Eine überschaubare Menge an Bürgern hatte sich eingefunden zur ersten Bürgerwerkstatt des Stadtentwicklungskonzepts, mit dem die Weichen bis zum Jahr 2035 gestellt werden sollen. Dass der Abend auch nicht auf der Homepage der Stadt unter Veranstaltungen auftauchte, tat sein Übriges und so waren es keine 30 Teilnehmer in der Turn- und Festhalle. Gleichzeitig hatten 970 Haushalte an der Umfrage teilgenommen, 329 davon online, was eine Rücklaufquote von knapp 30 Prozent bedeutet.

Jugendliche präsentieren Ideen

Bürgermeister Albrecht Dautel stellte die vier Jugendlichen der Klassenstufen 9 vor, die Ergebnisse der Jugendbeteiligung präsentierten. Sie fand im Mai statt und war nach Stadtgebieten aufgeteilt, zu denen die Jugendlichen pro und contra aufgelistet hatten. Unterm Strich wünschen sich die Schüler nicht nur mehr Bäume und Grün in der Stadt sondern auch – wenig überraschend – ein freies W-Lan. Manche Busverbindungen seien ungünstig, wie etwa nach Freudental und Kirchheim, schlecht angebunden sei auch der Stadtteil Hofen. Ein Wunsch ist auch ein Drogeriemarkt, den man sehnlich vermisst, auch ein Kino steht auf der Liste. Eine Gruppe schlug auch einen Jugendgemeinderat vor, um den Interessen der Jugend Gehör zu verschaffen. Tempo 30, ein weiteres Jugendcafé und öffentliche Toiletten waren weitere Vorschläge aus der Jugendbeteiligung.

Burgplatz wird sich verändern

Der Bürgermeister erläuterte anschließend die Ergebnisse der Klausurtagung des Gemeinderats, die Anfang des Jahres stattfand. Der Burgplatz werde sich verändern, nachdem die Stadt die Alte Kelter erworben hat. Man strebe Nachverdichtung an, um den Flächenverbrauch zu minimieren und wolle die Ortsteile Hofen und Hohenstein weiter entwickeln. „Wir haben keine Priorisierung vorgenommen“, so der Rathauschef, es seien Puzzleteile, die in das Konzept einfließen würden.

Bianca Iversen von der STEG Stadtentwicklung, die mit dem Konzept beauftragt ist, präsentierte dann die Ergebnisse der 970 Fragebögen. Im Bereich „Wohnen und öffentlicher Raum“ wünschen sich die Teilnehmer mehr bezahlbaren Wohnraum und eine bessere Platzsituation des Jugendhauses, ein Ort, der eher gemieden wird. Im Bereich „Mobilität und Klimaschutz“ sind die Teilnehmer zufrieden mit dem ÖPNV- und Parkplatzangebot, nicht aber mit Verkehr, Barrierefreiheit und dem Klimaschutz. Nur noch befriedigend seien die fachärztliche Versorgung und die Breitbandversorgung, schlecht wird der Arbeitsmarkt in Bönnigheim bewertet. Die Zahl der Kindertageseinrichtungen sei zu gering, positiv seien das Freibad, der Sportplatz, die Spielplätze, Museen und die Gastronomie.

Dann waren die Bürger gefordert, sich auf die acht Plakatwände zu verteilen, wo sie ihre Ideen niederschreiben und diskutieren konnten. Hier ergab sich ein eindeutiges Bild, denn die meisten interessierte nur der Bereich „Mobilität und Verkehr“. Einen Bürgerentscheid zur Freigabe der Bleichwiese als Einbahnstraße forderte eine Bürgerin, die an das große Thema im Bürgermeisterwahlkampf erinnerte. Auch das Amannquartier, das wenig einsehbar und für Fußgänger gefährlich sei, stand abermals im Fokus. „Der letzte Bürgermeister versprach uns eine gerade Durchfahrt“, kritisierte eine Bürgerin. Andere wünschten sich Zebrastreifen und mehr Anwohnerparken, was auch auf dem Parkplatz an der Bleichwiese möglich wäre. Ein Kreisverkehr vor dem Rathaus und mehr Parkplätze bei der Wohnbebauung waren weitere Forderungen aus der Bürgerwerkstatt. Dass auf der Freudentaler Straße nach wie vor gerast wird und das Ortsschild nicht versetzt werden kann, wurde ebenso bemängelt. In den anderen Themenfeldern wurde der Erhalt des Altstadtkerns, mehr Bepflanzung, mehr Plätze ohne Fahrzeuge und mehr sozialer Wohnraum gefordert.

Info Der Zeitplan für das Stadtentwicklungskonzept sieht als nächstes die Besprechung im Gemeinderat am 20. Juli vor. Am 20. September soll das Konzept dann dort beschlossen werden, bevor es im Oktober eine Abschlussveranstaltung geben wird.