Im Garten des evangelischen Gemeindehauses in Bönnigheim feierte am Samstag mit einem literarisch-musikalischen Abend die Hospizgruppe ihr fünfjähriges Bestehen.

Seit 2014 gibt es diese Gruppe von Ehrenamtlichen unter dem Dach der Sozialstation Bönnigheim, Erligheim und Kirchheim, die sich um schwerstkranke Menschen kümmert. Ehrenamtliche, die nicht nur für die Kranken sondern auch für deren Angehörige da sind und ihre Zeit der wertvollen Sache opfern. Sie unterstützen Familien in ihrer schwersten Zeit und entlasten mit ihrer Arbeit Pflegeheime und Ärzte ehrenamtlich.

Nach der internen Feierlichkeit vor wenigen Wochen in Erligheim ging es nun in den für alle geöffneten Garten hinter dem evangelischen Gemeindehaus, wo ein besonderes Programm auf die rund 50 Gäste wartete. Das weibliche Saxophonquartett „Gleis 4“ spielte ein breites Programm aus Jazz, Klassik und Tango, begleitet von Texten der Autorin, Schauspielerin und Theaterpädagogin Lisa Kraus. Auch bekannte Autoren wie Joachim Ringelnatz, Pablo Neruda, Rose Ausländer, Ulla Hahn oder Marie Luise Kaschnitz waren vertreten und wurden von Lisa Kraus rezitiert. Ihre eigenen Texte sprühen vor Witz und Zeitgeist, widmen sich hintergründig den aktuellen gesellschaftlichen wie auch privaten Themen. Zusammen mit einem Tango von Astor Piazzolla ergab das eine wunderbare Mischung, die beim Publikum viel Anklang fand.

„Wir sind froh, dass wir hier sein dürfen“, sagte Leiterin Anita Ereth zu Beginn, die zufrieden auf die letzten fünf Jahre blicken kann. In dieser Zeit habe man sich von 12 auf 16 ehrenamtliche Mitarbeiter gesteigert, 13 davon seien Frauen. „Wir sind aber auch stolz auf unsere drei Männer“, so die Leiterin der Hospizgruppe, die meist in Pflegeheimen, aber auch in Krankenhäusern und Privatwohnungen vor Ort ist, wenn Hilfe benötigt wird.

Alle 16 haben eine 100-stündige Ausbildung hinter sich, die sie auf die Anforderungen der Tätigkeit vorbereitet. Die Hospizinitiative Ludwigsburg bildet die Ehrenamtlichen aus und vermittelt, was gebraucht wird. Sensibilität und Offenheit würden benötigt, sagt Ereth, aber auch sich selbst zu reflektieren und zu wappnen.

Was hat sich geändert in den letzten Jahren? „Die Nachfrage ist viel größer geworden“, sagt die Leiterin. Schwierigkeiten Ehrenamtliche zu finden, habe die Gruppe aber nicht, denn es gebe nach wie vor genügend Freiwillige, die sich für die Arbeit interessieren.

Jedes Jahr geht die Hospizgruppe mit drei Veranstaltungen im Januar, Februar und März an die Öffentlichkeit, um das Thema zu enttabuisieren und in die Gesellschaft zu holen. In ihrer Arbeit begleitet die Gruppe jährlich 30 bis 40 Menschen in ihrer schwersten Zeit vor dem Tod, nach einer schwerwiegenden Diagnose und kümmert sich auch um die nahen Angehörigen, die dann ebenfalls oft Hilfe brauchen. Dabei werden sie von Angehörigen und Pflegheimen angerufen, wenn die Hilfe gebraucht wird.

Unter dem Titel „Vergesset nicht Freunde, wir reisen gemeinsam“ standen am Samstag nachdenkliche, zeitkritische und auch unterhaltsame Texte im Mittelpunkt, bei hochklassiger Musik der vier Saxofonistinnen. Weil sich ein Gewitter ankündigte, ging es in der Pause nach drinnen, wo später der zweite Teil stattfand. Es war am Ende ein Abend zur Entspannung und Unterhaltung mit einem gelungenen Bühnenprogramm, der bei Sekt und Gesprächen ausklang.