Bönnigheim Landessynode: Andreas Wündisch kandidiert für "Evangelium und Kirche"

Der 37-jährige Andreas Wündisch bewirbt sich um ein Theologen-Mandat in der Landessynode.
Der 37-jährige Andreas Wündisch bewirbt sich um ein Theologen-Mandat in der Landessynode. © Foto: Andreas Wündisch
Bönnigheim / JÜRGEN KUNZ 31.10.2013
Am 1. Dezember wählen die evangelischen Gemeindeglieder die Vertreter in der Landessynode. Der Bönnigheimer Pfarrer Andreas Wündisch kandidiert für die Gruppierung "Evangelium und Kirche".

Der 37-jährige Andreas Wündisch ist seit 2010 Pfarrer in Bönnigheim und wohnt im Pfarrhaus in Hofen. Der verheiratete Familienvater von drei Töchtern bewirbt sich um den Theologenplatz in der Landessynode im Wahlkreis Besigheim und Brackenheim.

Was hat Sie dazu bewogen, für die Landessynode zu kandidieren?

ANDREAS WÜNDISCH: Ich möchte die Zukunftsthemen unserer Landeskirche mitgestalten. In der Gemeinde bekommen wir Pfarrer die gesellschaftlichen und kirchenpolitischen Entwicklungen hautnah mit. Manches ärgert einen, manches versteht man nicht. Da reizt es mich, nicht nur zu schimpfen, sondern die Verantwortung auch über die Gemeinde hinaus zu übernehmen. Mir ist andererseits wichtig, dass möglichst viele der TheologInnen in der Synode GemeindepfarrerInnen sind, weil sie mit der Basis in Kontakt sind.

Warum kandidieren Sie für den Gesprächskreis "Evangelium und Kirche" ?

WÜNDISCH: Eigentlich vertrete ich gar nicht gerne eine Gruppierung. Es fiel mir schwer, mich in diese "Schublade" zu begeben, weil ich die Synodalwahl primär als eine Personenwahl sehe. Und das drückt sich ja auch in der Sitzordnung in der Synode aus, wo die Ältesten vorne und die Jüngsten hinten sitzen. Ich kann mir meine Landeskirche auch schwer vorstellen ohne die vier Gruppierungen, die wir im Moment haben. Sie vertreten wichtige Traditionen und Positionen, ohne die unsere Kirche in Schieflage geraten würde. Trotzdem fühle ich mich bei "Evangelium und Kirche"(EuK) inhaltlich am Besten aufgehoben, weil dieser Gesprächskreis als "Partei der Mitte" (was man in Kirchenkreisen nicht so gerne sagt, aber wahrer ist, als es nicht zu sagen) ausgewogene Positionen vertritt und die Berührungsängste nach "links" und "rechts" nicht so groß sind.

EuK steht auch in der Tradition der Bekennenden Kirche, die im Dritten Reich versuchte, sich gegen die tödliche Ideologie der Nazis zu wehren, indem sie sich gewissenhaft und mit großer theologischer Ernsthaftigkeit an unserer Botschaft, dem Evangelium, orientierte. Das ist seit meiner Jugend ein Thema für mich: Wie kann ich wach bleiben/werden für fatale Entwicklungen? Das ist heute keine leichtere Aufgabe als damals. Theologie zu treiben bietet zwar keine Garantie, dass man immer richtig liegt, aber die ehrliche und ernsthafte Reflexion unseres Lebens im Licht des Evangeliums - mit offenem Ergebnis - gehört für mich zum Grundwerkzeug kirchlicher Arbeit. EuK vertritt außerdem ein Konzept von Volkskirche, das mir sympathisch ist: "Kirche ist für alle da." Und das nicht platt verstanden, sondern mit allen Folgen, die das mit sich bringt, wenn man es ernst nimmt: kein Rückzug aus der Gesellschaft in eine Nische, sondern die Erhaltung unserer Offenheit für unterschiedliche Frömmigkeitsstile bei ungebrochener Zuwendung zu den Menschen durch unsere Arbeit in Schule und Bildung, Diakonie und Mission.

Ordnen Sie den Gesprächskreis "Evangelium und Kirche" ein.

WÜNDISCH: EuK steht für eine Kirche, die sich klar an Jesus Christus orientiert: Erst das Evangelium, dann die Kirche. Extremismus ist dieser Position fremd. EuK steht für eine breit aufgestellte Volkskirche, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist und sich nicht in ihre Ecke zurückzieht: Kirche ist für alle da. EuK ist nicht so spritzig, so pietistisch oder so bissig wie andere. Die Freiheit durch Christus ist wichtiger als Imagepflege.

Was werden Ihre persönlichen Schwerpunkte bei einer Wahl in die Landessynode sein?

WÜNDISCH: Die theologische Arbeit ist mir wichtig. Ich habe ein starkes Interesse daran, dass das Evangelium als Grundierung unserer Entscheidungen klarer wird. Mein Eindruck ist oft, dass Kirche sich nach den Zwängen scheinbarer Notwendigkeiten richtet und dort manchmal ihren Mut verliert. Einer der grundlegendsten Punkte ist für die Zukunft unserer Landeskirche die Frage, welche Rolle PfarrerInnen, DiakonInnen und andere Hauptamtliche in Zukunft spielen werden oder noch spielen können. Die Gemeinden brauchen Kirche vor Ort und zwar in Person von Hauptamtlichen. Diese Frage muss bald gelöst werden auf dem Hintergrund theologischer Richtungsentscheidungen. Die Entwicklung unserer diakonischen Arbeit ist mir mindestens genauso wichtig: Die institutionelle Diakonie braucht mehr politische Unterstützung, die gemeindenahe Diakonie muss weitergebracht werden.

Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie in der Kirchenpolitik, in kirchlichen Organisationsstrukturen?

WÜNDISCH: In meiner Vikarszeit engagierte ich mich in der Vikarsvertretung und war Mitglied im Kuratorium des Pfarrseminars. Heute bin ich vor allem Gemeindepfarrer und nicht Kirchenpolitiker. Aber Pfarrer zu sein hat immer auch kirchenpolitische Bedeutung: Man wird gerne eingeordnet und muss sich dann gegen das Denken in (Schein-)Schubladen wehren. Als Mitglied im Vorstand der Bönnigheimer Diakonie- und Sozialstation gerät man ebenfalls mit Kirchenpolitik in Berührung.

Kann die Arbeit der Landessynode "transparenter" gestaltet werden, beziehungsweise wie gelingt es, deren Arbeit dem "normalen" Gemeindeglied nahezubringen?

WÜNDISCH: Die Landessynode arbeitet sehr transparent. Man kann im Internet die Diskussionen und Entscheidungen verfolgen oder selbst an den Sitzungen teilnehmen. Allerdings kommt tatsächlich vieles nicht bei der Basis an und umgekehrt kommt manches von der Basis nicht bei der Synode an. Ich habe mir vorgenommen, in meinem Bereich regelmäßig zu Diskussions- und Austauschrunden einzuladen. Dazu ist es natürlich nötig, den Kontakt zu den Dekanaten und Gemeinden zu halten. Eine gute Zusammenarbeit mit der Presse gehört nicht zuletzt genauso dazu. Als Gemeindepfarrer vor Ort hat man dafür die besten Voraussetzungen.

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