Schnittkurs Licht und Luft müssen sein

Obstbauberater Günter Plonka vom Landratsamt Ludwigsburg erläuterte in der Praxis beim Obst- und Gartenbauverein Bönnigheim den richtigen Baumschnitt.
Obstbauberater Günter Plonka vom Landratsamt Ludwigsburg erläuterte in der Praxis beim Obst- und Gartenbauverein Bönnigheim den richtigen Baumschnitt. © Foto: Martin Kalb
Uwe Deecke 29.12.2017

Traditionell am ersten Tag nach den Weihnachtsfeiertagen veranstaltet der Obst- und Gartenbauverein Bönnigheim (OGV) seinen Winterschnittkurs, der auch diesmal auf reges Interesse stieß. Günter Plonka von der Obstbauberatungsstelle des Landwirtschaftsamts Ludwigsburg demonstrierte am Beispiel zweier alter Bäume, worauf man beim Schneiden und Sägen achten sollte.

Nicht mehr auf die Leiter

Vor allem seien Leitern tabu, erklärte Plonka. Heute gebe es anders als vor 30 Jahren Geräte mit Stiel, die fünf Meter lang sind und die Leiter ersparen. „Es ist nach wie vor gefährlich“, so der Mann vom Landratsamt, der gerade auf Schnittkurs-Tournee ist. Die nächsten Tage wird er im Landkreis unterwegs sein, um Interessierten bei Schnittkursen das richtige Handwerk beizubringen.

Zunächst begrüßte OGV-Vorsitzender Peter Allmendinger die rund 80 Teilnehmer, die sich im Frauenberg zum Schnittkurs mit Frank Sartorius, Dietmar Kux und Günter Plonka eingefunden hatten. Plonka erinnerte an den letzten Januar, der bislang der Kälteste seit dem Jahr 2000 war. „Wie es weiterging wissen wir ja“, erinnerte er an die frühe Blüte und die Frostnächte im April, die hohe Schäden anrichteten. Bundesweit wurde ein Drittel der Ernste vernichtet, im Landkreis aber viel mehr – bis hin zum Totalausfall der Ernte.  „Baden-Württemberg hat’s am meisten erwischt“, so der Ludwigsburger. Und der Frost bewirke auch bei den Bäumen etwas, denn sie gingen ins Holzwachstum über.

Dann ging es über die Straße zu einem eher ungepflegten Baumstück, in dem einiges zu machen war. Zwei alte Apfelbäume hatte man sich ausgesucht, an denen die Schnitttechnik demonstriert wurde. Ziel sei eine gut belichtete Baumkrone, in die keine Äste hineinwachsen. Auch müsse die Krone gut durchlüftet sein, um den Baum vital zu halten, so Plonka. „Wir sollten darauf achten, dass wir einen harmonischen Kronenaufbau haben“, erklärte der Fachmann. Möglichst gleichmäßig sollten die Äste wachsen und möglichst nicht nach innen.

Nur wenige Schnitte

„Mit wenigen Schnitten möglichst viel erreichen“, sei das Entscheidende beim Obstbaumschnitt. 30 bis 40 Prozent könnten maximal wegfallen, die Kunst sei aber früh mit dem Schneiden aufzuhören. „Wenn man viele Bäume hat kein Problem, wenn man nur einen Baum hat schon“, wusste Plonka aus Erfahrung.

Nach drei größeren Schnitten erklärte der Fachmann, was es mit den Misteln auf sich hat. Sie seien ein Zeichen dafür, dass der Baum vernachlässigt wurde oder nicht mehr so vital sei. Misteln gab es einige in den Bäumen, und sie sorgen dafür, dass der Baum in zehn Jahren zugrunde geht. Durch den richtigen Schnitt könne man aber die Vitalität wieder herstellen, erklärte der Mann vom Landwirtschaftsamt.

Nächster Kurs nur für Frauen

Zum Abschluss gab es für alle Punsch und rote Wurst am Frauenberg. Und die Aussicht auf den nächsten Schnittkurs des OGV am 10. März, dann nur für Frauen und geleitet von Plonkas Kollegin aus Ludwigsburg.