Bürgermeister-Gespräch Große Projekte und keine Schulden

Bürgermeister Rainer Schäuffele im Erligheimer Rosenfeld: "Wenn der große Brocken Rosenfeld gepackt ist, sind wir infrastrukturmäßig so gut aufgestellt, dass man als nächstes schon wieder ans Rathaus denken kann."
Bürgermeister Rainer Schäuffele im Erligheimer Rosenfeld: "Wenn der große Brocken Rosenfeld gepackt ist, sind wir infrastrukturmäßig so gut aufgestellt, dass man als nächstes schon wieder ans Rathaus denken kann." © Foto: Helmut Pangerl
Erligheim / Roland Willeke 05.01.2018

Auf jeden Fall sehr positiv.“ Wie aus der Pistole geschossen kommt die Antwort von Bürgermeister Rainer Schäuffele in seinem Rückblick auf das Jahr 2017.

Gesamtbilanz des Jahres 2017: Mit der Einweihung des Kleeblatt-Pflegeheims konnte im Juni das größte Projekt, das es in Erligheim je gegeben hat, abgeschlossen werden. Als Mitgesellschafter der Kleeblatt gGmbH hat Erligheim 1,3 Millionen Euro, das sind 30 Prozent der Kosten des Pflegeheimbereichs, in das Objekt investiert. Die Einrichtung bietet 28 Pflegeplätze und 18 betreute Wohnungen.

Die Ortskernsanierung zeigt positive Resultate, wie in der Löchgauer Straße 10, wo Büros und eine Bäckereifiliale mit einem Café entstanden sind. „Früher hat das hier alles nach Abbruch ausgesehen“, erinnert sich Schäuffele an seine Anfangsjahre als Bürgermeister in Erligheim.

Die Umstellung auf Ganztagsunterricht an der Grundschule Erllgheim-Hofen hat nach Auskunft des Bürgermeisters „sehr, sehr gut funktioniert“. 60 Kinder nehmen am Ganztagsangebot der Schule teil. Gegessen wird in der neuen Mensa des benachbarten Kinderhauses.

Beim Thema Flüchtlinge „läuft alles im Großen und Ganzen soweit gut“, berichtet der Bürgermeister, nicht zuletzt dank der Ehrenamtlichen, die sich am Runden Tisch Asyl zusammengefunden haben. In der Gemeinde leben derzeit 36 Flüchtlinge, weitere 18 sollen 2018 hinzukommen. Auch wenn man, wie in der letzten Gemeinderatssitzung zu erfahren war, noch Unterkünfte für 12 Personen sucht, ist man im Erligheimer Rathaus zuversichtlich, die an die Gemeinde gestellten Anforderungen erfüllen zu können, wenngleich es sich als schwierig erwiesen hat, private Vermieter zu gewinnen.

Die wichtigste Investition 2017 war neben dem Kleeblatt-Heim der Umbau des Bürgerhauses Vordere Kelter, das einen Aufzug bekommt und damit barrierefrei wird. Außerdem wird ein zweiter Rettungsweg installiert, der diesen Namen auch wirklich verdient.

Die Haushaltslage zum Jahresende bezeichnet Rainer Schäuffele „schwäbisch-bescheiden“, wie er sagt, als „nicht schlecht“. Trotz der geplanten und teilweise abgeschlossenen Großprojekte ist die Gemeinde seit September schuldenfrei. Auch die für 2018 geplante Sanierung des Bungalow-Gebiets Rosenfeld soll ohne neue Schulden über die Bühne gehen. An der Steuerkraft gemessen, liegt Erligheim indes nur auf dem 31. Platz unter den 39 Kreisgemeinden. „Da sieht man, dass es anderen noch viel besser geht“, bemerkt Rainer Schäuffele. Neidisch wird er aber nicht.

Das wichtigste Projekt 2018 wird die Sanierung des Rosenfelds, eines Bungalow-Gebiets aus den sechziger Jahren, das man – worüber Rainer Schäuffele sehr erleichtert ist – in die laufende Ortskernsanierung aufnehmen konnte. Im Haushalt ist das Rosenfeld mit über 700.000 Euro veranschlagt. Für Rainer Schäuffele ist es das Projekt schlechthin im kommenden Jahr. „Das wird sehr, sehr spannend – auch logistisch“, sieht er voraus, nicht zuletzt im Hinblick auf die 45 betroffenen Eigentümer.

Zu den Aussichten für 2018 gehört auch, dass gefeiert werden darf. Und das gleich zweimal. Mitte März soll das umgebaute Bürgerhaus übergeben werden, aber der Termin steht „Spitz auf Knopf“, wie es der Bürgermeister ausdrückt. Und dann ist da noch das 1225-Jahr-Jubiläum, das mit einer Festveranstaltung und einem Bildband gefeiert wird; der Schwerpunkt wird auf den letzten 25 Jahren liegen.

„Wenn der große Brocken Rosenfeld gepackt ist, sind wir infrastrukturmäßig so gut aufgestellt, dass man als nächstes schon wieder ans Rathaus denken kann“, lenkt Rainer Schäuffele den Blick auf die Zeit danach. Das 1989 fertiggestellte Rathaus sollte nach seiner Ansicht, gerade auch im Hinblick auf die Bewohner der Alteneinrichtungen in der Gemeinde, barrierefrei werden und einen Aufzug erhalten.

Der Gemeinderat wird sich mit der Großen Scheune im Hinterhof des Gasthauses „Grüner Baum“ zu beschäftigen haben. Das denkmalgeschützte Bauwerk – nach der Kirche das höchste Gebäude Erligheims – wurde in diesem Jahr mehrfach begutachtet. Die Untersuchungsergebnisse werden 2018 präsentiert. Die Scheune gehört je zur Hälfte der Gemeinde und einer Erbengemeinschaft. Für die Sanierung stellt sich Rainer Schäuffele vor, einen auf solche Denkmäler spezialisierten Sanierer einzubinden.

Die persönlichen Erwartungen des Bürgermeisters? Dass es so weiter geht, antwortet Rainer Schäuffele, wenngleich er sich bewusst ist, dass auch wieder andere Zeiten kommen. „Aber im Moment gibt es keine dunklen Wolken am Horizont.“ Falls doch, hofft Schäuffele auf das ehrenamtliche Engagement der 2744 Erligheimer. „Ohne Ehrenamt würde vieles in Erligheim nicht laufen“, weiß er und wünscht sich, dass das auch so bleibt, trotz des gesellschaftlichen Wandels.

Das Sorgenkind ist nach wie vor das einstige Hofgut Scheurlen in der Hauptstraße 1. Aber es gibt Lichtblicke. Das heruntergekommene, aber denkmalgeschützte Anwesen geriet jüngst in die Hände eines Esslinger Investors und wird jetzt im Internet angeboten. Schäuffele hofft, dass die hohen Abschreibungen für das Denkmal das Käuferinteresse steigern. Für den Fall der Fälle hat die Gemeinde ein neues Rückkaufsrecht – eine Option, die Schäuffele aber lieber nicht ziehen möchte.

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