Noch kann die Stadt Bönnigheim ihren sozialen Verpflichtungen gegenüber den Flüchtlingen nachkommen. 16 Menschen, unter anderem aus dem Irak und aus Mazedonien, sind derzeit in Bönnigheim untergebracht. Doch die Zahl der Hilfesuchenden wird drastisch steigen. "Allein 2015 rechnen wir in Bönnigheim mit 15 weiteren Personen, 2016 mit zusätzlichen 27", sagt Timo Steinhilper, der zuständige Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung.

Steinhilper sprach am Freitag im Evangelischen Gemeindehaus bei der ersten Versammlung des neu gebildeten Ökumenischen Freundeskreises Flüchtlingshilfe. Mit der steigenden Flüchtlingswelle stoße die Verwaltung bei der Unterbringung und in der Betreuung der Flüchtlinge an ihre Grenzen, so Steinhilper. Bürgermeister Kornelius Bamberger äußerte sich in seinem Grußwort deshalb froh darüber, dass sich Kirchen und Privatleute künftig in der Unterstützung der Flüchtlinge engagieren wollen. Für Pfarrer Eyub Aksoy ist die Flüchtlingsarbeit ein Gebot der Nächstenliebe: "Eine Gesellschaft zeigt ihr wahres Gesicht darin, wie sie mit Menschen, die in Not geraten sind, umgeht." Wie der neue Freundeskreis helfen kann, zeigte Lore Bernecker-Boley vom Freundeskreis Asyl in Bietigheim-Bissingen an Beispielen aus der Praxis. Rund 30 Ehrenamtliche unterstützen in der Enzstadt die Hilfesuchenden. Die Aufgaben seien vielfältig und reichten von Deutschkursen und Hausaufgabenhilfe bis zur Begleitung auf Ämter und Behörden sowie beim Einkaufen, so Bernecker-Boley. Wichtig seien auch der menschliche Kontakt zu den Flüchtlingen und die Bildung eines sozialen Umfeldes. Ein großes Problem sei die Suche nach geeignetem Wohnraum, bestätigte Lore Bernecker-Boley. Suchten anerkannte Asylanten in Bietigheim-Bissingen Wohnraum, stünden sie schnell vor verschlossenen Türen. In Bönnigheim befinden sich etliche alte Häuser in städtischem Eigentum und stehen leer. Ihr maroder Zustand lasse es aber nicht zu, dort Flüchtlinge unterzubringen, sagte Timo Steinhilper. Die Stadt wendet sich deshalb auch mit der Bitte an Privateigentümer, Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. "Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge zu schaffen, ist ein weiteres Problem", weiß Bernecker-Boley. Alles wichtige Hinweise für den neuen Freundeskreis in Bönnigheim. Dieser will zunächst ein Netzwerk aufbauen. Dazu konnten sich die knapp 50 Anwesenden in Listen eintragen und dabei angeben, in welchen Bereichen sie sich eine künftige Mitarbeit vorstellen könnten.

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