Es wird nicht zu schnell gefahren, sondern zu tief geflogen“, sagt ein Anwohner der Pforzheimer Straße in Freudental. Ortseinwärts behalten die Autofahrer aus dem Kirbachtal das Landstraßentempo bei, ortsauswärts werde richtig Gas gegeben, vor allem von Motorradfahrern im Sommer, hat er beobachtet. „Wer die Strecke täglich fährt, weiß, dass die Blitzer nicht funktionieren“, sagt der Freudentaler, der sich an die BZ gewandt hat und namentlich nicht genannt werden möchte. Spätestens seit letztem Jahr ist das jedem Autofahrer klar. Die runden Kamerafenster am Blitzerkasten wurden einfach überklebt, was schon von weitem zu sehen war. Inzwischen wurden die Aufkleber wieder entfernt.

Eichung ist das Problem

Der Freudentaler hat sich daher ans Landratsamt gewandt, doch dort werde eine Instandsetzung als zu teuer angesehen. Durch die entstandenen Spurrinnen könne nicht mehr exakt gemessen werden, und eine Straßensanierung und Neuverlegung der Kontaktschleifen käme zu teuer, wurde ihm beschieden.

Soll also alles so bleiben? Wird gar nicht mehr geblitzt? Es sieht im Moment alles ganz danach aus. „Die stationäre Messanlage ortseinwärts war seit etlichen Jahren nicht mehr in Betrieb, die Messanlage ortsauswärts war zuletzt im Februar 2016 in Betrieb“, erklärte Markus Klohr, Sprecher des Landratsamtes, auf Anfrage der BZ. Das Problem liege an der Eichung der Anlage. Die bestehende Sensorik könne ohne eine Reparatur oder einen Ersatz der gesamten Messanlage nicht mehr geeicht werden.

Dass an dieser Stelle zu schnell gefahren wird, kann das Landratsamt nicht bestätigen. „Im Bereich der Messstelle wurden mobile Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt. Dabei gab es keine Überschreitungen“, heißt es seitens der Kreisbehörde. Aus diesem Grund sollen die Blitzer wegen der geringen Überschreitungszahlen vorläufig nicht mehr in Betrieb genommen werden und mobile Messungen erfolgen.

Blitzer nach Unfall installiert

Der Freudentaler Anwohner, der in Sichtweite wohnt, hat ganz andere Erfahrungen gemacht und ist überzeugt, dass oft gerast wird. Ein tödlicher Unfall an der Einmündung Beuchaer Straße sei damals der Auslöser gewesen, eine stationäre Anlage aufzustellen. „Mir geht es um Sicherheit“, erklärt er. Wenn von der Beuchaer Straße nach links abgebogen werde, sei die Straße wegen der Kuppe nicht einsehbar.

Eine weitere Beobachtung: Wenn Wengerter im Herbst auf die Landesstraße abbiegen, könne das sehr gefährlich werden. Dass die Ortsausfahrt im Rahmen des Straßensanierungsprogramms des Landes, in dem auch die L 1106 enthalten ist, wieder gerichtet wird, ist eine Hoffnung, die den Anwohnern bleibt.

Dass die Verkehrszahlen sich geändert haben, kann man auch bei dieser Strecke annehmen, die auf dem kürzesten Weg Heilbronn und Pforzheim verbindet. Zuletzt wurden hier im Jahr 2015 Messungen vorgenommen, als die Anlage noch in Betrieb war. Durchschnittlich 3584 Fahrzeuge seien es an den gemessenen Tagen 2015/2016 gewesen, erklärte Pressesprecher Klohr.

Reparatur wäre teuer

Es geht auch um die befürchteten Kosten. „Die Reparatur ohne Umrüstung auf laserbasierte Anlagen würde mindestens 20 000 Euro je Messstelle kosten. Die Umrüstung auf den heutigen digitalen Standard würde rund 50 000 Euro pro Messstelle kosten“, so das Landratsamt.

Rechnen dürfte sich dagegen die neue Blitzersäule, die vor kurzem in Kirchheim installiert wurde. Sie steht an der Lauffener Straße innerorts am Ende einer Gefällstrecke und kann Tag und Nacht in beide Richtungen blitzen.