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Stuttgart 21 BZ
Brackenheim / Uwe Deecke  Uhr

Mit der Festung Hohenasperg ist der gebürtige Badener  Klaus Wanninger in seinem 20. Krimi klar auf der Spur der Schwaben, nicht nur historisch betrachtet. Der despotische Herzog Carl Eugen von Württemberg  ließ hier einsperren, wer ihm missfiel, und der „Tränenberg“ spielt in dem Krimi eine gewichtige Rolle. Es geht um eine Leiche, die dort gefunden wird und die beiden Kommissare Steffen Braig und Katrin Neundorf beschäftigt. Es geht aber auch um Fahrverbote und Straßen, die eine liebenswerte Atmosphäre zerstören und die Luft verpesten in Zeiten des Klimawandels. Fridays for Futures spielen daher auch eine Rolle im neuesten Werk des früheren Religionslehrers, der passionierter Bahnfahrer ist und keinen Führerschein besitzt.

Aufsätze waren zu lang

Wanninger hat Religion und Geografie studiert und schon in der Schule angefangen, zu schreiben. „Ich durfte meine Aufsätze nie vorlesen, weil es den Unterricht gesprengt hätte“, sagt Klaus Wanninger im Gespräch mit der BZ. Später arbeitete er für Zeitungen wie die Badischen Neuesten Nachrichten und den Mannheimer Morgen, verfasste Reiseberichte über Fahrten mit der Bahn, die als Serie erschienen. Bis zu 120 000 Kilometer im Jahr war er damals mit der Bahn unterwegs, immer in Europa.

Sein Vater war „Bahner“, die Eisenbahn liegt ihm am Herzen, und der kommende Stuttgarter Bahnhof regt ihn auf. „Stuttgart 21 ist eine Katastrophe“, sagt er, und er hatte das Thema oft in seinen Krimis. Auf den Demos war er nicht nur einmal dabei und er hat vieles auszusetzen an dem Projekt, das die Schwaben spaltet. Die Schieflage, das Grundwasser, die zu langen Rettungswege seien eigentlich verrückt. Diesmal aber komme Stuttgart 21 nicht vor, man müsse das Thema auch nicht immer bringen, findet er.

Auf eine Auflage von über 650 000 Exemplare haben es seine Bücher gebracht und stoßen auf eine treue Fangemeinde. Mit viel Lokalkolorit kommen die Schwaben-Krimis daher, aber auch mit brandaktuellen Themen wie Städtebau, Landwirtschaft und  Klimawandel.

Zum Jubiläum wird es auch historisch mit dem Herzog Carl Eugen von Württemberg, dessen Gefängnis auf dem Hohenasperg eine Rolle spielt. „Es ist ein Symbol für die jahrhundertelange Unterdrückung  der geistigen Freiheit“, unterstreicht Wanninger. Brackenheim komme im Finale vor, deshalb will er nicht zu viel darüber verraten. Dann geht es noch um einen verschwundenen Bauunternehmer, der mit einem örtlichen Bauern in Streit geraten war, Landwirtschaft trifft auf Profitgier. Wanninger legt aber Wert darauf, „dass es anders läuft als der Leser denkt“.

„Ich habe bewusst versucht, schwäbische Geschichte und Charaktere reinzubringen“, erklärt der Wahl-Backnanger, der nun seit 40 Jahren der Liebe wegen hier lebt. Und irgendwie sei er inzwischen auch Schwabe geworden, findet der 66-jährige Autor. „Deftiger Realismus“ und auch Pessimismus gehöre da unbedingt dazu. „Wenn Sie den blauen Himmel sehen, ahne ich schon die Gewitterwolken, die bald aufziehen“, umschreibt er diesen schwäbischen Charakterzug.

Zeit für Recherchen

Wie man als Religionslehrer zum Krimi kommt? Er mag eben spannende Geschichten, zudem war sein Onkel Hauptkommissar in Hamburg-Mitte. Wenn seine Geschichten entstehen, schaut er sich die Schauplätze genau an und nimmt sich Zeit für seine Recherchen, auch in Besigheim und Bönnigheim war er bereits. Vorbilder hat er hauptsächlich in England, und wegen der Sprache dann auch solche Autoren, die schon etwas älter sind. Ruth Rendell nennt er als Beispiel gelungener britischer Erzählkunst, aber auch einem Henning Mankell kann er einiges abgewinnen. Beim Zugfahren hat man einfach viel Zeit. Etwa um zu lesen.

Info Klaus Wanninger, Schwaben-Teufel, der 20. Fall für Steffen Braig und Katrin Neundorf. KBV-Verlag, 13 Euro.