Bönnigheim Konzert in der Cyriakuskirche: Stadtkapelle geht Neues mutig an

Das Blasorchester der Stadtkapelle Bönnigheim präsentierte gemeinsam mit dem evangelischen Kirchenchor, der durch Projektsänger verstärkt wurde, ein Konzert in der Cyriakuskirche.
Das Blasorchester der Stadtkapelle Bönnigheim präsentierte gemeinsam mit dem evangelischen Kirchenchor, der durch Projektsänger verstärkt wurde, ein Konzert in der Cyriakuskirche. © Foto: Musikverein Bönnigheim
Bönnigheim / JÜRGEN KUNZ 31.10.2013
Zu welcher musikalischen Vielfalt ambitionierte Laienmusiker und -sänger fähig sind, haben das große Blasorchester des Musikvereins Stadtkapelle und der 60-köpfige Projektchor beim Kirchenkonzert am Sonntag in der Cyriakuskirche bewiesen.

Es gehört zum Anspruch des Bönnigheimer Stadtmusikdirektors Rainer Falk, seine Musiker musikalisch zu fordern. Im vergangenen Jubiläumsjahr des Musikvereins Stadtkapelle Bönnigheim war dies bei den Aufführungen des Musicals "Franziskus" zu bestaunen, in diesem Jahr gelang dies bei einem bemerkenswerten Kirchenkonzert in der Stadtkirche. Über die Blasmusik hinaus gelingt es Falk gemeinsam mit zusätzlichen Ensembles etwas Besonderes zu präsentieren. Für das Kirchenkonzert am vergangenen Sonntag in der fast komplett gefüllten Stadtkirche, sollte die Missa Brevis von Jacob des Haan - eine Komposition, die in unterschiedlichen Besetzungen aufgeführt werden kann - ein Höhepunkt sein. Falks Idee dies gemeinsam mit dem Kirchenchor aufzuführen, war leicht umzusetzen, da die Leiterin des evangelischen Kirchenchors, Heike Bilger, genau dieses Werk für ihr Ensemble im Jahr des 125-jährigen Bestehens ausgewählt hatte. Verstärkt durch Sänger eines Chores aus Diefenbach, einigen von der Besigheimer Kantorei und etlichen des Erligheimer "DelCor" wurde aus dem Bönnigheimer Kirchenchor ein 60-köpfiger Projektchor.

Mit den Messesätzen Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei überzeugten in der Cyriakuskirche das große Blasorchester und der Projektchor das Publikum, gelang es doch den Musikern und Sängern unter der Leitung von Rainer Falk und Heike Bilger, die unterschiedlichen Klangvolumen von Orchester und Chor zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen.

Eröffnet wurde das rund einstündige Programm des Kirchenkonzerts mit der "Dies Irae"-Sequenz aus dem Verdi-Requiem. Für die Musiker der Stadtkapelle nicht nur musikalisch eine besondere Herausforderung, auch emotional forderte diese Komposition: Wie Wilfried Ponto, Vorsitzender des Bönnigheimer Musikvereins in seiner Begrüßung betonte, hatte das Orchester "Dies Irae" ihrem erst wenige Tage vor dem Konzert im Alter von 77 Jahren verstorbenen langjährigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden Karl Stötter gewidmet. Stötter, der 1978 zum Vorsitzenden gewählt worden war, war entscheidend an der Entwicklung des Musikvereins beteiligt und trug maßgeblich zur Gründung der Bönnigheimer Musikschule bei. Zu den wichtigsten von ihm initiierten und forcierten Entscheidungen gehörte das Projekt der "Bläserklassen", das gemeinsam von Musikverein, Städtischer Musikschule und Ganerbenschule getragen wird. Es ist immer noch die Basis für die herausragende Jugendarbeit des Vereins und die daraus resultierende große Anzahl an aktiven Musikern in der Stadtkapelle. So war es am Sonntagabend in der Stadtkirche in doppelter Hinsicht beeindruckend wie das große Blasorchester sich der Verdi-Komposition, dem gewaltigen Klanggemälde mit den unerbittlichen Donnerschlägen des "Tags des Zorns" (so die Übersetzung von Dies Irae) und seinen dynamischen Abstufungen, hingab - und dies in einer für Hobbymusiker bemerkenswerten Qualität und Professionalität. Durchaus schwere musikalische Kost hatte Stadtmusikdirektor Falk seinen Musikern und dem Publikum mit dem Stück "Non Potho Reposare" aus der Komposition "Variazioni Sinfiche" von Hardy Mertens zugemutet. Der Variationenreigen über ein sardisches Volkslied, das die starke Heimatverbundenheit, die "sogenannte sardische Krankheit" widerspiegelt, beeindruckte die Zuhörer durch die musikalisch transportierten Emotionen wie Leid, Sehnsucht und Hoffnung. Unbestritten haben die Bönnigheimer Orchestermusiker das komplexe und schwierige Werk meisterlich wiedergegeben, die kompositorisch ungewöhnlich große Vielfalt hinterließ bei vielen Zuhörern jedoch etliche offene Fragen. Doch der Mut, die gewohnten Publikumserwartungen aufzubrechen, wurde in der Cyriakuskirche mit viel Beifall bedacht.

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