100 Jahre Frauenwahlrecht Im Mittelpunkt steht die Bildungsarbeit

Annegret Höink ist Vorsitzende der Landfrauen Kirchheim und setzt auf Bildungsarbeit.
Annegret Höink ist Vorsitzende der Landfrauen Kirchheim und setzt auf Bildungsarbeit. © Foto: MARTIN KALB
Kirchheim / Carolin Domke 10.11.2018

Am Herd stehen und für Feste in der Umgebung Gelees einkochen oder Kuchen backen. Gelegentlich Rezepte austauschen und hin und wieder mal ein Ausflug in der Gruppe unternehmen, wenn man mal nicht den täglichen Hausarbeiten nachgeht – so könnte man sich die Tätigkeiten der Landfrauen vorstellen. Tatsächlich steckt hinter dem Verein viel mehr als dieses Klischee vermuten lässt.

„Es ist viel mehr Bildungsarbeit“, verrät die Vorsitzende der Landfrauen Kirchheim Annegret Höink. Seit 1997 ist die berufstätige Mutter von erwachsenen Kindern Mitglied bei den Landfrauen. „Es wandelt sich schon ein bisschen. Aber dieses Klischee vom Frauenverein besteht immer noch.“ Das aus den Köpfen der Leute zu bekommen sei nicht leicht. Und auch die Frauen der ersten Stunde mögen zwar viele Dinge noch anders gesehen haben als die Generation heute, trotzdem haben sie für vieles gekämpft, meint sie.

Den Verein in Kirchheim gibt es seit Ende 1961. Heute zählt er 92 Mitglieder, viele zwischen 45 bis Mitte 50, dann folgt eine große Lücke bis zu den Ältesten mit 80 oder auch 90. Die Mitgliederzahlen seien allerdings rückläufig. „Wir sind inzwischen einfach berufstätig, teilweise auch den ganzen Tag“, da bleibe nicht mehr viel Zeit sich intensiv mit der Vereinsarbeit auseinander zu setzen. Dazu sitzt das Klischee der Land- und Hausfrau noch in vielen Köpfen junger Frauen und wird zuerst skeptisch betrachtet, meint die Vorsitzende. Mit den Vorträgen und der öffentlichen Präsenz wirken sie dem allerdings entgegen. Heute sprechen Vorträge wie „Weibliche Sexualität in der Geschichte“ oder „Auf den Spuren des Plastikmülls“ auch jüngere Generationen an und sind bei den Bürgern sehr gefragt.

Was die Landfrauen fordern

Die Landfrauen Kirchheim sind dem Landfrauenverband Baden-Württemberg unterstellt, was den Kirchheimerinnen Vorteile bringt. So kann auf Referenten zurückgegriffen oder Wünsche direkt an das Präsidium weitergereicht werden. Der Fokus der Landfrauen ist klar definiert: Bildung, Familie, ländlicher Raum, Gesundheit, Umwelt, Ehrenamt und Gleichstellung. Letzter Punkt ist eben auch das, wofür Frauen seit Jahren kämpfen – und schließlich auch das Wahlrecht für Frauen möglich machten.

„Richtig angekommen ist man vielleicht noch nicht“, so Höink, doch je mehr man sich im Ort einen Namen macht, desto besser werde es. Es seien vor allem die Außenstehenden, die die Arbeit der Landfrauen noch kritisch sehen. Die intensive Bildungsarbeit überrasche jedoch immer mehr und überzeugt. Mit Blick auf die Vergangenheit gab es ihrer Meinung nach nicht viele Schwierigkeiten und große Herausforderungen für die Frauen in Kirchheim. „Das lag sicher auch daran, dass die Frau des damaligen Bürgermeisters sehr dahinterstand“, die auch bei der Gründung selbst dabei war und „ein gewisses Regiment geführt hat“, lacht sie. Heute bietet der Verein auch Chancen und zum Beispiel Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich der Hauswirtschaft, die Frauen einen Weg ins Arbeitsleben ebnen.

Vor 100 Jahren ging es „erst mal um die Rechte der Frauen – letztendlich Menschenrechte – und die Gleichberechtigung. Es war mehr ein Prozess, der sich dahin entwickelt hat und die Landfrauen dazu machte, was sie heute sind.“ Damals standen politische Themen in Vordergrund, heute mehr die Bildungsarbeit. Für die Frauen, die heute auf dem Land leben, wo eine ganz andere Infrastruktur vorhanden ist, stehen schnelleres Internet und die Kinderbetreuung im Fokus. „Solche Dinge sind wichtiger für die Frauen von heute.“

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