Die Arbeit am Gemeindeentwicklungsplan hatte es 2011 ans Licht gebracht. Das Miteinander in der Gemeinde könnte noch verbessert werden. Aber wie?

Nach einer Bürgerbefragung und einer Bürgerversammlung wurden in einem Workshop Ideen gesammelt, wo und wie Ehrenamtliche hierfür etwas tun könnten. Heraus kamen Ideen wie Fahrdienste für Senioren zum Einkaufen, auf den Friedhof oder zum Facharzt, Hilfe bei Behördengängen, Unterstützung bei kleinen Arbeiten im Garten oder Haus, Leihoma/Leihopa in Notfällen oder auch Hausaufgabenhilfe.

Im April 2012 war es dann soweit: Sechs Ehrenamtliche boten ihre Dienste an. Das Netzwerk „Bürger für Bürger“ bekam eine Anlaufstelle im Rathaus. Und dort werden seither alle Anfragen entgegengenommen. „Uns war es von Anfang an wichtig, dass wir nicht in Konkurrenz zum Angebot der Sozialstation kommen“, betont Leonie Stephan. Die Gemeinderätin ist seit Beginn mit im Team der Ehrenamtlichen – und das mit Hingabe und Begeisterung.

„Ohne das Netzwerk würde mir etwas fehlen“, bekennt sie. „Denn es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen und dabei sind viele Freundschaften entstanden.“ Pflegerische Hilfe wird also nicht angeboten. Und dauerhafte Lösungen sind ebenfalls nicht im Angebot. Hilfe im Notfall steht aber immer zur Verfügung. Doch wer gibt schon gerne zu, dass er in Not ist? „Am Anfang war die Hemmschwelle, uns zu kontaktieren, sehr hoch“, räumt Stephan ein. „Denn man muss sich erst einmal selbst eingestehen, dass man Hilfe braucht. Und dann muss man sich überwinden und bei Renate Stahl im Rathaus anrufen“, sagt sie nach mehr als sechs Jahren Erfahrung.

Und wie groß ist nun die Nachfrage? „Das schwankt sehr stark“, erzählt Leonie Stephan. „Im Oktober letzten Jahres hatten wir pro Einsatzkraft zwei bis drei Termine in der Woche. Da sind wir dann auf Suche nach Verstärkung gegangen. Denn je mehr mitmachen, desto mehr Aufgaben können wir auf viele Schultern verteilen und bekommen so mehr geschultert“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. „Und ich merke, die Nachfrage wächst.“ Und das Vertrauen ins Netzwerk „Bürger für Bürger“ wächst ebenso.

„Es gab aus gesundheitlichen oder privaten Gründen ab und zu Wechsel bei den Ehrenamtlichen. Aber es sind immer noch sechs bis acht Personen, die zur Verfügung stehen“, berichtet Leonie Stephan. „Doch es passiert immer wieder, dass wir Menschen zum Arzt fahren und gebeten werden, mit ins Sprechzimmer zu kommen.“ Manchmal seien die Ehrenamtlichen fast wie ein Tochter- oder Sohn-Ersatz. Aber es seien nicht allein ältere Menschen, die sich melden, schließlich könne jeder Hilfe in Anspruch nehmen.

„Was mich erstaunt hat, bislang kam noch nie eine Anfrage, ob jemand mal zum Karten spielen, zum Spazieren gehen oder einfach zum Reden vorbeikommen könnte“, sagt sie. Denn eigentlich nimmt sie viele einsame Menschen in der Gemeinde wahr. Und schränkt aber gleich darauf ein: „Was den Bürgern hier in der Gemeinde geboten wird, sucht meines Erachtens seines Gleichen.“ Dass sich die Ehrenamtlichen im Netzwerk für ihre Mitmenschen engagieren, freut Bürgermeister Rainer Schäuffele sehr. „Davor habe ich großen Respekt“, sagt er. Denn die Entschädigung beschränkt sich auf Kilometergeld und eine Einladung zum „Dankeschön-Abend“.

Info Wer sich im Netzwerk „Bürger für Bürger“ einbringen oder wer Unterstützung in Anspruch nehmen möchte, kann sich unverbindlich im Rathaus bei Renate Stahl, Telefon (07143) 88 40 15 melden.