Bönnigheim Fasziniert vom Verbrechen

Ann Marie Ackermann wurde  in New York für ihr Buch „Death of an Assassin“ („Tod eines Mörders“) ausgezeichnet.
Ann Marie Ackermann wurde in New York für ihr Buch „Death of an Assassin“ („Tod eines Mörders“) ausgezeichnet. © Foto: Uwe Deecke
Bönnigheim / von Uwe Deecke 23.06.2018

Ann Marie Ackermann (58) ist ehemalige US-Staatsanwältin und lebt verheiratet in Bönnigheim. Ihr Buch „Death of an Assasin“ wurde gerade in New York ausgezeichnet und erzählt die Geschichte des ermordeten Bönnigheimer Bürgermeisters Rieber, ein Mord, der erst viele Jahre später aufgeklärt wurde (die BZ berichtete).

Sie waren früher US-Staatsanwältin in Seattle und leben nun in Bönnigheim. Wie war die Umgewöhnung?

Ann Marie Ackermann: Weil ich halb deutsch bin, war der Kulturschock nicht so schlimm. Mein Vater stammte aus Deutschland, ich habe Verwandtschaft in Deutschland und ich konnte schon die Sprache. Schwäbisch halbwegs zu verstehen, war aber etwas schwieriger. Es hat sich aber gelohnt.

Nach der Zeit als Staatsanwältin sind Sie nun Krimi-Autorin geworden. Haben Sie das Verbrechen vermisst und was fasziniert Sie daran?

Ich war immer von Kriminalität fasziniert. Als ich acht Jahre alt war, baute ich ein Gefängnis aus Spielbacksteinen und steckte meine Puppen da rein. Ich war im Spiel die Staatsanwältin und ich erzählte meiner Mutter, welche Straftaten meine Puppen begangen hatten. Als echte Staatsanwältin zu arbeiten bedeutet schon etwas Stress. Die Arbeit dreht sich immer um Konflikte. Nach zehn Jahren war es schön einmal was anderes zu machen, was sich eher um Kooperation dreht. Ich habe lange als Übersetzerin gearbeitet, bevor ich mein Buch schrieb.

Was ist das Besondere am Fall des ermordeten Bürgermeisters?
Dieser Fall enthält mehrere Rekorde: Mit 37 Jahren zwischen Mord und Aufklärung war dies der längste im 19. Jahrhundert ungelöst gebliebene Fall, der dann doch gelöst wurde, und der einzige, der in den USA aufgeklärt wurde. Der Ermittler war der erste, der die forensische Ballistik verwendet hat. Und die Belohnung, die Bürgermeister Bamberger posthum in Mai 2018 ausgehändigt hat, ist wahrscheinlich die älteste Belohnung für die Aufklärung eines Mordes, die je bezahlt wurde. Die Stadt Bönnigheim hat einen Eintrag in das Guinness Buch der Weltrekorde beantragt. Wenn diese Umstände einen Kriminalfall nicht einzigartig machen...

Ihr Buch hat einige Aufmerksamkeit in den amerikanischen Medien erregt. Welchen Fragen mussten Sie sich stellen?

Die 146 Jahre alte Belohnung hat die größte Aufmerksamkeit erregt und die höchste Hürde war dabei unsere Glaubwürdigkeit. Die Nachkommen des Mannes, der den Fall aufgeklärt hatte, hielten uns zuerst für Betrüger. Nachdem mein Buch erschienen ist, war alles einfacher. Der Bürgermeister einer Stadt, wo zwei Nachkommen wohnen, hat uns eingeladen, die Belohnung dort zu übergeben, was wir dann auch gemacht haben.

Sie gehen mit ihrer Krebserkrankung vor zwei Jahren offen um. Welche Gründe hat das?

Mein Buch war eher eine Ablenkung während meiner Krebsbehandlung. Ich hatte keine Zeit im Selbstleid zu grübeln, denn meine Gedanken waren auf das Buch fixiert. Am Ende, glaube ich, hat mir das sehr geholfen.

Sie schlagen im Buch eine Brücke von der Alten zu Neuen Welt, die gerade mächtig bröckelt. Wie erleben Sie die (Außen)politik Trumps und was haben Sie in den letzten Monaten in den USA dazu vernommen?

Mein Buch schlägt eine historische Brücke und die Zuhörer in Amerika hatten eher Interesse an der Geschichte als an Politik. General Robert E. Lee, ein Figur im Buch und früherer Nationalheld, erlebt momentan eine Unbeliebtheit, und dass hat den Verkauf meines Buches beeinflusst. Ich sage immer, dass sich die Geschichte um Lee im mexikanischen-amerikanischen Krieg handelt, nicht um den Bürgerkrieg.

Wie viele andere Amerikaner bin ich manchmal von Trumps Politik schockiert. Man sollte aber daran erinnern, dass der Präsident nicht allein Politik macht. Der Kongress erlässt die Gesetze, und das Gericht kann Trumps Regelungen für gesetzwidrig erklären. Meine Hoffnung ist, dass die Gewaltenteilung im Grundgesetz Trumps Politik entschärft. Und ich habe viel Vertrauen in das US-amerikanische Grundgesetz.

Besonders mit der US-Justiz legt sich Trump gerne an und er akzeptiert keine früheren Bündnisse und Vereinbarungen, scheint es. Was sind die Gründe dafür?

Ich vermute, dass es mit seinem Hintergrund zu tun hat. Er packt die Politik als Geschäftsmann an, und deswegen sehen wir eine gewisse Aggression und Kompromisslosigkeit, mit der ein erfahrener Politiker nicht arbeiten würde.

Haben Sie ein weiteres Projekt in Planung und ist eine deutsche Übersetzung von „Death of an Assassin“ in Sicht?

 Zusammen mit einigen promovierten Deutschen, zwei haben selber Bücher veröffentlicht, arbeite ich an einer deutschen Übersetzung. Es kann aber noch etwas dauern, bis das Buch auf Deutsch erscheint. Mein amerikanischer Verlag muss erst einen deutschen Verlag suchen. Wenn das fertig ist, habe ich einige anderen Ideen. Eine wäre die Geschichte der Besenwirtschaft, und dieses Mal auf Deutsch.

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