Peter Allmendinger  ist froh über stabile Mitgliederzahlen im Obst- und Gartenbauverein Bönnigheim. „Ich kenne andere Vereine, die sind kurz vor dem Auflösen. Ich bin sehr froh, dass wir nicht auf diesem absterbenden Ast sitzen und unsere Vorträge immer gut besucht werden“, sagt der Vorsitzende des OGV.

Das Geheimnis des Bönnigheimer Vereins: sich thematisch neu auszurichten und nicht an überalterten Konzepten hängenzubleiben. „Wenn man sich überlegt, was man vor zehn Jahren für Themen angeboten hat, da könnte man heute keinen mehr erreichen“, erinnert sich Allmendinger.

Der Vorsitzende nennt gleich zwei Beispiele, wie sich der OGV Bönnigheim in Richtung Zeitgeist orientiert. Er erinnert sich an einen Vortrag über Balkonpflanzen, wo es darum ging, welche Pflanzen zueinander passen. „Das interessiert heute niemand mehr. Heute würde die Fragestellung lauten: Was und welche Pflanzen brauchen die Insekten? Welche Pflanze kommt besser durch die heiße Zeit in Zeiten des Klimawandels?“

Ein ganz anderer Anspruch

Im Umgang mit veränderten Rahmenbedingungen in Politik und Gesellschaft änderte der OGV Bönnigheim ebenfalls seine Themen und griff diejenigen auf, die heute aktuell sind. Es geht längst nicht mehr darum, wie man heutzutage sein Gemüsebeet im Garten anlegt, macht er deutlich. „Wir haben heute einen ganz anderen Anspruch“, erklärt er und fügt hinzu: „Heute wird immer enger gebaut und immer kleiner. Wer gern selbst anbaut, behilft sich häufig mit einem Hochbeet, das platzsparend ist. Wie legt man ein solches Hochbeet an? Wie setzt man Folie wirkungsvoll ein? Das sind die Fragen, mit denen Interessierte an uns herantreten“, zeigt Allmendinger die Unterschiede auf.

Doch es gibt auch „Dauerbrenner“-Themen im Obst- und Gartenbauverein, und dazu gehört die Streuobstwiese. „Sie steht immer noch  in unserem Fokus. Sie ist das A und O, und wir wollen weiter versuchen, sie am Leben zu halten und diesen Erhalt zu fördern“, bestätigt Allmendinger.

Viele junge Leute erben zwar ein Grundstück von den Großeltern, aber haben keine Ahnung, wie sie damit umgehen sollen. Deshalb ist einer der Veranstaltungsrenner beim OGV immer noch der Winterschnittkurs. Am 27. Dezember wird er regelmäßig abgehalten. „Im Jahr 2017 ist uns damals aufgefallen, dass viele jüngere Leute dabei gewesen sind. In den Gesprächen stellte sich dann heraus: Der Großvater konnte es, ist  aber gestorben, ohne sein Wissen weiterzugeben. Der Vater kann es auch, ist aber zu alt, und der Sohn besucht zur Sicherheit lieber einen Schnittkurs, weil das Wissen heute nicht mehr selbstverständlich innerhalb der Familie weitergegeben wird.“ Und wenn die Vermittlung der Kenntnisse innerhalb der Familie fehlt, „dann ist der OGV gefragt“, sagt Allmendinger.

Der OGV habe sich natürlich Gedanken darüber gemacht, wie der Verein den Leuten helfen könne  und jetzt neu einen Theorieteil in den Schnittkurs eingebaut. Die Teilnehmer erfahren dort, wie ein Baum aufgebaut ist und wie er beschnitten werden muss und wann. „Wir versuchen, uns auf unsere Besucher einzustellen und haben gemerkt, dass Frauen einen ganz anderen Schnittkurs brauchen als Männer.“

Männer wollen meistens wissen, wie sie ihre Hochstämme pflegen. Frauen interessieren sich mehr für Tipps für den Haus- und Hofgarten, stellt Allmendinger fest. Das Interesse hat ihn manchmal selbst überrascht: „Da waren 35 Leute da und wir haben vielleicht mit zehn gerechnet“, freut er sich.

Drei Kindergärten pro Saison dürfen zum OGV kommen und helfen, das Fallobst aufzusammeln. Da kommen die Kinder auf die Streuobstwiese und probieren die mobile Presse aus. Gestartet ist der Verein bei 2,5 Tonnen Äpfel. „Inzwischen sind wir bei vier Tonnen und mehr, und die Kinder freuen sich sehr auf diese Aktion“, beschreibt der OGV-Vorsitzende ein griffiges Konzept, den Nachwuchs anzusprechen. Das wiederum wecke oft das Interesse der jungen Familie, die hinter den Kindern stehen.

Immer mehr Neugierige

Über das Interesse an der Imkerei kommen ebenfalls immer wieder Neugierige auf den Verein zu. Im Herbst wird es beim OGV wieder ein Seminar geben zum Thema, wie legt man eine Fläche an, die speziell Bienen Nahrung bieten soll . Dort erfahren die Teilnehmer von Profis, wie sie Bienenpopulationen wieder stärken können. „Wir wollen helfen, die Bevölkerung zu sensibilisieren“, erklärt Peter Allmendinger.