Sturmtief Fichten halten dem Sturm nicht stand

Uwe Deecke 09.01.2018

Auch im nördlichen Landkreis Ludwigsburg stürmte es heftig am Mittwoch und teilweise noch am Donnerstag. Revierförster Burkhard Böer hat erst am Donnerstagabend die Bestandsaufnahme begonnen, zur Hälfte konnte er die Schäden bereits katalogisieren. Orkanstärken von 159 Kilometer pro Stunde wurden am Mittwoch der vergangenen Woche auf der Hornisgrinde im Schwarzwald gemessen, 126 Kilometer waren es in Waibstadt bei Sinsheim, so Paul Pilger vom Deutschen Wetterdienst in Stuttgart. Dabei sei Waibstadt eine Tieflage und habe damit schon einen extremen Wert erreicht.

Böer ging mit Karte und Stift in den Wald, um die umgefallenen Bäume zu notieren und die Stellen, wo es die Wildzäune erwischt hat. „Es hat die Bäume schrotschussartig erwischt“, erklärt Böer im Gespräch mit der BZ, keine Flächen sondern immer einzelne Bäume.

Besonders betroffen seien die Fichten als Flachwurzler, die wenig Chancen haben, wenn sie exponiert stehen. Am Parkplatz Katzensteigle hat es eine mächtige Fichte umgedrückt, die auf einer Freifläche stand. Der riesige Wurzelteller bot dem Baum keinen Halt mehr, auch aufgrund des gerade sehr feuchten Oberbodens. „Sie muss gar nicht exponiert stehen“, so Böer, denn die Baumart ist anders als die tief wurzelnde Eiche bei einem Orkan besonders gefährdet. Bei einer umgefallenen Fichte heiße es schnell handeln, denn sie sei Brutstätte des Borkenkäfers, der sich dann explosionsartig vermehre. Der Baum muss klein gesägt und aus dem Wald, um eine Verbreitung zu verhindern. „Wenn sie liegen bleibt, ist der Folgeschaden viel größer als nur der umgefallene Baum“, sagt Böer.

Auch andere Baumarten hat es erwischt. Kiefern hätten Schäden davon getragen und auch Kronen von hohen Buchen seien abgebrochen. Es waren durchweg große und hohe Bäume, die das Sturmtief umgedrückt hat, denn sie waren am ehesten dem Wind ausgesetzt. Die Baumkronen der Buchen wehten ein Leben lang im Wind, doch wenn es Feuchtigkeit in einer Astgabel gebe, könne ein Orkan die ganze Krone abreißen, erklärt der Revierförster. Als Aufgabe für ihn komme nun die Suche nach den Schäden. Fünf bis sieben Wege seien versperrt durch Bäume oder Baumteile, so Böer, zum Teil habe er sie schon selbst freigesägt.

Seine Waldarbeiter sind zumeist noch im Weihnachtsurlaub und kommen erst diese Woche wieder. Dann wartet Arbeit auf sie, denn Wege müssen freigeräumt sein, Bäume gesägt und abtransportiert werden. Die mit viel Mühe errichteten Kulturzäune zum Schutz vor Wild müssen ebenso repariert werden, um die jungen Bäume zu schützen.

Unfälle seien ihm nicht bekannt, so Böer, schließlich wage sich bei einem Orkan kaum ein Jogger oder Radfahrer in den Wald. Und auch das Wild habe sich beim Orkan verzogen in die tiefen Seitentäler, wo es meist ruhig war. Am Donnerstagabend war der Sturm dann verzogen und der Wald wieder begehbar.

Böer wird darin noch die nächsten Tage unterwegs sein, um auch die letzten Schäden zu notieren.