Bönnigheim / Susanne Yvette Walter  Uhr

Das Bönnigheimer Kultur-Wochenende gipfelt am Samstag im Städtle: Auf fünf Podien spielt die Musik. Vom klassischen Marsch für Blaskapelle bis zum Irish-Folk-Fiddle-Tune ist alles dabei, und die Nachtmusik im Schlosshof setzt am Ende den Punkt aufs i. Ein Festival, das Musikschüler und Musiker aus den Reihen der Stadtkapelle bestreiten, war einst die Vision von Stadtmusikdirektor Rainer Falk. Aus der Vision wurde Realität und das Kulturwochenende zieht in jedem Jahr Trauben von Menschen ins Städtle Bönnigheim.

Denn hier spielt die Musik am Abend gleich auf mehreren Bühnen in der Stadt. Die Menpower der Musikschule macht‘s möglich. Im Schlosshof (Podium 1) tobt sich die Big Band MVB aus sowie das Schagzeugensemble, zu dem auch das Marimbaphon gehört. „Da sag einer noch ein Schlagzeugensemble sei nicht melodisch“, lacht Doris Berger aus Vaihingen. Jazz und Latin vom tiefen Blech – das erlebt jeder, der zur großen Bühne kommt.

Saitenkünstler verschiedener Couleur

Doch auch das Umherschlendern lohnt sich am Samstagabend: In der Kronenscheuer gibt es Irish Folk mit Tobias Seyb und Julia Illenseher. Da sind anspruchsvolle Tunes mit Vorschlägen dabei. Julia Illenseher liefert das Grundgerüst auf der Gitarre. Zum guten Ton dort gehören auch die Funny Strings, das sind Saitenkünstler verschiedener Couleur, und Edelholz sowie das Streichorchester der Musikschule.

Im Zwinger wird es göttlich mit Fagott. Dazu mischen sich Saxofon, Horn und Trompete. „Fagöttliches Blech ist toll. Endlich hört man das Fagott mal ohne Orchester“, freut sich Verena Scholl aus Heilbronn-Biberach. Es ist ein Klangfarbenspektakel in der Bönnigheimer Innenstadt. „Immer wieder einmalig diese Form der gehobenen Straßenmusik“, lobt Brigitte Sauer aus Freiberg. Auch die Cyriakuskirche ist in die Podiemlandschaft integriert. Hier lassen sich Querflöten und Klarinetten nieder und auch das Saxofonensemble profitiert von der tollen Akustik.

Vom klassischen Auftakt zum jazzigen Abschluss

Auf dem Meiereihof ist Platz für die 3er- und 4er-Bläserklassen Erligheim, Kirchheim und Bönnigheim. Sie zeigen unter der Regie von Rainer Falk, was sie in einem oder zwei Jahren Gruppenunterricht im Klassenverbund alles gelernt haben. Ihre Konzerte unterm freien Himmel im Meiereihof haben Jubiläumscharakter. Doch als der Zeiger so langsam in Richtung 22 Uhr tendiert, kommt Bewegung vor die Bühnen. Die meisten Zuschauer stürmen zum großen Abschlusskonzert der Stadtkapelle Bönnigheim, das ebenfalls die Vielfalt auslebt: Zum klassischen Auftakt mit einem Marsch von Bedrich Smetana folgt ein Auszug aus der „diebischen Elster“ von Gioacchino Rossini. Doch damit genug Klassik.

Im Medley mit Frank-Sinatra-Stücken zeigt die Stadtkapelle, dass sie auch anders kann und fetzige Musik liebt. Jazzig und frech und immer am Puls des Evergreen. Beim ABBA-Medley taut das Publikum vollends auf. Musikalisch ist das alles gut arrangiert und auf die Bedürfnisse der Besucher eingestellt. „Fast wie echt, nur ohne Stimmen“, bringt es Gabi Weichsel aus Gemmrigheim auf den Punkt. Dafür können Falk und die seinen musikalisch richtig durchstarten. Mit einem Paukenschlag endet das Konzertvergnügen im Schlosshof um 23 Uhr. „Wegen der Anwohner“, erklärt Falk. Doch viele bleiben nach dem Konzert noch etwas sitzen. „Ist doch so schön lauschig hier“, findet Petra Dürrstein aus Ludwigsburg.