Als Adam und Eva nach dem Sündenfall aus dem Paradies vertrieben und sich ihrer Nacktheit bewusst geworden waren, gab Gott ihnen Felle zur Bekleidung, steht es im Alten Testament geschrieben. Der Schöpfergott selbst sei somit der erste Modedesigner der Menschheitsgeschichte, sagte Pfarrer Martin Burger beim „Hautnah-Gottesdienst“ am Sonntag in der voll besetzten Hofener Ottilienkirche.

Weil es traditionell in den evangelischen Bönnigheimer Gemeinden sonntagmorgens drei parallele Gottesdienste gab, suchte der Geistliche schon vor ein paar Jahren nach neuen Formaten, die auch Menschen anziehen sollten, die sonst nicht in die Kirche gehen. Er schuf mit Taizé-Andachten und seiner Idee „Schwätz auf dem Bänkle“ in der kleinen, aber stimmungsvollen Dorfkirche attraktive Angebote, die inzwischen sehr gut angenommen werden. Am Sonntagnachmittag nahm diesmal Manuel-Roy Schweikhart, Leiter der Kostümabteilung des Theaters Heilbronn und langjähriger Modeschneider Wolfgang Joops, auf dem Bänkle Platz.

„Deine Kleidung sagt aus, wie du gesehen werden willst“, sagte der Modefachmann, und sprach von Codes, die von der Umwelt wahrgenommen und decodiert würden. Weiter war vom Markenzwang unter Schülern die Rede, und vom Spirit, etwa in einem Unternehmen. Ebenso davon, dass Mode die jeweilige Persönlichkeit unterstützen und ausdrücken könne, wie ein Mensch von seiner Umgebung behandelt werden möchte.

„Kleider verraten viel über uns und unsere inneren Haltungen, doch man kann es nie allen Zeitgenossen recht machen“, resümierte der Heilbronner Kostümbildner und Modecoach. Wichtiger als die Wahrnehmung anderer bleibe am Ende die Selbstsicht, die innere Stärke eines Menschen. Der kurzweilige Dialog zwischen den beiden Männern auf dem Gartenbänkle lieferte schließlich die Grundlage für eine bibeltheologische Vertiefung des Themas.

Die Würde einbüßen

Adam und Eva, die den Garten Eden verlassen und, nachdem sie von der verbotenen Frucht gegessen hatten, im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot essen müssen, stehen angesichts ihrer Nacktheit in der Gefahr, selbst verschuldet ihre Würde einzubüßen. Doch Gott verleiht ihnen und allen nachfolgenden Menschen ihre Würde auf neue Weise, indem er sie bekleidet, ihnen Schwäche und Versagen verzeiht und sie in ihrer Gottebenbildlichkeit in einen exponierten Rang innerhalb der Schöpfung erhebt. Und an Weihnachten wird Gott selbst Mensch, macht sich elend, nackt und bloß, wie es im Lied „Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich“ heißt und nimmt selbst eine Knechtsgestalt an.

Diese zugleich rätselhafte und unumstößliche Liebe Gottes zu den Menschen, die Glaubensgewissheit, dass er uns nie alleine lässt, bildeten den theologischen Fokus des monatlich stattfindenden Hautnah-Gottesdienstes am vergangenen Sonntag, wobei hautnah zweierlei bedeuten soll, wie Pfarrer Burger am Rande erklärte: Zum einen sollen den Gottesdienstbesuchern auf der Gartenbank hautnah Menschen begegnen, die zum anderen hautnahe Themen zur Sprache bringen.

Die Besucher erlebten einen anregenden Gottesdienst, der auch Lieder und meditative Musikstücke für Klavier und Altsaxofon sowie hinführende Texte, vorgetragen von Gemeindemitgliedern, beinhaltete. Nachdenklich verließen die Zuhörer das kleine Kirchlein, in der Erkenntnis, dass seit Anbeginn das Thema Bekleidung, Mode und Schönheit die Menschheit nicht mehr losgelassen hat. Und dass Menschen, unabhängig ihrer gesellschaftlichen Stellung und ihres Besitzes, doch letztendlich alle nackt in ihren Kleidern stecken, wie es der Dichter Heinrich Heine es in seinen Reisebildern formuliert hat.