Bönnigheim Hagel richtet den meisten Schaden an

Bönnigheim / Von Uwe Deecke 29.08.2018

Auch für das Bönnigheimer Hofgut Bellevue war das Jahr 2018 ein Ausnahmejahr. Dürre und vor allem Hagel machten dem Getreide und den Kartoffeln zu schaffen. Auf rund 86 Prozent schätzt Christine Bayha, Geschäftsführerin des Hofguts, die Einbußen bei Weizen und Gerste, nachdem rund um Bönnigheim der Hagel nieder ging. „Bei Zwiebeln macht es auch viel aus“, so die Geschäftsführerin. 30 Prozent Ausfall gebe es hier, bei Kartoffeln seien es um die 20 Prozent.

Regenmaschine im Einsatz

Seit 100 Jahren hat die Familie Bayha das Hofgut, doch einen solchen Sommer hat sie in der Form noch nicht erlebt. Die Dürre in diesem Jahr war hier weniger das Problem. „Einen Teil der Fläche konnten wir bewässern“, erklärte Christine Bayha. Es gibt hier einen eigenen Tiefbrunnen, der ausreichend Wasser hat und dieses Jahr gut genutzt wurde. Die Regenmaschine, die über das Feld gezogen wird, war ständig im Einsatz und sorgte für das Wasser, das die Pflanzen brauchen. Die Kartoffeln werden mit einem Kreiselregner bewässert, die Rohre dafür liegen im Boden.

Gegen die Hagelschäden ist das Hofgut von Christine, Gerhard und Marianne Bayha versichert und die Versicherung ist noch bezahlbar. Bei der Gefahrenversicherung sehe es anders aus, sagt die Bönnigheimerin. Sie wünscht sich etwa bei Frostschäden eine Versicherung, die erschwinglich ist und bei allen Kulturen greift.

Zwar würden gerade Hilfen für Landwirte in diesem Extremjahr überall diskutiert, aber ob da auch bei den Kartoffeln etwas bezahlt werde, sei offen. Ein zinsloser Kredit helfe da nur wenig, stellt sie fest. Besser sei es, Maßnahmen zu fördern, die solche Schäden verhindert können. Das bedeutet einfachere Umsetzungen von Frostberegnungen und Bewässerung für Landwirte, um massive Ernteausfälle zu verhindern. Existenzgefährdend war das Jahr für das Bellevue nicht, zu viele dieser Art sollten aber auch nicht folgen, so die Geschäftsführerin. Es sei ein Ausnahmejahr mit langen Hitzeperioden gewesen, und noch sei das Jahr auch noch nicht vorbei. Den Klimawandel spüre man als Landwirt unmittelbar.

Der Name Bellevue kommt nicht von ungefähr. Vor über 100 Jahren war der Hof einmal im Besitz einer französischen Familie und bekam so seinen Namen. Danach übernahm die Familie Bayha das Geschäft am Ortsrand in Richtung Meimsheim.

Im Bellevue-Hofladen wird das verkauft, was auf den umliegenden Feldern geerntet wurde. Kartoffeln, Zwiebeln, Zuckerrüben, Eier und Knoblauch sind hier zu haben und die Beratung gibt es kostenlos dazu. Der Weizen wird meist an die eigenen Mastschweine verfüttert, der Rest geht zur Mühle, wo er verkauft wird. Auf die Preise, sagt Christine Bayha, habe sich das Extremjahr kaum ausgewirkt.

Der Hofladen hat für die Kunden das ganze Jahr geöffnet von Dienstag bis Freitag (16 bis 18 Uhr) sowie am Samstag (10 bis 12 Uhr). Daneben gibt es dort noch einen Selbstbedienungs-Verkaufsstand, der durchgehend genutzt werden kann. Infos dazu unter Telefon (07143) 2 26 26.

Info Nachdem Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) die Länder aufgerufen hatte, über Schäden und vorgesehene Hilfen zu informieren, beliefen sich die ersten Schätzungen auf rund 1,1 Milliarden Euro. Besonders hohe Schäden vermelden dabei Schleswig-Holstein, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Der Bauernverband hatte zuvor Hilfen von einer Milliarde Euro für Landwirte gefordert, die wegen der Trockenheit schwere Ernteausfälle erleiden. Zuständig für Nothilfen an Landwirte sind aber zunächst die Bundesländer. Bund und Länder zahlten zusammen zuletzt im Jahr 2003 wegen einer Dürre insgesamt 72 Millionen Euro.

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