Bönnigheim Im kirchlichen Leben nicht wegzudenken

Der Kirchenchor, die Streicher und Gesangssolisten beim Konzert in der Cyriakuskirche aus Anlass des 130-jährigen Bestehens.
Der Kirchenchor, die Streicher und Gesangssolisten beim Konzert in der Cyriakuskirche aus Anlass des 130-jährigen Bestehens. © Foto: Helmut Pangerl
Susanne Yvette Walter 10.07.2018

Seit 130 Jahren schenkt der Evangelische Kirchenchor der Kirchengemeinde Bönnigheim mit Hofen den Menschen Trost und Freude, vor allem zu besonderen Anlässen. Bei Festgottesdiensten zauberten die zur Zeit rund 30 Sänger schon vielen Menschen ein Glänzen in die Augen. Der Kirchenchor unterstrich das durch ein Kirchenkonzert, das am Samstagabend die Cyriakuskirche bis ganz nach hinten füllte.

„Leider sind Kirchenchöre vom Aussterben bedroht. Jede Gemeinde kann sich glücklich schätzen, wenn sie noch einen Kirchenchor hat“, brachte es Stadtpfarrer Ulrich Harst auf den Punkt. Bönnigheim ist in der glücklichen Lage, dass hier noch 30 Sänger unter dem Dirigentenstab von Georg Bartl zusammenkommen und immer dann öffentlich singen, wenn sie gerufen werden, ob es nun eine Goldene Hochzeit ist, die musikalisch umrahmt werden will, oder eine Trauerfeier. Der Kirchenchor ist zur Stelle.

„Wir sind 130 Jahr jung, und wir möchten weitermachen. Aber wir brauchen neue Sänger, die sich für die alten Kirchenlieder interessieren“, umschreibt Notenwartin Marianne Ritter die aktuelle Situation.  „Das Singen in der Gemeinde als hörbares Zeichen der Reformation ist eine Errungenschaft, die bis heute anhält und Früchte trägt. Wenn in unserem Kirchenbezirk Chöre seit vielen Jahren lebendig sind, ist das ein Grund zur Freude und Dankbarkeit, ein ermutigendes Zeichen“, sagt Kirchenmusikdirektor Tobias Horn.

„Der Chor trägt wesentlich zur guten Atmosphäre und zum Zusammenhalt in der Kirchengemeinde bei. Er ist aus dem kirchlichen Leben in unserer Stadt nicht wegzudenken“, lobte der scheidende Bürgermeister Kornelius Bamberger die Gemeinschaft. Er sprach im Grußwort zum 130-jährigen Bestehen seine Anerkennung für den Einsatz und Idealismus des Sänger aus.

Gegründet 1888

Gegründet wurde der Kirchenchor im Frühjahr 1888. Der damalige Stadtpfarrer Heyd scharte damals 22 Sopranstimmen, zwölf Alt-, fünf Tenor- und acht Bass-Stimmen um sich. Der erste Auftritt war an Pfingsten im Gründungsjahr. Daran erinnert die Festschrift, die extra zum 130-jährigen Chorjubiläum erschienen ist.

Konflikte in der Nazi-Zeit

Von bunten Abenden bis zu lehrreichen Seminaren reichen die gemeinsamen Unternehmungen bis heute. Der Kirchenchor war auch dabei, als die von Immanuel Böhringer gestiftete Orgel geweiht wurde. Im Dritten Reich kam es wohl zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem zu den „deutschen Christen“ gehörenden Chorleiter und dem zur „Bekennenden Kirche“ stehenden Pfarrer, geht aus der Chronik hervor. Als der Chorleiter 1935 sein Amt niederlegte, war der Chor bis 1943 nicht mehr aktiv.

Doch es folgten auch nach dieser Durststrecke wieder Jahrzehnte des Aufbaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Chor durch- und zusammengehalten bis heute. Eine Reihe von Dirigenten gingen Georg Bartl voraus, der seit rund fünf Jahren am Dirigentenpult steht. Auch seine Vorgänger Heike Bilger, Theophil Stetter, Tobias Seyb, Wolfgang Kohnle und eine ganze Reihe mehr hatten dazu beigetragen, den Chor zu formen und ihn zu einer starken Gemeinschaft zu machen.

Info Anlässlich des Jubiläums wurden  langjährige Sänger geehrt: Christel Gabler und Hanna Müller für 50 Jahre, Brigitte Lhotak für 45 Jahre, Hildegard Schweyher für 35 Jahre, Rosmarie Wöhrwag und Günter Wöhrwag für 30 Jahre und Doris Frenzel für 25 Jahre.

Festlicher Einzug in die Cyriakuskirche

Als besondere Geste zum 130-jährigen Bestehen kamen die Sänger zu Beginn ihres Kirchenkonzerts in Bönnigheim am Samstag singend hintereinander in die Cyriakus-Kirche. Sie stimmten gemeinsam das berühmte „Alta Trinita beata“ aus der Hand eines unbekannten Meisters um 1550 an und ließen dann festliche Werke von Georg Philipp Telemann und Marc-Antoine Charpentier hören.

Mozart hatte mehr als nur ein Wörtchen mitzureden: Sein „Laudate Dominum“ für Soli, Chor und Streicher war ein Erlebnis. Bachs „Jesus bleibet meine Freude“ erklang, und auch andere Barockkomponisten wie Philipp Heinrich Erlebach und Romantiker wie Felix Mendelssohn-Bartholdy lieferten das passendes Liedgut für das Jubiläum des Chores.

Die Streicher entpuppten sich als solider und tonal sehr stabiler Klangapparat mit Christian Zott und Miriam Franzki an der Violine, Wolfgang Ißler an der Viola und Katja Zott am Violoncello. Cilli Ißler übernahm den Part am Kontrabass, und Bettina Zickler spielte an der Truhenorgel. Als Gesangssolisten machten Elisabeth Bodein, Sopran, JörgHoffmann, Tenor, Maria Lerke, Alt und Georg Bartl, Baß eine gute Figur. suy

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