Bürgermeisterkandidaten-Vorstellung Kritische Fragen an beide

Uwe Deecke 11.04.2018

Die Bönnigheimer, die am Montag bei der offiziellen Kandidatenvorstellung die Turn- und Festhalle füllten, wollten es genau wissen. Sie stellten beiden Kandidaten kritische Fragen, die aber auch deutlich machten, dass sie nur einen von ihnen wirklich ernst nehmen: den Walheimer Noch-Bürgermeister Albrecht Dautel.

Die Vision von Ulrich Raisch, der sich im Gegensatz zur dritten Kanidatin Friedhilgd Miller in Bönnigheim vorstellte, ist schnell skizziert. Bönnigheim habe die „reale Chance“ zur „menschenfreundlichen Kommune“ mit einem Musikkindergarten zu werden. Woanders funktionierten die Musikindergärten, also warum nicht auch in Baden-Württemberg, wo Bönnigheim dann ein Alleinstellungsmerkmal hätte, so Raisch. Die Kandidatur in Bönnigheim ist die 38. im Landkreis Ludwigsburg, gestand er, gereicht hat es aber nie zu einem ernsthaften Ergebnis. „Ich mache mir doch keine Illusionen“, gab er sich realistisch, „die Wahl wird mit einem haushohen Ergebnis für Herrn Dautel enden.“

Bei den Fragen der Zuhörer musste sich Raisch einiges anhören. Warum er ausgerechnet hier kandidiere, wo man mit der Musikschule doch bestens aufgestellt sei, fragte eine Bürgerin? Er vermisse ein Konzept als Bürgermeister kritisierte ein weiterer Fragesteller. Raisch konterte mit Heimatliebe. Er liebe den Landkreis und wolle für die Menschen hier da sein. Aber er stehe als CDU-Mitglied auch für höhere Aufgaben bereit und habe auch schon für den Landtag kandidiert.

Albrecht Dautel musste sich zunächst mit der Frage auseinandersetzen, ob er vom Bönnigheimer Rathaus zur Kandidatur aufgefordert worden sei. Das dementierte Dautel, er habe aus eigenem Antrieb kandidiert. Er würdigte das kulturelle und soziale Miteinander der Stadt, was sich im regen Vereinsleben und bei der Musikschule zeige.

„Der Ortskern verändert sich und transformiert sich“, gab ein Bönnigheimer zu bedenken, der dazu Dautels Meinung wissen wollte. In den letzten Jahren sei eine sehr gute Sanierung gelungen, sagte der Kandidat. „Ich setze darauf, dass die Kommune nicht alles selber macht“, hofft er auf private Investoren. Die baurechtlichen Vorgaben bildeten dabei den Rahmen und sollten nicht zu restriktiv sein.

Das wenige Grün und kaum erkennbare Parkplätze kritisierte ein weiterer Bürger. Die Stadt, so der Kandidat, sei gerade noch mitten in der Bauphase. Eine Bewertung wolle er dann abgeben, wenn das Gesamtbild der Innenstadtsanierung zu sehen sei.

Auch Pöbeleien und die Vermüllung am Jugendcafé kamen zur Sprache (die BZ berichtete). Ihm sei wichtig, hier zwischen dem Jugendhaus und den Pöbeleien zu trennen, womöglich kämen die Jugendlichen auch von auswärts. Es gehe aber nicht, dass Anwohner auf die Geduldsprobe gestellt würden, man müsse aufeinander zugehen und die Probleme ansprechen. Die Bürger könnten nicht auf die Ordnungsmacht bauen, die um diese Uhrzeiten nicht präsent sei. Möglicherweise könnte eine bauliche Maßnahme die Situation entspannen.

Ja zu Tempo 30

Deutlicher sprach sich Dautel für Tempo 30 am Schulzentrum und vor Kindergärten aus. Die Autos, die sich in den letzten Jahrzehnten verdreifacht haben, werde man freilich nicht aus den Straßen wegbekommen.

 Was mit dem sozialen Wohnungsbau aus kommunaler Hand sei, wollte ein weitere Bürger wissen. „Das aktuelle Bündnis für sozialen Wohnungsbau würde ich jeder Gemeinde im Landkreis empfehlen“, entgegnete Dautel. Es habe in den letzten Jahrzehnten politische Versäumnisse gegeben, die nun für die aktuellen Probleme verantwortlich seien. Auch beim Thema Flüchtlinge forderte er Weitsicht. Integration sei nicht mit einem Dach über dem Kopf erledigt und erfordere 30 Jahre an Bemühungen. „Wir alle sind verantwortlich“, so Dautel zu dieser Gemeinschaftsaufgabe.

Albrecht Dautel stellt sich im Schnapsmuseum den Fragen der BZ

Albrecht Dautel ist unumstritten der bei weitem aussichtsreichste Kandidat für die Bürgermeisterwahl am Sonntag, 15. April, und er wird von den Bönnigheimer geschätzt und ernst genommen. Das zeigte die Vorstellungsrunde am Montag in der Turn- und Festhalle. An diesem Mittwoch, 11. April, haben die Bönnigheimer Gelegenheit, mit Albrecht Dautel tiefer ins Detail zu gehen. Der Noch-Bürgermeister von Walheim stellt sich um 17 Uhr im Keller des Schnapsmuseums im Meiereihof den Interviewfragen von BZ-Redakteur Michael Soltys. Dabei wird es sicherlich auch um das Konzept „Bönnigheim 2030“ gehen, das Dautel am Montag vorstellte, ohne sich allerdings auf Einzelheiten einzulassen. Was könnte das Ziel dieses Zukunftsplans sein, wo sieht er die Schwerpunkte, wo will er Prioritäten setzen? Ein wenig konkreter als am Montag sollten die Antworten schon ausfallen. sol

Info Die Veranstaltung im Keller des Schnapsmuseums am Mittwoch, 11. April, beginnt um 17 Uhr. Einlass ist ab 16.30 Uhr.