Bürgermeister-Gespräch Fehlanzeige bei Zuschüssen

Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold zeigt die Erweiterungsfläche der Grundschule auf dem Laiern.
Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold zeigt die Erweiterungsfläche der Grundschule auf dem Laiern. © Foto: Martin Kalb
Kirchheim / Von Uwe Deecke 10.01.2018

Um wichtige Bauprojekt umsetzen zu können, hofft die Gemeinde Kirchheim auf Fördermittel. Der Verkehr auf der B 27 und der Lärmaktionsplan machen der Kommune darüber hinaus zu schaffen.

Die Gesamtbilanz im Jahr 2017: „Ein Jahr mit Höhen und Tiefen“, blickt Bürgermeister Uwe Seibold zurück. Es sei wie überall ein Jahr gewesen, das von einer guten finanziellen Situation geprägt war. Das wichtige Thema Gemeindehalle verlief enttäuschend, denn es gab keinerlei Förderungen für die dringend sanierungsbedürftige Halle, in der auch das Lehrschwimmbad ist. „Wir sind durch alle Zuschussanträge durchgefallen“, so Seibold, der weiß, dass man bei den Antragslisten über die Jahre nach oben klettern muss. Nicht zu erwarten war, dass man auf dem Sportplatz das Granulat für viel Geld austauschen musste, nachdem es große Schäden zeigte. Die Kommune kämpft dabei momentan um Kostenersatz, mit ungewissem Ausgang. Auch bei der Sanierung des Bahnhofs kam man durch nasse Fundamente nicht so voran, wie es sich die Kommune vorgestellt hatte.

Beendet wurde die Erschließung des Baugebiets „Hinter den Lüssen 2“, die Plätze wurden nahezu alle verkauft, die meisten davon schon während der Bauphase. Die Parkplätze am Friedhof und im Ort wurden fertiggestellt. Positiv für Seibold war auch das ILEK-Programm zum Schutz der Steillagen. Seibold hofft dabei auf die kommenden Maßnahmen „mit vielen guten Ansätzen“ im Rahmen des Regionalmanagements. Wichtig war auch, die Obsthalle an die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung anzuschließen, was die Grundlage für eine Erweiterung bietet.

Wichtigste Investitionen 2017: Neben den genannten Maßnahmen war für Seibold der Einstieg in die Erweiterung der Gemeinschaftsschule wichtig. „Man weiß wie die Schule einmal aussehen wird und man weiß, dass man einsteigen muss in den Ausbau der Kinderbetreuung“, sagt Seibold rückblickend. Größter Einzelposten war die Erschließung des Baugebietes mit rund 1,2 Millionen Euro.

Die Haushaltslage: „Man kann sagen ordentlich“, bewertet Seibold die Finanzsituation, die von Gewerbesteuererstattungen aus den Vorjahren profitiert. Die Kommune hat weniger im investiven Bereich ausgegeben. „Das hat die Finanzlage entspannt“, so der Rathauschef. Extreme Personalnot gebe es in der Kämmerei durch Krankheit und Wechsel, sodass der Jahresabschluss in diesem Jahr erst im Mai oder Juni vorgelegt werden könne.

Aussichten für  2018: „Wenn man die beiden Maßnahmen Schule und Gemeindehalle zusammen nimmt, sind wir in einem Investitionsvolumen, wo es droht schwindelig zu werden“, so Seibold. Die Kommune habe in Abstimmung mit der Förderbehörde beschlossen, 2018 nochmal zu einem Planungsjahr zu machen, um die großen und auf mehrere Jahre geplanten Maßnahmen besser zu verteilen. Von daher sei auch 2018 finanziell eher ein entspanntes Jahr, sagt der Rathauschef. „Für Kirchheimer Verhältnisse kommen wir ordentlich über die Runden, wobei man sagen muss, dass die Belastungen in der Kinderbetreuung immer stärker werden“. Bereits jetzt sei klar, dass Anfang 2019 wieder 65 Betreuungsplätze fehlen, was zur wichtigen Aufgabe im laufenden Jahr werde. Erzieherinnen zu finden und zu finanzieren sei die andere Aufgabe. Rund 70 Betreuerinnen und Betreuer müssten jetzt schon finanziert werden, was zu hohen Kosten für die Kommune führe.

Für das Areal der Firma Cronimet gebe es viele Interessenten. Es soll in Abstimmung mit der Gemeinde verkauft werden, insofern werde sich 2018 hier sicher auch etwas bewegen. Das Thema Verkehr spielt für Kirchheim eine bedeutsame Rolle. „Für den Verkehr erwarte ich größte Probleme“, sagt Seibold. Es geht um die Umsetzung des Lärmaktionsplans, der Tempo 30 bringen würde, sowie um die Vollampel am Schillerplatz. „Wenn beides kommt, befürchten wir, bricht die B27 zusammen“, so der Rathauschef, und der Verkehr verteile sich dann auf die Nachbarstraßen. „Massive Maßnahmen als Modellversuch“ will die Kommune dagegen in Erwägung ziehen, was zu Sperrungen und Einbahnstraßenregelungen führen könnte. Kirchheim habe im Grunde einen Autobahnzubringer durch den Ort und man spüre sofort die Baumaßnahmen an der Neckarsulmer Brücke oder wenn die A 81 zu sei.

Dazu komme das „Drama“ beim öffentlichen Personennahverkehr. „Wenn Sie sich auf den Zug nicht verlassen können, stehen Sie im Zweifel lieber auf der A81 im Stau“, so Seibold. „Da muss man dringend nachjustieren, das kann so nicht mehr weitergehen“, spricht Seibold Klartext. Eine Verlängerung der Heilbronner Stadtbahn nach Bietrigheim im 30-Minuten-Takt könnte seiner Meinung nach zur Entlastung beitragen.

Wichtigste Projekte 2018: Zum einen ist dies die Bebauung an der Hauptstraße, die gerade im Gemeinderat vorgestellt wurde und den Ortskern aufwerten soll. Zum anderen die Kinderbetreuung, die den Haushalt stark belasten wird. Auch die kommende Pflege-WG in der Schillerstraße zählt Seibold zu den wichtigen Maßnahmen im neuen Jahr.

Sorgenkind der Kommune: „Mit Sicherheit die Sanierung der Gemeindehalle und die Erweiterung der Schule“, sagt Seibold. Über der 52 Jahre alten Gemeindehalle „schwebt das Damoklesschwert des Brandschutzes“. Bei gigantischen Baukosten und null Zuschüssen sei die Halle das größte Sorgenkind. Nun komme die Schulerweiterung und die stärkere Kinderbetreuung dazu, das Thema rutscht abermals nach hinten.

Persönliche Erwartungen 2018: „Ich glaube, dass wir ein sehr arbeitsreiches Jahr vor uns haben“, so der Rathauschef. Es gebe dabei auch spannende Themen wie etwa der Verkehr. Maßnahmen wie die Schulerweiterung seien eigentlich ganz schöne Themen, wenn es gelinge die Zuschüsse zu bekommen. Auch das Seniorenwohnprojekt mit der Pflege-WG zählt Seibold zu den spannendsten Themen des kommenden Jahres. Wie es mit dem Dorfladen weitergeht, wird sich zeigen. Aktuell habe man durch das Weihnachtsgeschäft gute Umsätze gehabt, und so könne es weitergehen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel