Da füllte sich am Dienstagabend der Bönnigheimer Burgplatzkeller im Nu ganz von allein. Fußballspieler Marc Schnatterer vom 1. FC Heidenheim nahm sich die Zeit, seiner alten Heimat Bönnigheim einen Besuch abzustatten und in der Reihe Kulturköpfe aus seinem Leben als Fußballprofi zu plaudern.

Dicht an dicht im Kulturkeller Bönnigheim erlebten die Zuhörer, wie Claus Pfitzer, Sportredakteur bei der Bietigheimer Zeitung, und Jürgen Frey, ehemaliger Lehrer von Marc Schnatterer und Vorsitzender des Kulturfensters, Schnatterer nach Herzenslust ausfragten. Der gebürtige Bönnigheimer ist nicht nur Spieler und Kapitän des 1. FC Heidenheim, sondern über Jahre hinweg auch einer der besten Zweitligaspieler. Seine ersten Gehversuche auf dem Fußballplatz hat Schnatterer beim TSV Bönnigheim gemacht. Er ist Zweitligaspieler mit Leib und Seele und sagt das auch.

 Inzwischen ist Schnatterer schon seit elf Jahren beim 1. FC Heidenheim und bricht mit dieser langen Zeit bereits Rekorde. Wie er mit Angeboten aus der ersten Liga umgegangen sei, fragte Claus Pfitzer? „Es gab zwar mehr oder weniger lose Anfragen vor einigen Jahren, aber nichts wirklich Konkretes. Hätte sich die Chance geboten, direkt in die erste Liga zu wechseln, dann hätte ich mir das gut überlegt. Aber es war nie soweit, dass mir jemand ein Papier vorlegte und sagte: Jetzt kannst du entscheiden, ob du dabei bist oder nicht“, erzählt Schnatterer offen.

Überhaupt gestaltet sich die Fragerunde auf der Bühne sehr locker, sehr offen und sehr amüsant. Zum Einstieg las Bernd Altmann vom Kulturfenster zündende Fußballsprüche des Jahres vor und ging kurz der philosophischen Frage nach, ob Fußball Kultur sei. Doch dann kam Marc Schnatterer zu Wort und natürlich kam das Gespräch sofort auf das zentrale Spiel im DfB-Pokal gegen Bayern München, wo Schnatterer die Heidenheimer in Führung brachte. „Dieser Treffer damals, das war wirklich eine emotional sehr bewegende Situation zwischen Lachen und Weinen“ erinnerte sich Schnatterer. „Für mich als Bayernfan war es das erste Gegentor in 50 Jahren, über das ich mich gefreut habe“, sagte Claus Pfitzer. „Es sollte eine lange Ecke werden. So wie es war, so hoch war es eigentlich nicht so wirklich gewollt“, freut sich Schnatterer heute noch.

Wie sein Arbeitstag aussieht, will Jürgen Frey wissen. Wie er seinen Essensplan gestaltet und was er an einem trainingsfreien Tag unternimmt? Zum Thema Arbeitstag lässt der Fußballprofi durchblicken, dass der aus Training und selbst zusammengestelltem Essensplan besteht. Und: Marc Schnatterer steht auf Nudeln und Pasta, am liebsten zum Mittagessen beim Italiener seiner Wahl und abends, da kocht er dann manchmal selbst ein bisschen.

Als es um Hobbys geht, kommen wieder die Lehrer aus Bönnigheim ins Spiel: Schnatterer hatte bei Rolf Zerweck Gitarrenunterricht. Jürgen Frey, selbst Musiker aus Passion, will wissen, welche Musiker der Fußballer gut findet und welche großen Konzerte seine liebsten waren. Marc Schnatterer nennt ein Konzert mit Robbie Williams. Am liebsten reist der Bönnigheimer und Wahl-Heidenheimer nach Mallorca. Dort war er jetzt erst beim Junggesellenabschied.

Zu seinen Stärken zählt Schnatterer selbst seine Ausdauer. „Während andere Spieler spätestens nach sechs bis sieben Jahren den Verein wechseln, bin ich seit elf Jahren dabei“, stellt er fest. Positiv wertet Marc Schnatterer auch seine Abiturnote von 2,9. Einmal hat er wiederholt, erzählt er offen.

Nudeln vor dem Anpfiff

Claus Pfitzer übernimmt das Ruder und fragt, wie der Tagesablauf beim Auswärtsspiel ist. In der Regel gehts zu St. Pauli, nach Berlin oder Kiel mit dem Flieger. Drei Stunden vor dem Spiel genießt Schnatterer noch einmal seine geliebten Nudeln.  Denn er hat ein Faible für Rituale: Zur Vorbereitung auf ein Heimspiel gibt es bei ihm immer Spaghetti Bolognese. Er zieht den linken Schuh vor dem rechten an und kümmert sich um ein zweites Standbein, weil seine Karriere als aktiver Fußballer nicht ewig dauern kann. Sportmanagement soll in Zukunft sein Leben bestimmen.

Am Ende des Abends wird das Trikot versteigert, das Schnatterer im Spiel gegen die Bayern getragen hat, natürlich frisch gewaschen. Für 300 Euro geht es an Michael Daibenzeiher vom Ratsstüble. Zwei Bände zur Geschichte des 1. FC Heidenheim wurden ebenfalls für 100 Euro versteigert. Der Erlös geht an den Verein Kulturfenster Bönnigheim.