mich sehr, versuchen mir immer frei zu geben, wenn ich wegen des Fußballs auf Reisen bin.“

Ihren ersten Einsatz in der Landesauswahl der Türkei hatte Fatima Isik, die mit 25 Jahren die zweitälteste Spielerin der Truppe ist, Ende Januar bei einem Lehrgang in Istanbul, der zum gegenseitigen Kennenlernen diente. „Auch als ich dort war, habe ich noch gedacht, das wird eh nix“, berichtet die junge Frau mit Spitznamen Fatos. Doch Trainer Talat Tuncel wollte sie im Kader behalten. Ihre Offensive müsse sie allerdings noch verbessern. „Meine Zweikampfstärke hat vielleicht den Ausschlag gegeben“, spekuliert Isik und fügt an: „In Löchgau sagen sie türkische Mauer zu mir.“ Ihre nächsten Einsätze für das Team, das auf dem 56. Platz der Fifa-Weltrangliste steht, hat die Maulbronnerin voraussichtlich Anfang April in der WM-Qualifikation gegen Luxemburg, Montenegro und die Färöer-Inseln. Zum Kader gehören laut Isik neben ihr acht andere im Ausland lebende Türkinnen.

„Ich will immer Ziele im Leben haben“, erklärt Fatma Isik selbstbewusst. Sie plane nicht und will sich in Bezug auf ihre Karriere auch keinen Stress machen. Eigentlich dachte sie bereits langsam ans Aufhören und wollte die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. Mit der Berufung ins türkische Nationalteam sind diese Überlegungen aber erst mal vom Tisch. „Ich lasse einfach alles auf mich zukommen.“ Ihre fußballerischen Ziele formuliert sie recht nüchtern: „Mit beiden Mannschaften – dem FV Löchgau und der Nationalmannschaft – Erfolg haben.“

Dafür trainiert die Sportlerin  viel, allein mit den Löchgauerinnen drei Mal in der Woche. Fatma Isik schaut auf die Uhr. Zwei Minuten vor halb acht. Das Training beginnt gleich. Die Zeit für das Gespräch mit der BZ ist vorbei. Aber eines betont sie nochmal: „Ich will nicht, dass andere von mir denken, ich möchte angeben.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel