Schwerpunkt Städtepartnerschaft Erste Hilfe nach der Wende

Bürgermeister Rainer Schäuffele hat vor seinem Amtszimmer das Markersdorf-Lied und das Ortswappen der Partnergemeinde aufgehängt.
Bürgermeister Rainer Schäuffele hat vor seinem Amtszimmer das Markersdorf-Lied und das Ortswappen der Partnergemeinde aufgehängt. © Foto: Roland Willeke
Erligheim / Von Roland Willeke 09.06.2018

O Markersdorf, wer könnte dein vergessen? O Markersdorf, wie bist du schön! O Markersdorf, hast mir mein Herz besessen, ich freu’ mich auf das nächste Wiedersehen!“. So endet das Markersdorf-Lied, dessen Text Bürgermeister Rainer Schäuffele zusammen mit anderen Erinnerungsstücken an die Erligheimer Partnergemeinde Markersdorf bei Görlitz, dicht an der Grenze zu Polen, vor seinem Büro aufgehängt hat.

Zustande gekommen ist die Partnerschaft der beiden Kommunen vor 28 Jahren, 1990, in der Nachwendezeit, als das Land Baden-Württemberg in Sachsen Hilfe beim Aufbau politischer Strukturen in der Landesverwaltung leistete. Auf kommunaler Ebene wurden damals Partnerschaften zu ostdeutschen Gemeinden angestrebt, um den dortigen Bürgermeistern und Gemeinderäten den Weg in die bundesdeutsche Verwaltung zu erleichtern.

Auch im Kreis Ludwigsburg wurden entsprechende Partnerschaften angebahnt, beispielsweise zwischen Bönnigheim und Neukirch in der Lausitz oder Freudental und Beucha bei Leipzig. Bei Erligheim spielte der damalige Landrat Dr. Ulrich Hartmann höchstselbst den Vermittler, beziehungsweise sein Fahrer Manfred Neumann. Dessen Bruder Gerhard Neumann war zu dieser Zeit Bürgermeister in Markersdorf und suchte „Orientierungen, Ratschläge zu EG-Hilfe, Landwirtschaft, Gewerbegebieten und Aufbau einer Gemeindeverwaltung“, wie es damals hieß.

Der damalige Erligheimer Bürgermeister Albert Leibold fuhr mit dem Segen seines Gemeinderats also in den Osten, um sich das Ganze einmal anzusehen. Er fand schnell Gefallen an der Gegend und der Aufgabe und so entwickelte sich rasch ein reger Austausch auf Verwaltungsebene, aber auch zwischen den Bürgern der beiden Gemeinden.

Hatte man es am Anfang der Partnerschaft nur mit dem Dorf Markersdorf mit etwa 1600 Einwohnern zu tun, so stehen inzwischen hinter dem Ortsnamen Markersdorf sieben Gemeinden – Friedersdorf, Gersdorf, Jauernick-Buschbach, Pfaffendorf, Holtendorf, Deutsch-Paulsdorf und eben Markersdorf –, die sich im Zuge von Verwaltungsreformen zur Gesamtgemeinde Markersdorf mit knapp 4000 Einwohnern zusammengeschlossen haben. Das 2005 vorgestellte gemeinsame Wappen zeigt unter dem Motto „Einheit in Vielfalt“ sieben Blätter an einem Baum.

Längst ist aus der Zusammenarbeit auf Verwaltungsebene eine echte Partnerschaft geworden, die 2011 auch durch eine von beiden Bürgermeistern unterzeichnete Partnerschaftsurkunde besiegelt wurde. Entwicklungshilfe auf Verwaltungsebene ist schon lange nicht mehr nötig. Dafür blüht die Partnerschaft auf privater Ebene und zwischen den Vereinen umso lebendiger. Mehrfach wurde in den letzten Jahren hin- und her geheiratet.

Erligheimer Ring

In Erligheim gibt es inzwischen eine Markersdorfer Straße und in Markersdorf muss man über den Erligheimer Ring, um das neue Gewerbegebiet zu erreichen. Für seine Verdienste um Markersdorf wurde der Erligheimer Alt-Bürgermeister Albert Leibold mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet. Er ist damit Ehrenbürger in zwei Gemeinden, der eigenen und der Partnergemeinde.

Getragen und mit Leben erfüllt wird die Partnerschaft, so Bürgermeister Rainer Schäuffele, wesentlich von der evangelischen Kirche, der Feuerwehr, dem Sport- und Kulturverein SKV und den Schulen. Jährlich findet ein Austausch statt, einmal hüben, einmal drüben. Zu Ereignissen wie dem jüngst gefeierten 1225-jährigen Jubiläum in Erligheim oder zu den Weintagen kommen regelmäßig Delegationen der Partnerkommune.

Bei der 1225-Jahrfeier öffnete sich für die Erligheimer das Tor nach Europa, zumindest ein wenig. Die Markersdorfer hatten die Bürgermeister ihrer Partnergemeinden Krotoszyce (früher Kroitsch) in Polen und Osečná (früher Oschitz) in Tschechien mitgebracht.

Höhepunkt im Sommer 2012

Einen besonderen Höhepunkt erlebte die Freundschaft zwischen Erligheim und Markersdorf im Sommer 2012, als sich der Weiße Schöps, ein eigentlich harmloses Flüsschen, in einen reißenden Strom verwandelte und Verheerungen in Markersdorf zurückließ. Der Erligheimer Gemeinderat ließ die Freunde in ihrer Wassersnot nicht allein, sondern überwies 10 000 Euro als Soforthilfe. Damit sollte ein zerstörter Steg über den Fluss wieder errichtet werden. Dass es dann doch mehrere Jahre dauerte, bis der Steg wieder stand, liegt nicht an den Erligheimern, sondern an den sächsischen Genehmigungsbehörden, die lange zögerten, bis sie dem Wunsch der Bevölkerung nach einem neuen Steg an alter Stelle endlich nachgaben, berichtet Rainer Schäuffele.

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