Pilze zeigen sich jetzt in verschiedenen Outfits und mit ganz unterschiedlicher Wirkung. Pilzsachverständiger Werner Lorenz aus Kirchheim kennt sich aus und schaut gern über mitgebrachte Fundstücke.

 „Wir haben ein pilzreiches Jahr, und da es in allen Wäldern Speisepilze gibt, haben wir dank des vielen Regens viele Exemplare, auch in den Gärten und Wiesen“, erläutert Lorenz. Hauptberuflich hat er mit Kaminholz zu tun, doch die Faszination, die von den kleinen Waldfrüchten ausgeht, hat ihn einmal gepackt und nie wieder losgelassen. „Ich bin einmal in einem pilzreichen Jahr im Wald gestanden und dachte mir, dass die doch nicht alle giftig sein können“, erzählt er. Das habe ihm keine Ruhe gelassen und er fing an sich einzulesen. „Doch was ich in der Literatur fand, hat mir nicht gereicht, deshalb habe ich viele Kurse besucht, einige davon in der Pilzschule Schwäbischer Wald, bei einem gefragten Pilzspezialisten, Dr. Lothar Kriegelsteiner“, so Lorenz.

Seitdem ist  Lorenz Mitarbeiter an der Pilzschule Schwäbischer Wald. Seit vier Jahren ist er ausgewiesener Experte auf dem Gebiet. Bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) hat er eine entsprechende Prüfung abgelegt. Immer wieder kommen Interessierte auf ihn zu, sei es um ihre gesammelten Pilze von ihm durchsehen zu lassen oder um sich mit ihm auf die Spurensuche nach Pilzen zu begeben.  Lorenz will ab kommendem Jahr auf Anfrage geführte Pilzwanderungen durch die Wälder anbieten.

Während er spricht, dreht er einen Dachpilz fachgerecht aus der Erde. „Der verströmt viele Millionen von leicht rosafarbenen Sporen und wächst auf Holz“, lässt Lorenz wissen. Auf dem liegenden Baumstamm daneben leuchten gleich zwei Arten von Baumpilzen, sogenannte Trameten, in der Herbstsonne, zum einen Schmetterlingstrameten, zum anderen striegelige Trameten. „Das sind keine Esspilze, dafür aber Heilpilze. Der Wirkstoff wird pulverisiert in Kapselform gepresst, getrocknet und gemahlen. Das stärkt das Immunsystem“, weiß Lorenz.

Bei der Suche nach Pilzen gibt es wohl kein Rezept, und in jedem Jahr steckt der Wald neu voller Überraschungen – und Gefahren. Wer kein Risiko beim Sammeln eingehen will, lässt einen Pilzsachverständigen über seinen Fund schauen, denn bekanntlich sind die Verwechslungsgefahren bei einigen Exemplaren groß. Der Waldchampignon wird gern mit dem weißen Knollenblätterpilz verwechselt, das Stockschwämmchen mit dem tödlich giftigen Nadelholz-Häupling.

Aus der Erde herausdrehen

„Besonders der grüne Knollenblätterpilz kommt bei uns häufig vor und im Frühsommer gibt es einzelne sehr giftige Exemplare wie den Pantherpilz. Um sicher zu sein, dass man alle Bestimmungsmerkmale an einem Pilz sehen kann, muss er vollständig sein“, erklärt Lorenz. Deshalb plädiert er dafür, die Pilze aus der Erde herauszudrehen. Wer ihm seine Fundstücke als Ganzes präsentiert, kann mit einer verlässlichen Antwort rechnen. Und während zurzeit die Dachpilze und mit ihnen vereinzelt noch Parasolpilze zu finden sind, klingt das Pilzjahr Ende Oktober so langsam aus. Einige zerzauste Tintlingen stehen auf der Lichtung, wo Werner Lorenz in Ottmarsheim gerade Holz macht. „Im Spätjahr wird es diffizil. Da findet man kaum mehr Esspilze, außer dem berühmten Steinpilz“, sagt er.