Es war das erste Mal für Kurt Sartorius, dass eine Stadtführung sich diesem Zeitabschnitt zu wandte. „Im Zeichen des Hakenkreuzes“ heißt die neue Führung und zeigt, dass es auch Spuren des Nazi-Regimes in Bönnigheim gibt. In der Alten Kelter, wo die Führung begann, waren während der Nazidiktatur Kriegsgefangene eingesperrt, die tagsüber bei der Nähseidenfabrik Amann arbeiteten. Als in der Karlstraße die Mobilmachung erfolgte und Bauern an der Seite zusahen, wurde auch auf leise Kritik gleich mit Verhaftungen reagiert.  Später wurden die Strafen drakonisch: Nachdem am alten Feuerwehrmagazin ein Karl  Hoffmann dabei erwischt wurde, wie er seinen Ausweis an Juden verkauft hatte, sei dieser im August 1943 hingerichtet worden, berichtete Sartorius.

Als die Franzosen in Bönnigheim einmarschiert waren, kam der Beschuss von Kirchheim her, von deutschen Truppen. Das sei für viele Bönnigheimer unbegreiflich gewesen, so Sartorius, der für das Heimatbuch viele Zeitzeugen befragt hatte. Elsässer Soldaten hätten damals alten Frauen die Treppe hoch geholfen, um sie in Sicherheit zu bringen. Kurz vor dem Einmarsch sollte die Evakuierung erfolgen in Richtung Welzheimer Wald, wogegen sich die Bönnigheimer sträubten, was wiederum den damaligen Bürgemeister in Bedrängnis brachte.

Nazi-Bürgermeister

Am 6. April ließ dann Bürgermeister Glaser den Volkssturm antreten und drohte jedem Abweichler damit, ihn zu erschießen. Am nächsten Tag sei dieser dann mit dem Fahrrad in Richtung Ludwigsburg abgehauen. Da der Bürgermeister am Kriegsende die Verteidigung Bönnigheims befohlen hatte, beschoss die französische Artillerie die Stadt. 13 Einwohner kamen ums Leben, etwa 50 Gebäude brannten ab. Es kam zur Vernichtung zweier Viertel, mitsamt des Rathauses und dem Stadtarchiv. „Für uns eigentlich unersetzlich“, sagte der Vorsitzende, denn alle historischen Aufzeichnungen  waren damit für immer verloren.

„Stramme Nazis“ seien auch die Vorgänger gewesen, die Abweichlern auch schon mal die Wasserleitung beim Hausbau verwehrten. Wer kein Nazi war, hatte mitunter eine verkürzte Amtszeit: Weil Bürgermeister Zipperlein die württembergische Flagge statt der Nazifahne hisste, wurde er 1934 abgesetzt.

Am Arzeney-Museum wurde deutlich, dass sich sogar das Apothekerzeichen änderte, nachdem heraus kam, dass es von einem jüdischen Grafiker stammte. Der damalige Apotheker floh mit seiner halbjüdischen Frau nach München und kehrte später wieder zurück.

In der Kirche blickte Sartorius auf das Verhältnis der Pfarrer zur Diktatur. Obwohl die Nazis ihre Macht gnadenlos ausgespielt hätten, seien viele auch begeistert gewesen. Vor allem die Jugend hätten sie begeistern können, so Sartorius, denn „wer die Jugend hat, hat die Zukunft“. Es waren trotz Regenwetters an die 90 Teilnehmer, die am Ende Beifall für die Führung spendeten.