Bönnigheim Erinnerung an die Anfänge: Jeder Start war ein Wagnis

Franz Grammling, Werner Krapf und Bernd Kölle (von links) mit der „Eurofox“ auf der Start- und Landebahn in Bönnigheim.
Franz Grammling, Werner Krapf und Bernd Kölle (von links) mit der „Eurofox“ auf der Start- und Landebahn in Bönnigheim. © Foto: Helmut Pangerl
Bönnigheim / Uwe Deecke 21.12.2017

Gut 30 Jahre fliegt Werner Krapf nun mit Ultraleicht-Flugzeugen. An seinem Bönnigheimer Ferienhof wurde nun die Start- und Landeerlaubnis verlängert.

518 Meter Start- und Landebahn stünden zur Verfügung auf der Wiese, die vor dem Hof liegt, erklärt der frühere Gemeinderat. Doch das wird nicht gebraucht, denn meist hebt das Flugzeug schon vorher ab. 23 Jahre war er im Gemeinderat der Stadt Bönnigheim, bei den „Unabhängigen“, die heute offiziell UWG heißt. Angefangen hat der heute 67-Jährige mit den ersten Ultra­leichtfliegern, „als man noch im Freien gehockt ist“. Nach 140 Metern war die Maschine schon in der Luft, erinnert sich Werner Krapf.

Heute darf er nicht mehr fliegen, doch ein modernes Flugzeug steht noch in der Halle. Das teilen sich drei Besitzer, wie man das in der Fliegerszene oft so macht, um die Kosten zu sparen. Etwa 50 Starts und Landungen gibt es etwa pro Jahr, geflogen wird am liebsten am Wochenende. Krapf selbst ist der Platzbetreiber und kümmert sich um die Halle, in der die Maschine steht. Eine Eurofox mit Vierzylinder erinnert eher an eine kleine Cessna und bietet alles, was moderne Kleinflugzeuge ausmacht. Und hat gar nichts mehr zu tun mit den Anfängen des Ultraleichtflugs, als man sich noch langsam durch die Lüfte bewegte. 180 Kilometer pro Stunde schafft die 80-PS-Maschine, mit Rückenwind vielleicht auch etwas mehr.

Mittlerweile komme auch der TÜV in seine Halle, weil es oft zu aufwendig ist, einen Flugplatz extra dafür anzusteuern. Er prüft regelmäßig die komplette Maschine, die offiziell als Luftsportgerät gilt. Mitfliegen geht für Krapf natürlich noch, denn die Eurofox ist ein Zweisitzer, der hier vor dem Start gecheckt und hinterher natürlich auch geputzt werden will.

„Früher war jeder Start ein Wagnis und jede Landung eine Notlandung“, blickt Krapf zurück zu den Anfängen. Heute ist das alles risikoloser, und jede Ultra­leichtmaschine hat auch einen Fallschirm, der im Notfall die Maschine zu Boden bringt. Recht große Reichweiten gebe es inzwischen, und mit Zwischentanken könne man weit kommen. Nach Mallorca flog dieses Jahr einer der drei Freunde, die sich die Maschine teilen. Krapf selbst flog auch schon über die Alpen, was für jeden Flieger eine Herausforderung ist. In den Bergen gibt es Situationen, die nicht immer beherrschbar sind. Perfekte Vorbereitung und nicht zu viel Risiko seien das A und O beim Fliegen, sagt Krapf. „Das Schwerste ist das Umdrehen“, so der passionierte Ex-Pilot, etwa wenn am Bodensee eine Gewitterfront vor einem auftaucht.

Erlaubnis für fünf Jahre

Krapf ist immer noch Mitglied der Luftsportgemeinschaft, die bei Löchgau ihren Flugplatz hat. Doch da dürfen keine motorisierten Flieger starten, nur einen Motorsegler gibt es dort. Starten darf er aber weitere fünf Jahre an seinem Ferienhof, wenn auch nur als Mitflieger. Der Bönnigheimer Technische Ausschuss stimmte in seiner letzten Sitzung einstimmig dafür, die Außenstart- und Landeerlaubnis um weitere fünf Jahre zu verlängern.

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