Die Zeit drängt: Bis 31. Oktober müssen die Anträge der Kommunen abgegeben werden, um die Chance auf weitere Landesmittel zu nutzen. Die Grobanalyse der STEG Stadtentwicklung, die auf der Hofener Kirbesitzung des Gemeinderats vorgestellt wurde, ist dafür die Voraussetzung. Dann könnte der Antrag beim Wirtschaftsministerium gestellt werden, das im Jahr 2019 257 Millionen Euro für Städtebauförderung bereitstellte.

„Wir haben nach dem Sanierungsgebiet ,Innenstadt IV’ den nächsten Antrag vorbereitet“, so Ulrike Datan vom Stuttgarter Büro, die auch für das Stadtentwicklungskonzept tätig ist, das auf der Sitzung Thema war (Bericht folgt). Nach dem positiven Bescheid würde sich vorbereitende Untersuchung für das Gebiet „Ortskern V“ anschließen, für das das Sanierungsprogramm in den nächsten Jahren gilt. Ende 2020 könnte die Sanierung dann über mehrere Jahre starten. „Wir sprechen von einem Zeitraum bis 2028“, so die STEG-Mitarbeiterin, die möglichst übergangslos die Aufnahme eines neuen Sanierungsgebiets erreichen will. Zuwendungsfähige Gesamtkosten errechnete das Büro in Höhe von 5,5 Millionen Euro, der Anteil der Stadt beläuft sich dabei auf rund 2,2 Millionen.

Das neue Sanierungsgebiet betrifft den westlichen Teil der Altstadt zwischen Burgstraße, Schloss und Köllesturm, wobei die Hauptstraße ausgeklammert ist. Als kleine Insel wurde noch das Viertel zwischen Kirchberg und der Gerbergasse aufgenommen, wo ebenfalls Sanierungsbedarf besteht und gerade die Abrissarbeiten laufen. Ein Sanierungskonzept könne nur dort greifen, wo städtebauliche Missstände vorliegen, machte Datan deutlich. „Im Kirchbergareal überholt uns die Entwicklung“, so die Stuttgarterin zu den Abbrüchen, die bereits im Gemeinderat beraten wurden (die BZ berichtete).

5,5 Millionen Euro

Das Volumen für alle Vorhaben betrage 5,5 Millionen Euro bis zum Jahr 2028. Wenn klar sei, dass die Stadt in die Förderkulisse komme, könne die vorbereitende Untersuchung starten. Darin werden die städtebaulichen Missstände analysiert und bewertet, Gespräche mit Bürgern über Mitwirkungs- und Fördermöglichkeiten geführt, die Träger öffentlicher Belange beteiligt und die Durchführungsmöglichkeiten für eine Sanierung untersucht. Es folgt ein städtebauliches Neuordnungs- und Maßnahmenkonzept und eine Kostenermittlung, die dann vom Gemeinderat beschlossen werden müssen. Erst dann könnte im nächsten Jahr die Sanierung im neuen Gebiet starten.

Das Büro begründet das angestrebte Sanierungsgebiet mit „einer großen Zahl baulicher Mängel im privaten Gebäudebestand sowie Defiziten bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes“, was neue Anreize und Impulse erforderlich mache, um ein attraktives und zeitgemäßes Stadtleben zu ermöglichen. Dafür brauche es zusätzliche Anstrengungen und weitere Investitionen zur „Schaffung einer identitätsstiftenden Stadtmitte und zum Erhalt der historischen Bausubstanz im Gesamtgefüge der Stadt“.

Umgesetzt werden soll dies mit der Sanierung und Modernisierung privater Gebäude, kommunale Grunderwerbe zur Steuerung der Sanierungsziele, Abbrüche nicht erneuerbarer Bausubstanz und der Sanierung von kommunalen Gebäuden. Unterm Strich stehen 6,56 Millionen an Ausgaben, von denen 4,47 Millionen für Baumaßnahmen angesetzt sind. Die größten Posten sind kommunale Gebäude wie der ehemalige Kavaliersbau mit 1,2 Millionen Euro, der Köllesturm mit einer Million, der Burgplatz 1 mit 750 000 Euro, auch das ehemalige Pfründhaus und die von der Stadt erworbene Alte Kelter stehen auf der Agenda. Die Einnahmen, die sich die Stadt erhofft, werden in Höhe von einer Million Euro erwartet. „Dass das Geld auch in die Kasse kommt“, versicherte Kämmerer German Thüry. „Einnahmen werden wir durch Grundstückserlöse erzielen“, so Thüry.

Fünf Hektar großes Gebiet


Das neu ausgewiesene Sanierungsgebiet umfasst eine Fläche von rund fünf Hektar mit 336 Einwohnern. Als strukturelle Missstände werden dort unter anderem leerstehende Gebäude, mindergenutzte Flächen und durch Nebengebäude eingeengte Lagen bemängelt. Funktionale Missstände werden folgende genannt: hohe Verkehrsaufkommens an der Karlstraße und der Burgstraße, nicht barrierefreie Fußwegeverbindungen, mindergenutzte Platzsituationen wie auf dem Burgplatz und fehlende Durchgrünungsmaßnahmen am Burgplatz, der Michaelsbergstraße und der Burgstraße.

Räumliche Missstände sieht das Büro in fehlenden Parkierungsflächen in der Altstadt, ortsbildstörenden Fassadenmängeln und einzelnen unpassenden Baukörpern. dee