Der Mord an dem früheren Bönnigheimer Bürgermeister Johann Heinrich Rieber wäre wohl niemals so in den Vordergrund gerückt, hätte die frühere US-Staatsanwältin Ann Marie Ackermann nicht in ihrem Buch „Tod eines Mörders“ die Hintergründe der Bluttat aus dem Jahr 1835 aufgeklärt. Ein abgelehnter Forstamtsbewerber hatte den Bürgermeister hinterrücks erschossen. Ein Gedenkstein erinnert in Bönnigheim an die Tat. Im vergangenen Jahr reiste der damalige Bürgermeister Kornelius Bamberger eigens in die USA, um die Belohnung von 200 Gulden für die Aufklärung des Verbrechens zu überreichen (siehe Infokasten).

Ins Deutsche übersetzt

Erst in der vergangenen Woche spielten Kinder beim Ferienprogramm den Mordfall nach und machten sich auf die fiktive Suche nach Zeugen. Ann Marie Ackermanns Buch ist jetzt ins Deutsche übersetzt worden, es erscheint am 18. September im Silberburg-Verlag. Das soll gefeiert werden, finden die Stadt Bönnigheim und der Silberburg-Verlag. Am Mittwoch und Donnerstag, 25. und 26. September, werden sie „Tod eines Mörders. Ein spektakulärer Kriminalfall aus dem 19. Jahrhundert“ in Schloss Bönnigheim offiziell vorstellen.

Doch damit nicht genug: Anlässlich der Buchpremiere wird das Verbrechen an beiden Abenden als Schauspiel inszeniert. Die Mitwirkenden sind Mitarbeitern aus dem Rathaus, der Polizei und des Gemeinderats. Das Schauspiel über die historische Bluttat von Bönnigheim ist Teil der Regionalbuchtage des Börsenverein des Deutschen Buchhandels und dem dem Bundesministerium des Innern und dem Börsenverein sogar eine finanzielle Förderung wert.

Am ersten Veranstaltungsabend spricht Bürgermeister Albrecht Dautel die Grußworte, kündigt die Stadt an, am zweiten Abend übernimmt die Ansprache Rüdiger Müller, Standort- und Programmleiter des Silberburg-Verlags. Autorin Ann Marie Ackermann führt in die Historie des Kriminalfalls ein und erklärt, wie der Mord Geschichte schrieb – und bis heute Ermittlungs-Rekorde hält.

Die Rollen der Laiendarsteller bei dem szenischen Schauspiel sind bereits verteilt. Polizist Heiner Ziegler spielt als Oberamtsrichter Eduard Hammer die Rolle des Ermittlers. Die drei Gemeinderäte Dorothea Bechtle-Rüster, Jochen Türk und Michael Gerdes sowie der ehemalige Stadtrat Gerhard Hepperle spielen Stadträte der damaligen Zeit und drei Schüler der Theater-AG des Alfred-Amman-Gymnasiums übernehmen die Rollen von Verdächtigen und Zeugen.

Obwohl der Kriminalfall bald 200 Jahre zurückliegt, ist er bis heute außergewöhnlich: Er umfasst die längste Zeitspanne zwischen Tat und Aufklärung, ist Deutschlands einziger Mordfall, der in den USA aufgeklärt wurde, erstmals fand die Anwendung der forensischen Ballistik statt und es gab die späteste Belohnung für die Aufklärung eines Mordfalls, die je bezahlt wurde.

Info Autorin Ann Marie Ackermann, die heute mit ihrer Familie in Bönnigheim lebt, war neun Jahre Staatsanwältin in den USA. Sie ist Übersetzerin und Verfasserin wissenschaftlicher Texte in Deutsch und Englisch, auch über ihr Hobby Ornithologie. Ihr Roman „Death of an Assassin: The True Story of a German Murderer who Died Defending Robert E. Lee“, wurde 2017 veröffentlicht und 2018 mit dem „Independent Publisher Award“ in Bronze in der Rubrik „True Crime“ ausgezeichnet.

Erst 2018 wurde die Belohnung ausgezahlt


Es war ein ungewöhnlichen Termin, den der damalige Bönnigheimer Bürgermeister Bürgermeister Kornelius Bamberger im Mai 2018 wahrnehmen musste. Bei einem Buchfestival im US-Bundesstaat Maryland überreichte er die späte Belohnung für die Klärung des Mordfalls am früheren Bönnigheimer Bürgermeister Johann Heinrich Rieber, der im Jahr 1835 erschossen worden war. Der Täter, ein abgelehnter Forstamtsbewerber, war damals in die USA geflüchtet, kämpfte unter General Robert E. Lee im amerikanisch-mexikanischen Krieg und fiel im Feld bei Vera Cruz. Das hatte die Bönnigheimerin Ann Marie Ackermann herausgefunden, eine frühere US-Staatsanwältin, deren Buch über den Fall jetzt auf Deutsch erschienen ist. Erst 37 Jahre nach der Tat war der Fall in Washington von Friedrich Rupp aufgeklärt worden, der zur Zeit des Mordes ebenfalls in Bönnigheim lebte. Er verließ die Stadt und wanderte mit seiner Familie in die USA aus, nachdem er der Tat verdächtigt worden war.

Rupps Nachfahren machte Ann Marie Ackermann bei der Recherche zu ihrem Buch „Death of an Assasin“ ausfindig. An sie überreichte Bamberger die Belohnung von 1000 Euro. Denn die damals ausgesetzte Belohnung von 200 Gulden war nie bezahlt worden, erklärte Bamberger in seiner Rede beim Buchfestival. Zur Übergabe und zum Buch führte der Fernsehsender NBC sogar ein Interview, und auch die Washington Post berichtete über den Fall. sol