Raumfahrt Gerst schwitzt für Hohenstein

Schwitzen für die Wissenschaft: Alexander Gerst bei einer Trainingseinheit am European Astronaut Centre EAC im Frühjahr dieses Jahres.
Schwitzen für die Wissenschaft: Alexander Gerst bei einer Trainingseinheit am European Astronaut Centre EAC im Frühjahr dieses Jahres. © Foto: DLR
bz 07.06.2018

Bei seiner Mission „Horizons“ auf der Internationalen Raumstation ISS muss der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst zahlreiche Experimente durchführen – und eines davon führt aus dem All direkt in die Textilforschung der Bönnigheimer Hohenstein-Institute. Beim Projekt „Spacetex2“ finden bekleidungsphysiologische Untersuchungen statt, die erstmals das Zusammenwirken von Körper, Bekleidung und Klima unter Schwerelosigkeit im Hinblick auf den Tragekomfort erforschen, heißt es in einer Hohenstein-Mitteilung.

Die Ergebnisse helfen, die Kleidung von Astronauten auch im Hinblick auf Langzeitmissionen wie beispielsweise den geplanten bemannten Flug zum Mars 2030 zu optimieren. Gemäß dem Missionsziel „Wissen für morgen“ liefert das Projekt zudem wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung neuer Funktionstextilien.

Regelmäßiges Training

„Der Körper gibt unter Belastung wie auf der Erde Wärme ab und versucht so, sich herunterzukühlen“, erklärt Dr. Jan Beringer von Hohenstein. Jedoch ist der Wärmeaustausch an der Körperoberfläche durch die Schwerelosigkeit verändert – der Wärmeverlust durch Konvektion ist im All nicht vorhanden. „Bei körperlicher Aktivität kommt es daher schneller zu einem Hitzestau. Die Folge ist, dass die Körperkerntemperatur schneller auf für die Gesundheit zu hohe Werte steigt“, so Beringer von Hohenstein weiter. Es sei daher sehr wichtig, den Wärmeaustausch über die Verdunstungskühlung von Schweiß durch Kleidung aus entsprechenden Materialien zu optimieren. Dass das Schwitzen in Schwerelosigkeit komplett anders als auf der Erde funktioniert, wurde 2014 beim Vorgängerprojekt „Spacetex“ herausgefunden.

Lange müssen die Projektpartner Hohenstein, Charité Universitätsmedizin Berlin, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Europäische Raumfahrt- Organisation (ESA) nach eigenen Angaben nicht auf neue Erkenntnisse warten: Bereits diesen Monat sind die Experimente im Rahmen von „Spacetex2“ anberaumt.

Für Alexander Gerst bedeutet das, zusätzlich zu seinen ohnehin regelmäßig notwendigen Trainingseinheiten auf der ISS noch sechs spezielle Trainings-Sessions mit den unterschiedlichen Funktionsshirts auf dem Ergometer oder dem Laufband zu absolvieren. Spezielle Sensoren des Instituts für Luft- und Raumfahrttechnik der TU Dresden messen Körper- sowie Stoffwechselfunktionen und liefern dabei Daten über Atemfluss, Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung. Die Ergebnisse werden anschließend per Daten-Downlink direkt an die Forscher auf der Erde übermittelt (siehe auch Berichterstattung im überregionalen Teil).

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