Tradition Klangvolle „Stille Nacht“ vom Köllesturm

Bönnigheim / Susanne Yvette Walter 06.12.2017

Es begab sich drei Wochen vor Weihnachten im Jahr 2008, da hatte der Bönnigheimer Trompeter Volker Wentz eine Eingebung. Er schaute den Köllesturm hinauf und stellte sich vor, wie schön es doch wäre, wenn dort Bläser am Heiligen Abend der Bönnigheimer Bevölkerung eine klangvolle Freude machen würden. Gedacht, getan: Seit zehn Jahren spielen Wentz und drei Musikerkollegen an jedem Heiligen Abend zu später Stunde vom Köllesturm herab traditionelle Weihnachtslieder.

Von der Idee zur Umsetzung war es nur ein Schritt, denn der Trompeter Volker Wentz hat eine Schar von gleichgesinnten Musikerkollegen im Bönnigheimer Musikverein. Beim Vorsitzenden der Historischen Gesellschaft Bönnigheim, Kurt Sartorius, rannte er mit der Idee gleich offene Türen ein. Sartorius übergab ihm den Turmschlüssel ohne zu zögern.

„Anfangs haben wir auch mal mit zwei Gruppen gespielt, die einen weiter unten, die anderen weiter oben, aber das hat sich als zu kompliziert herausgestellt. Als Quartett zu spielen hat sich einfach bewährt“, erzählt Volker Wentz, der Turmspieler. Von Petrus Gnaden sind er und seine Mitstreiter nicht abhängig, denn die vier spielen zwar bei geöffneten Fenstern, halten allerdings nicht die Instrumente beim Spielen hinaus. „Das wäre zu gefährlich, und es ist da oben sehr eng. Wir zeigen uns dann ganz zum Schluss am Fenster ohne Instrumente und wünschen schöne Weihnachten“, erzählt der leidenschaftliche Musiker.

Zu seinem festen Team gehören Andreas Gerdes und Lena Jung am Horn. Die beiden wechseln sich ab. Tom Wentz an der Posaune und Trompeter Oliver Flaig gehören ebenfalls zur Besetzung. „Wir nehmen immer ein bisschen Glühwein mit auf den Turm danach gehts zu Tom Wentz nachhause. Da wird dann weiter gefeiert“, beschreibt Volker Wentz das Ritual, da so vielen Bönnigheimern und Musikfreunden aus der Umgebung den Heiligen Abend versüßt.

„Da kommen oft 200 Leute und mehr und dafür steigen wir doch gern die gefühlt 70 Stufen hinauf und frieren ein bisschen“, lacht er und freut sich schon auf das Spiel zum kleinen Jubiläum am Heiligen Abend, der diesmal auf den vierten Advent fällt.

Von der Organisation her gebe es keine Komplikationen. Volker Wentz holt den Schlüssel, und obwohl es im Köllesturm elektrisches Licht gibt, entscheiden sich die Musiker jedes Mal für die kleine Beleuchtung direkt am Notenständer – wegen der Atmosphäre. „Es ist immer so schön und motivierend, wenn man da unten die vielen Menschen stehen sieht“, erklärt der Trompeter. Ob sie mitsingen, kann er nicht mit Gewissheit sagen. Dafür ist die Distanz von unten nach oben einfach zu groß. Aber ihre Emotionen, die erreichen Volker Wentz auch in seinem zugigen Turmzimmer. „An Weihnachten 2010 war es besonders malerisch – alles weiß verschneit. An Heilig Abend zu spielen, das ist ja nicht jedermanns Sache. Wir sind eine Truppe, der das ganz besonderen Spaß macht“, betont Wentz.

„Herbei, oh Ihr Gläubigen“, „Oh du Fröhliche“ und als letztes „Stille Nacht, heilige Nacht“, an Weihnachten lieben die Menschen Rituale. Eines davon: Am Ende zeigen sich alle vier Musiker am Fenster und wünschen schöne Weihnachten. Dafür gibts immer sehr viel Applaus.

Info Das Köllesturmspiel ist immer die letzte Veranstaltung des Musikvereins im Jahr. Das Adventsspiel im Schlosshof, bei dem das komplette Orchester, Solisten und einzelne Ensembles mitwirken, beginnt dieses Jahr am dritten Advent um 17 Uhr. Das Turmblasen beginnt am Heiligen Abend um 23.10 Uhr.