Bönnigheim Im Glanz des Schlosses

Bönnigheim / Heike Rommel 03.12.2018

Wer am Wochenende seinen fahrbaren Untersatz auch noch so weit weg geparkt hat von der Bönnigheimer Innenstadt – der Weihnachtsmarkt war unüberhörbar. Immer dem Geräuschpegel und dem Duft nach Glühwein folgend, war jeder mittendrin in Bönnigheim, wie es leibt und lebt. Die Gelegenheit, unter der Sternen-Stadtillumination einen bezaubernden Markt zu erleben, der wenig kommerziell meist auf Selbstgemachtes basierte, wollte sich aus der Ganerbenstadt und Umgebung keiner nehmen lassen.

Der Duft nach Glühwein, Waffeln und Crêpes zog hunderte von Besuchern in die malerische, kulturbeflissene und traditionsreiche Stadt Bönnigheim. Ganz am Anfang der Bummel-Runde waren sie erst einmal verblüfft. „Glögg“, nicht Glühwein, hieß die erste Herausforderung aus Skandinavien und Schweden. Eine eigenwillige Mischung aus Gewürzen und Rum, schwimmend auf Mandeln.

Das Alfred-Amann-Gymnasium erwies sich mit seiner Tombola nebst Hot Dogs und Kuchen ebenfalls als Publikumsmagnet. Denn der erste Preis war ein Tagespass für den Freizeitpark Tripsdrill.

Internationales Angebot

Ausgefallene Kleidung, ein Donut-Café, eine Racelette-Bude, italienische Salcicca, Pizza, Klassiker wie Stecks, rote Wurst, Pommes und Currywurst, Exotisches wie der syrische Grieskuchen oder die gefüllte Teigtasche Fatayar vom Ökumenischen Freundeskreis Flüchtlingshilfe, Gyros mit Pitta: Nicht nur kulinarisch gesehen war der Weihnachtsmarkt international, auch in den Gassen zwischen den Buden waren allerhand Sprachen zu hören.

Optisch bot sich zwischen dem Schloss ein buntes Bild. Vor allem, was sie Mützen und Hutmode betraf. Bei erträglichen Temperaturen schlenderten in einer bezaubernden Atmosphäre Familien, Grüppchen, Cliquen und Solisten gemütlich über den Weihnachtsmarkt, auf dem keiner durch kam, ohne irgendwo angesprochen zu werden. An den Stehtischen lernten sich viele Leute kennen. Etliche Besucher nutzten am ersten Adventswochenende auch die Gelegenheit, zum letzten Mal mit ihren Freunden und Bekannten ausgiebig zu feiern, bevor auf Weihnachten hin der Rückzug ins Private angesagt ist.

„Heiße Hilde“ löffeln

Sie waren vorzugsweise beim „Glüh-Gin“ oder beim „Heißen Nikolaus“ der Handballer zu finden, oder aber auch auf ein Schnäpschen der allseits bekannten Bönnigheimer Brennerei. Wo Omas ihr Sahnehäubchen von der „Heißen Hilde“ ablöffelten und Opas sich mit dem „heißen Jungspund“ versuchten, genossen die Enkel einen Kinderpunsch mit Bratapfel oder Schokobanane. So kam der Vorgeschmack auf Weihnachten perfekt.

Viele kamen auch extra zum Rahmenprogramm, wie dem Spiel des Posaunenchores, zum Gospel-Chor „Da Capo“ oder zum Kinder- und Jugendchor des Gesangvereins Concordia. Der Nikolaus war am Sonntag  auch schon da.

Kunst aus Treibholz

„Mir gefällt es hier“, verlor sich eine Besucherin fast im Schlosshof. Nicht wegen der Luftsprünge auf dem Kinder-Bungee, sondern wegen des Bönnigheimer Kunsthandwerkermarktes. Schmuck aus Silber und Süßwasserperlen, Dosen und Schachteln für die individuelle Verpackung eines ganz besonderen Weihnachtsgeschenks, Unikate von Babysachen, wie sie schnuckeliger nicht hätten sein können, nickelfreie Ohrstecker, Filztaschen, Selbstgehäkeltes, Krippen aus Holz, Weihnachtsdekoration aus Holz, Gehäkeltes – was es auf dem Kunsthandwerkermarkt gab, war alles selbst her gestellt von Hobbykünstlern und nicht kommerziell.

Hingucker, wahre Blickfänge für jede Wohnung und jedes Haus hatte beispielsweise der Lehrer und freiberufliche Künstler Ulrich Hinder dabei. Sein Schwerpunkt: Holz- und Treibholzkunst, passend zur Weinstadt Bönnigheim. ein Hals- und Ohrschmuck aus Rebenholz, meist mit einer Perle, fand Trägerinnen, die das Natürlich-Schöne zu schätzen wissen. Ein Ehepaar konnte sich gar nicht mehr lösen von dem, was Hinder aus Rebenholz macht. Kerzenständer und Teelichthalter, an denen sich der Betrachter wegen des Dreh‘- und Wechselwuchses der Rebe nicht satt sehen kann. „Bisher“, sagte das Ehepaar, „haben wir immer alles verschenkt, was wir auf dem Bönnigheimer Weihnachtsmarkt gekauft haben“. Doch der Teelichthalter aus Rebholz, soll mal was ganz alleine für uns selber sein.“

So fanden viele Besucher persönliche Dinge, die sie schon immer mal haben wollten und gleichzeitig außergewöhnliche Geschenke für Weihnachten. Vor allem Naturprodukte. Eine Kürbiskernseife, ein gehaltvolles Kürbiskernöl, Kürbiskerne mit Curry, Kürbiskerne in Schokolade, ein Öko-Wein von heimischen Reben und eine Marmelade oder ein Chutney aus heimischen Beeren hat schon unter so manchem Christbaum edler ausgesehen als ein Geschenkpack aus dem Kaufhaus.

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