Wie andere Kommunen auch hat Kirchheim im September 2017 einen Lärmaktionsplan aufgestellt und dem Regierungspräsidium und dem Landratsamt Ludwigsburg zur Abstimmung vorgelegt.  Nun hat sich die Rechtslage aber nach einem VGH-Gerichtsurteil im letzten Jahr verändert: Die Kommune ist jetzt selbst als Planungsträger für die Umsetzung des Lärmschutzes zuständig, woraufhin das Landratsamt Ludwigsburg Mitte Februar die Verantwortung an die Gemeinde zurückgegeben hat.

Ungeahnte Lösung

Weiterhin stattfinden soll die „Einbindung der zuständigen Fachbehörden“ und pflichtgemäße Abwägung verschiedener Rechtsgüter und Interessen. In dieser neuen Lage soll nun die dritte Fortschreibung des Lärmaktionsplans erfolgen, was Verkehrsplaner Stefan Wammetsberger vom Büro Köhler & Leutwein in der Sitzung des Kirchheimer Gemeinderats am kommenden Donnerstag erläutern wird.

Mit der neuen Regelung könnte sich für Kirchheim eine ungeahnte Lösung aus einem Dilemma ergeben: Die Lärmwerte sprechen zwar alle für eine Einführung von Tempo 30 an der B 27 mitten durch den Ort, doch damit war man in der Kommune nicht zufrieden. Zu groß ist die Befürchtung, dass am Tag 2000 Autos und LKW die Schleichwege benutzen, allen voran die Bahnhofstraße, Wilhelmstraße und Schillerstraße. Die Gemeinde hatte sich bereits konkrete Maßnahmen bis hin zur Sperrung der Schillerstraße überlegt.

Als tragfähige Lösung könnte sich ein „Flüsterasphalt“ erweisen, den sich die Gemeinde nun selbst verordnen könnte. Daniel Renkonen von der Grünen-Fraktion im Landtag hatte bei einem Treffen der Bürgerinitiative „B27 raus aus Kirchheim“ diese Option angesprochen und sich mit Erfolg dafür eingesetzt. Er erreichte, dass das Land nun grundsätzlich trotz eines noch nicht sanierungsbedürftigen Fahrbahnbelages bereit ist, die Kirchheimer Ortsdurchfahrt B27 mit einem „Flüsterasphalt“ zu versehen.

„Die beste Option“

Der Belag hätte aber auch zur Folge, dass die Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 30 hinfällig wäre, unter Umständen müsste auch die bestehende Tempo-30-Regelung für die Nachtzeit zurückgenommen werden. Hierfür findet aktuell bis zur Sitzung des Gemeinderats noch die endgültige Abstimmung statt, deren Ergebnisse dann vorliegen.  Die Verwaltung schlägt in der Beschlussvorlage den „Flüsterasphalt“ als beste Option vor. „Es wäre ruhiger und würde Wirkung erzielen“, sagte Bürgermeister Uwe Seibold auf Anfrage der BZ. Gleichzeitig gebe es bei Tempo 50 Verkehrssicherheitsaspekte, die es abzuwägen gelte. Wenn diese Lösung am Donnerstag eine Mehrheit findet, müssten gleichzeitig auch alle im Bereich der Ortsdurchfahrt vorhandenen Schächte und deren Abdeckungen erneuert werden, die Kostenschätzung beläuft sich dabei auf rund 200 000 Euro.

Für den Asphalt sprechen aus Sicht der Verwaltung nicht nur seine lärm- und schmutzmindernde Wirkung sondern auch die Vermeidung von Ausweichverkehr auf der Bahnhofstraße, Schillerstraße, Wilhelmstraße, Hauptstraße und Oberdorfstraße. Auch dazu wird Stefan Wammetsberger vom Planungsbüro Zahlen präsentieren und seine Sicht der Dinge erläutern. 

Info Die Sitzung des Kirchheimer Gemeinderates findet am Donnerstag, 21. März, im Rathaus statt. Sie beginnt um 19 Uhr.