Kirchheim Frühstart in eine vielversprechende Weinlese

Wengerter Ralf Mönch erntet die ersten Trauben in seinem steilen Weinberg in Kirchheim.
Wengerter Ralf Mönch erntet die ersten Trauben in seinem steilen Weinberg in Kirchheim. © Foto: Birgit Riecker
Birgit Riecker 28.08.2018

Stäffele nauf und Stäffele nunter. Für Weingärtner, die einen Steillagenweinberg bewirtschaften, heißt es immer wieder die steilen, engen Wege hinauf und wieder hinunter zu klettern. Doch der Anlass hierfür ist für Annette und Ralf Mönch in diesem Jahr ein sehr schöner: Sie gaben gestern im Kirchheimer Kirchberg den Startschuss für die Lese der Weingärtner Stromberg­-Zabergäu.

 Und die Trauben der Mönchs versprechen zu einem hocharomatischen Premiumwein zu werden. Da ist Albrecht Hauber, Vorstand für Önologie und Technik, sicher. „Wo es keinen Hagel und ausreichend Wasser gab, erwarten wir hervorragende Qualitäten“, sagt er. Im Weinberg von Ralf Mönch jedenfalls stehen die Traubenstöcke hervorragend da. „Das Laub ist dunkelgrün, also alles bestens“, sagt Hauber.

Ein Blick durchs Refraktometer wagt Rainer Lang, der Vorstandsvorsitzende. Und er traut kaum seinen Augen. Das Messgerät zeigt 107 Grad Oechsle an. „Ja, die Trauben sind kerngesund und vollreif“, bestätigt Hauber, der im Schnitt 102 Grad gemessen hat.

Ralf Mönch hat aber auch gut vorgearbeitet. Um aus den geklonten lockerbeerigen, frühen und fruchtigen Spätburgundertrauben beste Qualität zu bekommen, hat er frühzeitig ausgedünnt. „Maximal acht Trauben pro Stock durften dran bleiben“, erklärt er. „Also rund die Hälfte habe ich runtergeschnitten.“

Albrecht Hauber ergänzt: „Unser gemeinsames Ziel sind 60 Kilogramm pro Ar.“ Denn der künftige Wein wird noch rund 18 Monate im Barrique reifen und danach Bestandteil der Epos-Serie werden.

 „Ganz früh habe ich viel Laub entfernt“, berichtet Mönch weiter. „So konnten sich die Trauben an die Sonne gewöhnen.“ Trotz hoher Temperaturen und der vielen Sonnenstunden der vergangenen Wochen haben die Beeren keinen Sonnenbrand bekommen.

Und so wird nun ganz vorsichtig gelesen: Mit Handschuhen greifen die Mönchs, deren Töchter Marie und Pia fleißig mithelfen, die Trauben, schneiden sie ab und legen sie fast wie rohe Eier in die Traubenkiste. Warum haben sie keinen „Butten“? „Sie werden so vorsichtig reingelegt, damit die Beeren nicht verletzt werden“, erklärt Hauber. „Mikrobiologisch passiert so nichts, der Saft oxidiert nicht.“ So bleibt das Aroma am besten erhalten. Das hätten die Weingärtner in Frankreich, die über sehr große Erfahrung mit Pinot Noir verfügten, herausgefunden.

Zum Lesen der 19 Ar großen Weinbergfläche mit ihren sieben Terrassen brauchen die Mönchs rund sechs Stunden. Dann ist erst einmal Pause. Denn diese Woche stehen noch Acolon und Cabernet Dorsa auf dem Leseplan. Nächste Woche geht es dann mit den Frühsorten wie Portugieser, Regent und Müller-Thurgau weiter.

„Wir hatten auch 2003 einen frühen Lesebeginn Ende August“, erinnert sich Hauber. „Und 1976 war auch ein früher Jahrgang“, ergänzt Rainer Lang. Aber rekordverdächtig früh ist der Start ins Lesejahr schon, finden beide.

Trauben fehlt es wegen der Hitze an der notwendigen Säure

Die Felsengartenkellerei in Hessigheim hat bereits vor einer Woche mit der Lese von frühen Sorten angefangen. Dies diente jedoch vorrangig dem Test einer neuen technischen Anlage, sagte Vorstandschef Götz Reustle. Am Donnerstag und Freitag dieser Woche folgt die Lese der frühen Sorten Muskat, Cabernet Dorsa und Sauvignon blanc. Bei einem Rundgang durch die Weinberge wurde am Montagnachmittag das weitere Vorgehen beschlossen. Reustle geht davon aus, dass in der kommenden Woche weitere ein bis zwei Lesetage für frühe Sorten angesetzt werden. „In 14 Tagen wird es wohl richtig losgehen“, sagte er.

 Insgesamt stehe ein „sehr schöner Jahrgang“ vor der Türe, sagte Reustle. Die Trauben seien sehr gesund, der Reifezustand abhängig vom Grad der Bewässerung. In den Steillagen der Kellerei können die Reben bewässert werden, viele Mitglieder seien mit Tanks gefahren, um Wasser in die Rebzeilen zu bringen. Kühle Nächte könnten jetzt für die notwendige Aromatik in den Trauben sorgen.

Die Lauffener Weingärtner haben noch nicht mit der Lese begonnen. Dies wird voraussichtlich jedoch in den nächsten Tagen der Fall sein.  Am Wochenende wurden Proben gezogen, die jetzt ausgewertet werden, sagte Kellermeister Michael Böhm. Die Versorgung der Reben mit Wasser sei auch in Lauffen kein Problem gewesen. „Die Wengerter haben überall mit Bewässerung gearbeitet“. Als Folge der Hitze seien allerdings die Säurewerte nach unten gegangen, die gerade beim Weißwein erwünscht sind. Vom Weinbauverband sei bereits die Nachricht gekommen, dass in diesem Jahr die Säuerung der Weine erlaubt sei. Auch Böhm setzt darauf, dass sich das Aroma der Trauben noch verbessern wird. sol

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