Bönnigheim Geschichte beim Ganerbenfest

Bönnigheim / Von Riecker 19.07.2018

Wein, der von Ganerben verteilt wird, Musik auf Bühnen und Plätzen und die Böller der Schützengilde Bönnigheim – das erwartet die Besucher des 21. Ganerbenfest in Bönnigheim an diesem Wochenende von Freitag, 20., bis Sonntag, 22. Juli. Doch das ist noch nicht alles, denn dieses Jahr ist kein gewöhnliches Jahr für das Ganerbenfest. Die Stadt feiert zugleich ihr 1 225-jähriges Bestehen. Zu diesem Jubiläum wird es am Freitag einen besonderen Festabend geben. Der Eintakter „Hilteburc und die Folgen...“ aus der Feder von Wilhelm Flaig über die Nonne Hilteburc zeigt bei dieser Gelegenheit Szenen zur Stadtgeschichte und erklärt die Gründe, warum gefeiert wird. Am Sonntag folgt dann das Historische Schauspiel „Hilteburcs Erben“ im Schlosshof.

Villam Punnincheim

Denn das ist belegt: Im Jahr 793 schenkte die Nonne Hilteburc dem Kloster Lorsch die Kirche auf dem Michaelsberg, Cleebronn und Magenheim, Botenheim, Meimsheim und Erligheim sowie „Villam Punnincheim“, das heutige Bönnigheim. Doch wie kam es dazu? In ihrem Schauspiel zur Stadtgeschichte gehen die Mitglieder der Historischen Gesellschaft beim Ganerbenfest am Sonntag ab 11.15 Uhr im südlichen Hof des Schlosses dieser Frage nach.

 Bei der Probe am Dienstagabend lief es bis auf Kleinigkeiten schon fast rund. Doch die Markierungen am Boden der Bühne mussten noch angebracht werden. Am mittelalterlichen Kostüm klemmte der Reißverschluss. „Irgendwo klemmt`s halt immer“, schmunzelte Regisseur Herbert Pschierer. Die Akteure stimmten lachend zu. In entspannter Atmosphäre wurde geprobt. „Das ist mein sechstes Stück“, erzählt Pschierer nebenbei. Vor ihm haben Wilhelm Flaig und davor Eberhard Schmitt die Stücke geschrieben. „Es ist unsere 20. Aufführung in 40 Jahren“, sagt Kurt Sartorius, der Vorsitzende der Historischen Gesellschaft.

Proben seit Weihnachten

Die Kostüme stammen aus dem reichhaltigen Fundus und sind längst angepasst worden. Denn die Vorbereitungen für das Theaterstück laufen schon seit Weihnachten, als Pschierer die Idee dazu hatte. Geprobt wird nun seit Anfang Juni. Denn kaum einer der Schauspieler ist zum ersten Mal dabei, die meisten sind „Wiederholungstäter“.

 Richtig spannend wird das Stück gleich an mehreren Stellen, so viel sei verraten: Es gibt es einen Fechtkampf und eine anmutige Ohnmacht. Gewürzt wird die rund 30-minütige Aufführung zudem durch Gesang und Tanz. Damit werden auch die Zeitsprünge in der weitgehend frei erfundenen, phantasievollen und mit witzigen Wortwechseln geschmückten Geschichte elegant überbrückt. Freuen dürfen sich die Zuschauer wie immer auf das Schlusslied mit seinem eingängigen Refrain: „In Bönnige ischs schee, juhe“.

Zum Stadtjubiläum am Freitag, das um 19 Uhr von Bürgermeister Albrecht Dautel eröffnet wird, sorgen auf vier Bühnen viele Musikacts für Unterhaltung. (Programmablauf siehe Infokasten). Um die Bewirtung kümmern sich viele Bönnigheimer Vereine.

Das Programm zum 21. Ganerbenfest in Bönnigheim

Freitag, 20. Juli, 19 Uhr: Eröffnung des Festabends „1225 Jahre Bönnigheim“ durch Bürgermeister Albrecht Dautel und die Fanfarengruppe des Musikvereins Stadtkapelle Bönnigheim, Es folgen Szenen zur Geschichte Bönnigheims und der Gesangsverein Concordia. Ab 23 Uhr spielt die Band „Four Weeks and Friends“.

Samstag, 21. Juli, 17 Uhr: Eröffnung des Ganerbenfestes durch Bürgermeister Albrecht Dautel und die württembergische Weinprinzessin Laura Irouschek auf der Marktplatzbühne. Es spielt der Musikverein Stadtkapelle Bönnigheim, die Schützengilde schießt Böller.  Gegen 17.30 Uhr wird das Weinfass angestochen und Mitglieder der Historischen Gesellschaft teilen als Ganerben den Freiwein aus. Es folgen die Trinksprüche von Bürgermeister und Weinprinzessin. Von 18.15 bis 19 Uhr spielt die Bläserklasse auf dem Parkplatz der VR-Bank und anschließend von 19.30 bis 21.30 Uhr der MusikvereinHarmonie Kirchheim. Das Bühnenprogramm startet um 20 Uhr und geht bis 1 Uhr. Zu sehen sind die „Friendly Elf” auf dem Marktplatz, „Die Partyfürsten“ heizen den Schlossplatz auf, während „Krämer`s Kit“ im Meiereihof aufspielen. Am Kirchplatz sorgen die „Elektronic Musicfriends“ für Unterhaltung.                        

Sonntag, 22. Juli, 10 Uhr: Den Anfang macht am Sonntag, 10 Uhr, der Ökumenische Gottesdienst mit Posaunenchor auf dem Kirchplatz. Von 11.15 bis 12 Uhr folgt   das  Historische Schauspiel „Hilteburcs Erben  - 1225 Jahre Bönnigheim“ auf der Südseite des Schlosshofs. Zur Mittagszeit von 12 bis 14 Uhr unterhält der Musikverein Mühlbach auf dem Parkplatz der VR-Bank, und um 14.30 bis 15.30 Uhr folgt das   Anfängerorchester, ebenfalls auf dem Parkplatz der VR-Bank. Im Anschluss spielt das Jugendorchester von 16 bis 17 Uhr. Das Bühnenprogramm startet um 18 Uhr und geht bis 23 Uhr. Auf dem Marktplatz spielen „Rustics“ und auf dem Schlossplatz „DJ Memo“.

Kinderprogramm: Auch für Kinder ist auf dem Ganerbenfest viel geboten. Es gibt ein Karussell, Schiffsschaukel, Schießbude am Burgplatz, Bungee-Trampolin und eine Kunstausstellung mit Ergebnissen der Kooperation Kindergarten Villa Kunterbunt und der Sammlung Zander  im EG des Museums Charlotte-Zander. Am Sonntag sorgen im Hof des Kavaliersbaus eine Hüpfburg und ein Lebendkicker für Spaß.

Weitere Aktivitäten sind das Historische Schauspiel am Sonntag, 11.15 Uhr, und kostenlose Führungen durch das Schwäbische Schnapsmuseum. Zudem hat die Vinothek geöffnet. Im Schlosshof wird es außerdem eine Blumentombola am Sonntag geben und eine Sommerkunstausstellung (Fotografie und Malerei) von und mit Bönnigheimer Künstlern. bz

Theaterstück um die Schenkung der Nonne Hilteburc

Im historischen Schauspiel, das seinen Beginn 1760 nimmt, kommt es zu einer Reihe von Verwicklungen. Auslöser ist Friedrich Graf von Stadion, der gerade sein neu erbautes Schloss bezieht und von den Bürgern wissen will, wie es zu der Schenkung der Nonne Hilteburc kam. Da ist guter Rat teuer. Ob wohl der Pfarrer ein Theaterstück schreiben kann? „Meine Geschichten sind nicht weltlicher Art“, weist dieser den Vorschlag zurück. Obwohl, wenn es um die fromme Frau Hilteburc geht, da kann man vielleicht schon was machen. Oder es muss der Präzeptor, der Lehrer, ran. Doch die Frau des Lehrers wehrt sich: So viel hat er schon zu tun. „Ja, ja, der muss doch nicht das Brühloch leeren“, höhnen die Bürger. „Wir sind doch kein fahrendes Lumpengesindel, das schauspielert“, empören sie sich weiter.

Doch der Wunsch des Grafen ist Befehl, die Aufführung hat an Himmelfahrt stattzufinden. „Hoffentlich wird das kein Himmelfahrtskommando“, befürchtet eine vorlaute Bürgerin. Schließlich versammeln sich die Ratsherren auf ihren ehrwürdigen Stühlen, um zu beraten, wer welche Arbeit übernimmt. „Meine Tochter Anna muss die Hauptrolle spielen“, befindet eine „wichtige“ Bürgerin. Denn sie sei die Schönste und Anmutigste im Flecken. Das passt einer anderen Mutter gar nicht, die ihre Tochter in dieser Rolle sieht. Doch bevor es zum vernichtenden Streit kommt, wird ein Kompromiss gefunden. rie

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