Karl-Heinz Fein ist der dienstälteste Kommandant im Landkreis. Er ist am Freitag im „Grünen Baum“ verabschiedet worden. Zum Jubiläumsjahr der Freiwilligen Feuerwehr Erligheim, die 150 Jahre alt wird, tritt er ab und macht Platz für einen Jungen. Jan Rothenburger ist 31 Jahre – so alt wie Fein, als er 1990 Kommandant wurde. „Alles hat einmal ein Ende“, sagte der scheidende Kommandant, der der Feuerwehr weiter erhalten bleiben wird.

Vieles sei bewegt worden in dieser Zeit. Der erste Mannschaftstransportwagen war blau und wurde bei den Neckarwerken von Bürgermeister Albert Leibold organisiert. Es kamen später neue Fahrzeuge, Geräte, die Gründung der Jugendfeuerwehr und das Feuerwehrhaus. „Für Dinge die heute selbstverständlich sind, musste man auch schon mit harten Bandagen kämpfen“, so Fein bei seinem Abschied. Er war über drei Jahrzehnte der Motor der Freiwilligen Feuerwehr in Erligheim. Auch mit Folgen fürs Privatleben: Seine Frau habe im zwischenzeitlich angedroht, ein Bett ins Feuerwehrhaus zu stellen, blickte der Kommandant scherzhaft zurück.

Gut aufgestellte Wehr

In seinem letzten Bericht konnte er eine gut aufgestellte Feuerwehr übergeben. 35 Aktive, fünf Zugführer, fünf Gruppenführer, zehn Maschinisten und eine Jugendwehr mit 12 Jugendlichen arbeiten heute ehrenamtlich. Neun Brandalarme gab es 2019, ebenso oft rückte man zur technischen Hilfeleistung aus, unter anderem zu einem Wohnhaus mit defektem Treppenlift. Zwei Verkehrsunfälle, ein vollgelaufener Keller, zwei Überlandhilfen und sechs Alarme durch eine Brandmeldeanlage, vier davon Fehlalarme, wurden gezählt.

Aus- und Fortbildung gab es bei Brand und Hilfeleistung, es gab viele Übungen, die größte davon mit der Bönnigheimer Wehr auf dem Amann-Gelände. Den wichtigsten Lehrgang zum Zugführer absolvierte Nachfolger Jan Rothenburger im abgelaufenen Jahr. „Für den im vergangenen Jahr angemeldeten Kameraden zum Kommandantenlehrgang bekommen wir dieses Jahr leider keinen Platz an der Landesfeuerwehrschule“, so Fein in seinem Bericht. Hier kamen 17 Bewerber auf zwei Plätze, was die Abläufe der Feuerwehren im ganzen Kreis ausbremst. Auch Kreisbrandmeister Andy Dorroch ist sich des Problems bewusst und kündigte ein Novum im Land an: Nach den Sommerferien werde der Landkreis in einem Pilotprojekt selbst Gruppenführer ausbilden. „Wir schieben eine Bugwelle vor uns her“, sprach Dorroch das Ausbildungsproblem an, bei dem der Kreis nun ein „Ausrufezeichen“ fürs Land setzen wolle.

Neues aus Ludwigsburg

Neues aus Ludwigsburg gibt es auch in der großen Leitstelle, die von 28 auf 35 Mitarbeiter wächst. Angesichts immer neuer Anforderungen bei der Ausbildung will er ein „back to the roots“. „Wir belasten uns mit Dingen, die wir nicht brauchen“, so der Kirchheimer in seinem Grußwort.

Auch die Einführung der Umsatzsteuer, die Kassier Tobias Hoffmann in seinem Bericht ansprach, macht das Ehrenamt nicht einfacher. Bei Festen und Veranstaltungen komme bald die Besteuerung des Umsatzes ab dem ersten Euro und es gebe keine Bagatellgrenze. Nach dem Bericht des Jugendwarts, des Schriftführers und den Entlastungen gab es auch eine Beförderung und Wahlen. Fabian Philipp wurde Oberfeuerwehrmann, in den Ausschuss wurde Werner Hüglin einstimmig gewählt. Zum neuen Kommandanten wurde ebenfalls einstimmig Jan Rothenburger gewählt, der auf der nächsten Sitzung des Gemeinderates noch bestätigt werden muss.

Zum Abschied im Jubiläumsjahr bekam Fein von Bürgermeister Rainer Schäuffele die Bürgermedaille mit Urkunde verliehen. „Der Zusammenhalt in unserer Feuerwehr ist durch ihren hervorragenden Einsatz, ihre Persönlichkeit und Zuverlässigkeit beispielhaft“, würdigte Schäuffele den 61-Jährigen. Er habe sich überdurchschnittlich engagiert und sich bei der Einwohnerschaft eine hohe Wertschätzung erworben. Feins Frau Ulrike bekam einem Blumenstrauß.