Zunächst war im Fall von Rolf H. nur vor dem Heilbronner Landgericht von rund 28 Geschädigten die Rede, die dem Mitglied des Tennisclubs Lauffen Geld geliehen und nicht zurückbekommen hatten (die BZ berichtete). Diese Zahl hat sich nun auf 44 erhöht, und es steht ein Gesamtschaden von 1,3 Millionen Euro im Raum, die sich der frühere Bank-Filialleiter und spätere Anlageberater ergaunert haben soll.

In der Anklage ging es um 82 Fälle in der Zeit zwischen Mai 2014 bis April 2018, bis Rolf H. untertauchte. Der Brackenheimer versprach zuvor seinen Gläubigern hohe Zinsen auf das geliehene Geld. Damit trat er als Käufer von Immobilien vor der Zwangsversteigerung auf, die er unter Zustimmung der Banken vom Hausbesitzer erwarb und nach eigenem Bekunden wieder an den ursprünglichen Besitzer zurück verkaufen wollte. Die Geldinstitute schrieben bei diesem Geschäft einige Beträge ab, der Besitzer verkaufte sein Haus, hatte seine Schulden los und erwarb im besten Fall anschließend sein Haus zurück. Rolf H. verdiente so an einem Preisaufschlag sowie einer Provision, doch der Rückkauf geschah offenbar nicht immer.

„Geschäftsmodell“ konnte nicht funktionieren

Dass das Geschäftsmodell auf Dauer so nicht funktionieren konnte, sei offensichtlich, so der Sprecher der Staatsanwalt Christoph Meyer-Manoras gegenüber der BZ. Wie viele Immobilien Rolf H. erworben und verkauft habe, sei nicht bekannt. Auch sei nicht klar geworden, wohin das Geld aus den nicht entstandenen Rückkäufen geflossen sei.

Im Jahr 2002 habe Rolf H. das Geschäftsmodell mit einem Immobilienkauf angefangen und anfänglich auch die geliehenen Gelder mit Verzinsung zurückbezahlt. Irgendwann sei es aus dem Ruder gelaufen, und er konnte die Forderungen nicht mehr bedienen. „Es gab Renditeversprechungen von bis zu 26 Prozent“, so Meyer-Manoras. Dabei sei das Geld immer in bar geflossen, und es gebe keine Verträge über die Geschäfte. In einer Art Schneeballsystem habe er neue Gelder nur noch dazu verwendet, alte Forderungen zu begleichen. „Wir können davon ausgehen, dass es deutlich mehr Geschädigte gibt als sich gemeldet haben.“

Bis zu 200 000 Euro bekam Rolf H. von seinen Freunden und Bekannten, die vermutlich auch aus Bönnigheim und Kirchheim stammen. Dass es ihm gelang, über Jahre so viel Geld einzusammeln, ist auch seiner Position und Beliebtheit im Tennisclub Lauffen zu verdanken. „Er hatte in den letzten Jahren keine Immobilie mehr“, erklärt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, lediglich das eigene Wohnhaus, das er zuletzt erfolglos versuchte, seiner Frau zu überschreiben.

Der Angeklagte hat bei Banken Schulden, so dass der vom Gericht festgesetzte Betrag von 1,1 Millionen Euro nicht gepfändet werden kann. Als Vorsitzender des Fördervereins des Tennisclubs war Rolf H. zuletzt tätig, wo Gelder an Spielerinnen nicht ausbezahlt wurden. Nachdem er den Forderungen nicht mehr gewachsen war, tauchte Rolf H. im April unter. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen, ab diesem Zeitpunkt wurde europaweit gefahndet. Nach aufwendigen Fahndungsmaßnahmen wurde er dann durch eine Handy-Ortung im Juli in Mannheim von Beamten der Kriminalpolizei Heilbronn festgenommen.