Die Zeit zwischen dem Notruf und dem Eintreffen des Krankenwagens und Notarztes kann unter Umständen zwischen Leben und Tod entscheiden. Aus diesem Grund gibt es beim DRK Bönnigheim seit über zehn Jahren sogenannte Helfer vor Ort (HvO), die auch in der Gemeinde Erligheim im Einsatz sind. Jens Kübler, Bereitschaftsleiter des DRK Bönnigheim stellte die Arbeit der Helfer vor Ort in der jüngsten Erligheimer Gemeinderatssitzung vor.

Die HvO leisten bei akuten Notfällen Erste Hilfe und übernehmen die Erstversorgung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Hierzu führen sie bei Bedarf auch lebenserhaltende Sofortmaßnahmen wie beispielsweise eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durch. Auch die Betreuung von Angehörigen könne manchmal nötig sein, so Kübler. All das geschieht ehrenamtlich und unentgeltlich.

Die ehrenamtlichen Sanitäter werden dabei stets von der Rettungsleitstelle kontaktiert. Diese kann somit den Einsatz am besten koordinieren. Ist etwa bereits zufällig ein Rettungswagen im gleichen Ort, so erübrigt sich der Einsatz der Helfer vor Ort. Kübler zeigte anhand eines fiktiven Beispiels einen typischen Einsatz der Helfer vor Ort. In diesem wird ein Mann bei sich zu Hause in Erligheim bewusstlos, das Herz schlägt nicht mehr. Seine Frau wählt den Notruf. Da der Krankenwagen allerdings aus Bietigheim-Bissingen, der Notarzt vielleicht sogar aus Ludwigsburg anfahren muss, kontaktiert die Leitstelle die Helfer vor Ort, die innerhalb weniger Minuten helfen können. Kübler zeigte anhand eines Graphen die Überlebenschancen in Abhängigkeit zur Zeit bis zur Erstversorgung. So habe man nach fünf Minuten noch eine Überlebenschance von etwa 50 Prozent, nach zehn Minuten seien es schon nur noch weniger als 25 Prozent. Es zählt also jede Minute.

Seit 2007 gibt es im DRK-Ortsverein Bönnigheim einen Helfer vor Ort, mittlerweile sind es fünf – zwei in Bönnigheim, zwei in Erligheim und einen in Löchgau. Um Helfer vor Ort zu werden muss man nicht nur volljährig und gesund sein, sondern auch eine Mindestausbildung abschließen. Diese beinhaltet einen Erste-Hilfe-Kurs, eine 64-stündige Sanitätsausbildung, den Zusatzlehrgang Helfer vor Ort sowie ein 16-stündiges Rettungsdienstpraktikum. Weiterhin ist ein achtstündiges Rettungsdienstpraktikum pro Jahr Pflicht. Beruflichen Rettungssanitätern oder Notärzten ist es auch ohne die genannten Ausbildungen möglich als Helfer vor Ort tätig zu sein.

Da die Helfer vor Ort unentgeltlich arbeiten, finanzieren diese sich ausschließlich durch den DRK-Ortsverein und Spenden. Diese sind allerdings auch nötig, denn allein ein neuer Helfer vor Ort kostet durch Ausbildung und Ausrüstung etwa 4500 Euro. Dazu kommen laufende Kosten für Verbrauchsmaterial und Einsatzfahrzeuge.

Im letzten Jahr waren die fünf Helfer vor Ort der DRK-Ortsgruppe 131 Mal im Einsatz. Bei 29 Einsätzen handelte es sich um bewusstlose, bei 24 um kollabierte Personen. Bei 20 Einsätzen ging es um gestürzte Menschen oder chirurgische Verletzungen.

Der Gemeinderat zollte großen Respekt vor der Arbeit der Ehrenamtlichen und bedankte sich für deren Engagement.

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