Im Jahr 2011 übergab Kirchheim die offene Kinder- und Jugendarbeit sowie die Jugendsozialarbeit an die Diakonische Jugendhilfe Region Heilbronn (DHHN). Der Schwerpunkt lag aufgrund mehrerer Vorkommnisse im öffentlichen Raum zunächst beim Aufbau und der Durchführung von Jugendsozialarbeit. Junge Menschen sollten, so das erste Konzept, durch pädagogische Fachkräfte angesprochen und gebunden werden.

Nachdem es zu einer festen Cliquenbildung älterer Jugendlicher und junger Erwachsener kam und kaum noch Jugendliche in die alte Turnhalle an der Neckarwiese kamen, zog man in Folge von weiteren Krankheitsfällen im Gemeinderat die Notbremse und beendete im Sommer den Vertrag mit der DHHN vorzeitig. Auch bei der Stara in der Wiesentalhalle war kein fester Mitarbeiter der Jugendhilfe mehr vor Ort und es musste improvisiert werden.

Neues Konzept umsetzen

Im Juni wurde Fachberater Volker Fuchs mit einem Konzept beauftragt, wie die Kinder- und Jugendarbeit besser funktionieren könnte. „Mit dem Ziel, die Jugend- und Sozialarbeit in die eigene Hoheit zu bringen“, sei dieser Schritt erfolgt, erklärt Bürgermeister Uwe Seibold auf Anfrage der BZ. Nun müsse man noch die Feinjustierung vornehmen, um das neue Konzept auch umzusetzen, so der Rathauschef. Klar ist für ihn, dass das alte Jugendhaus in der ehemaligen Turnhalle nicht mehr genutzt werde könne, allenfalls für Veranstaltungen. Stattdessen stehen mehrere Optionen im Raum, wie man die Kirchheimer Jugendlichen wieder erreicht.

Volker Fuchs erläuterte die Ergebnisse aus dem Beteiligungsprozess, der in den letzten Monaten lief. Als übergreifende konzeptionelle Ziele soll eine gemeindenahe Kinder- und Jugendarbeit unter Einbindung von offenen Angebotsformen und Vernetzung der Unterstützungs- und Beratungsangebote geschaffen werden. Junge Menschen sollen zu Jugendbeteiligung und zu bürgerschaftlichem Engagement angeregt werden. Als Zielgruppe nennt das Konzept möglichst viele junge Menschen und unterschiedliche Jugendgruppen, insbesondere ungebundene Kinder und Jugendliche oder bisher nicht wahrgenommene Gruppen. Die bisherige Zielgruppe der von Ausgrenzung bedrohten jungen Menschen soll auch weiterhin erreicht werden. Differenziert wird dabei zwischen 11- bis 13-Jährigen, 14- bis 15-Jährigen und 16- bis 18-Jährigen. Ziele der Jugendarbeit seien, so Fuchs, die Medienbildung, interkulturelle Verständigung, Biografie- und Identitätsbildung, gesellschaftliche und politische Bildung sowie Sucht- und Gewaltprävention.

Idee: Jugendmobil

Nach dem Wegfall des Jugendhauses, das nur sehr teuer saniert werden könnte, steht ein Jugendmobil zur Diskussion, in dem Kontakte hergestellt werden könnten. Vorgeschlagen wurde auch ein Kinder- und Jugendbüro, das als Drehscheibe für alle Belange von Kindern und Jugendlichen gedacht ist und als Begegnungs- und Kooperationsplattform zwischen professioneller und ehrenamtlicher Kinder- und Jugendarbeit agieren könnte. Es seien Jugendräume als Treffpunkt für Kinder und Jugendliche notwendig, was aber nicht in der klassischen Form geschehen soll, weil erneut eine Cliquenbildung befürchtet werde. Von den Jugendlichen des Jugendhearings wurden allgemeine Öffnungszeiten gewünscht, allerdings nicht zu festgelegten Zeiten, sondern mehr an ihren Bedarfen orientiert. Angeregt wurde auf der Sitzung auch ein günstiges „Tiny House“, das auch in anderen Kommunen Verwendung findet.

Trägerschaft bei der Gemeinde

In Kirchheim stehen insgesamt 2,5 Personalstellen zur Verfügung. Die Schulsozialarbeit wechselt, wie bereits im Juni vereinbart wurde, zum Schuljahresende 2019 in die Trägerschaft der Gemeinde. Die übrigen 1,5 Stellenanteile der Offenen Jugendarbeit sollen „nachhaltig“ besetzt werden. Nach Beratungen im Sozialausschuss will die Gemeinde am 1. Januar damit starten. Das Gremium stimmte dem Konzept einstimmig zu.