Das Musik-Kultur-Wochenende zeigte sich am Sonntag von einer anderen Seite und bot einen letzten Genuss in der Stille des Konzertsaals: Kammermusik-Liebhaber erleben ein Klaviertrio im Stadionschen Schloss.

Am Sonntagabend machte das Kultur-Wochenende nach dem Tag der offenen Tür in der Musikschule eine Wende. Die hohe Klassik kommt zu ihrem Recht. Lehrer der Musikschule Bönnigheim, Angelika Wollasch an der Violine, und Thomas Wieck am Violoncello zeigen, was ein eingespieltes Kammermusik-Team auf die Beine stellt. Als Basis und Verstärkung am Klavier hat Musikschulleiter Rainer Falk eine Hochkaräterin am Klavier gewinnen können: Chen Hsiao-Yen unterrichtet Klavier an der Hochschule in Stuttgart. Sie wurde in Taiwan geboren und erhielt dort seit ihrem fünften Lebensjahr Klavierunterricht. Die Pianistin mit der souveränen Ausstrahlung gewann Preise bei großen Wettbewerben wie „Tainan Piano Competition“ in Taiwan, „Carl-Wendling-Wettbewerb“ in Deutschland, „Concorso Un ricetto in musica“ und „European Music Competition Citta di Moncalieri“ in Italien. Zu ihren Spezialitäten zählt das zweite Klavierkonzert von Sergej Rachmaninoff. Sie trat damit mit dem Daimler-Sinfonieorchester Stuttgart auf.

Beim Abschlusskonzert widmet sich das Trio unter dem Titel: „Grenzenlos“ Komponisten, deren Werke man nicht alle Tage zu hören bekommt. Luise A. Le Beau gehört dazu. Die Pianistin und Komponistin stammt aus einer badischen Offiziersfamilie aus Rastatt und wurde, obwohl das für ein Mädchen damals mehr als außergewöhnlich war, auf eine Karriere als Künstlerin vorbereitet. Beim Karlsruher Hofkapellmeister Wilhelm Kalliwoda und beim Musikpädagogen Joseph Rheinberger lernte sie komponieren. Die Künstlerin, die später in München lebte, war nie verheiratet und widmete sich ganz ihrer Kunst. Sie hinterließ Kammermusik, die findige Geister heute mit neuem Leben füllen. Das spätromantisch geprägte Werk gibt allen drei „Gesprächspartnern“ Violine, Violoncello und Klavier die Möglichkeit, sich zu verzahnen und zu entfalten. Die geradlinigen Führungen der Melodielinien machen das Werk zu einem feurigen Genuss.

Angelika Wollasch an der Violine ging offensiv in den Dialog mit ihren Partnern. Ihr expressiver Ton verband sich ausdrucksstark mit dem des Cellisten. Für einen konzertanten Unterbau sorgt die Pianistin. Ihr Ton ist weich und sanft aber auch fordernd und energisch, wenn es sein muss.

Den Konzertauftakt gestaltete das Klaviertrio mit dem Trio in B-Dur von Franz Schubert. Im Vordergrund stand durchweg die romantische Musik für Klaviertrio. Die Wiener Klassik hat das Dreigestirn ausgespart. Hier im romantischen Schaffen Franz Schuberts konnten alle drei „Gesprächspartner“ ihre lyrische und ihre gefühlvolle Seite entwickeln.

Der Saal ist voll. Ein Klassikgenuss im Stadionschen Schloss? Das zieht. Der festliche Rahmen gibt einem zweiten Komponisten Raum, der es verdient, neu ins Zentrum gerückt zu werden: Joaquin Turina, ein Spanier, Schüler von Isaac Albéniz. Bei ihm begegnen sich französischer Impressionismus und andalusische Folklore auf eigenwillige Weise – eine Herausforderung auch für das Klaviertrio.

Am Ende rauscht minutenlang der Beifall. Fazit: Alle drei Musiker vergessen über dem Unterrichten nicht, die eigene Virtuosität zu pflegen.