Bönnigheim Franzosenbraut: Verbotene Liebe in der Zeit des Ersten Weltkrieges

Mit einer Neuinszenierung der "Franzosenbraut" gastierte das Theater unter der Dauseck im Burgplatzkeller.
Mit einer Neuinszenierung der "Franzosenbraut" gastierte das Theater unter der Dauseck im Burgplatzkeller. © Foto: Martin Kalb
Bönnigheim / MIRIAM STAUDACHER 10.02.2015
Anlässlich des Gedenkens an den Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren tourt das Theater unter der Dauseck mit einer Neuinszenierung der "Franzosenbraut" durch die Region. Am Samstag spielte das Ensemble im Burgplatzkeller.

Der Bietigheimer Karl Büchner, einziger Sohn des Büchner-Bauers und seiner Frau, will in den Krieg, so wie sein Vater vor ihm. Als der Einzugsbefehl kommt, zieht der Junge begeistert in die Schlacht. Zurück bleiben die Mutter und die beiden Schwestern, die fortan den Hof ohne die Unterstützung vom Vater und Bruder in den Griff bekommen müssen. Unverhofft zu Hilfe kommt den Frauen der Kriegsgefangene "Nummer 208/318", ein junger Franzose, der zum Arbeitsdienst auf dem Büchner-Hof eingeteilt wird. Die 14-jährige Ida verliebt sich in den "Franzmann" und muss für diesen Verstoß gegen das Belagerungszustandsgesetz, der nicht folgenlos bleibt, ins Gefängnis.

Basierend auf historischem Material, das Christa Lieb aus Ludwigsburg für das Stadtarchiv Bietigheim in der Collage "Zwischen Heimat und Front - Bietigheim-Bissingen im Ersten Weltkrieg" zusammengetragen hat, erzählt die von Barbara Schüssler verfasste Geschichte vom Schicksal der Familie Büchner in den unheilvollen Jahren des Ersten Weltkrieges. Für die Neuinszenierung wurde nicht nur der Text gründlich überarbeitet und mit Walter Menzlaw ein namhafter Regisseur gewonnen, sondern auch ein neues, stark reduziertes Bühnenbild entworfen, das sich als schlicht und gleichzeitig multifunktional erweist und zu keiner Zeit vom Geschehenen und Gesagten ablenkt. Die Bühnen- und Kostümbildnerin Anne Brügel hat hier ganze Arbeit geleistet, dient doch die aus mehreren Ebenen bestehende Kulisse mal als Wohn-und Arbeitsbereich der Büchner-Frauen, mal als Kirchenkanzel und als Schützengraben. Die Szenenwechsel können ohne störende Umbauarbeiten flugs vonstatten gehen und beeinträchtigen so weder den Spielfluss noch die atmosphärische Dichte der Inszenierung.

Bespielt wird diese minimalistische Kulisse von fünf Darstellern, die alle über langjährige Spielerfahrung verfügen. Den französischen Kriegsgefangenen gibt Andreas Lutsch, ein studierter Musicaldarsteller, der den facettenreichen Charakter des Zwangsarbeiters mit sehr eindringlicher Natürlichkeit wiedergibt. Der zweite Profi im Ensemble ist Melina Schöfer: Die Heidelbergerin fährt für die Rolle der "Franzosenbraut" Ida das ganze Register ihrer Kunst auf und ist mal schüchtern, zart und fast zerbrechlich, um dann ihre kraftvolle, mutige und kämpferische Seite zu zeigen.

Lara Schüßler, die 2009 die Ida spielte, hat nun die Rolle der älteren, vermeintlich vernünftigeren Schwester inne. Sie spielt die Luise mit großer Versiertheit. Eine, die aus dem Ensemble nicht mehr wegzudenken ist, ist die Darstellerin der Büchner-Bäuerin Barbara Scheyda: Sie gibt die mit schwäbischem Pragmatismus und großer Gottesfürchtigkeit versehene Mutter und Ehefrau mit viel Freude am intensiven Spiel. Bernd Schlegel schließlich darf als patriotischer Vater, pflichtbewusster Kommandant und weiser Pfarrer beweisen, dass er ein überaus wandlungsfähiger Schauspieler ist.

Allen gemein ist, dass sie Sprech- und Singstimmen haben, die mehr als gefällig sind: In der Neuinszenierung wird das Geschehen auf der Bühne mit historischen Liedern untermalt, die auf eindringliche Weise den Geist jener Zeit widerspiegeln. Sehr wohltuend ist auch der gänzliche Verzicht auf aufwändige Technik: Abgesehen von einer behutsamen Licht-Regie kommt die "Franzosenbraut14" ohne technische Effekte aus. Die Geräusche sind allesamt natürlich, kommen als wehmütige Töne aus dem live gespielten Akkordeon, oder werden von den Darstellern sichtbar oder hinter der Kulisse in ihr Spiel integriert wie das Klackern von Stiften auf dem hölzernen Untergrund: Karl, der "einzige Bub", kann diesen Maschinengewehrsalven ebenso wenig entkommen wie die Zuschauer im Burgplatzkeller, denen in diesen Szenen das ganze Elend der Kriege dieser Welt vorgeführt wird.

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