Gerade erst hat Freudental die 2500-Einwohner-Marke geknackt, doch es sollen noch mehr werden. Im neuen Baugebiet Alleenfeld werden noch einige dazu kommen, und die 48 Einzel- und drei Mehrfamilienhäuser dort müssen beheizt werden.

Dazu kam nun die Planung der Netzerweiterung in den Gemeinderat, die das Büro IBS erstellt hatte. Ingenieur Rainer Wegscheider hatte die Aufgabe, die kommenden Energieverbräuche zu errechnen und dafür mögliche Maßnahmen zu finden. Die wichtigste Frage dabei für ihn: „Wie kann ein Nahwärmeversorgungsnetz unter energetischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten realisiert werden?“. Das Ziel sei dabei nicht nur eine Aufwertung des Quartiers südwestlich des Schlosses sondern auch ein Beitrag zur CO2-Minderung.

Eine Heizzentrale reicht aus

Man habe mit der Verwaltung als Variante überlegt, die bestehende Heizzentrale an der Grundschule durch eine zweite zu erweitern, so Wegscheider, sei aber zum Ergebnis gekommen, dass die bestehende Zentrale ausreiche.

Bürgermeister Alexander Fleig gab sich vorsichtig bei den drei Ausbauvarianten, die vorgestellt wurden und bis zu 4,76 Millionen Euro kosten könnten. Der Rücklauf aus den befragten Haushalten sei „ganz ordentlich“ gewesen, doch er verwies auch auf die gestiegenen Anschlusskosten an das System, das eine eigene Heizung im Haus überflüssig macht.

Das neue Alleenfeld wird wohl eher weniger Wärme benötigen. „Spannend ist, dass das Neubaugebiet gar keinen so großen Wärmebedarf hat“, so Fleig. Es liege in etwa in der Größenordnung des Schlosses, das noch nicht angeschlossen ist, wo es aber gerade ein Angebot an den Eigentümer gebe.

In einem Jahr belief sich die Wärmeabgabe auf 1,25 Millionen Kilowattstunden, das Neubaugebiet und das Schloss würden nochmals rund 0,8 Millionen ausmachen. Dazu kommen die zahlreichen Häuser unterhalb der Bietigheimer Straße mit relativ hohem Energieverbrauch, was zusammen einen Bedarf von 6,3 Millionen Kilowattstunden ergebe, so Wegscheider. Das entspreche mit dem Nahwärmesystem einer jährlichen CO2-Einsparung von 1760 Tonnen.

Drei Varianten

Insgesamt gebe es drei  Ausbau­szenarien, das Ziel sei aber, die Hälfte der Wohnungen anzuschließen, machte der Planer deutlich: Mit dem Schloss die Leistung auf 2,8 Millionen Kilowattstunden zu erhöhen, mit dem Alleenfeld und dem Schloss auf 4,2 Millionen zu kommen und perspektivisch das gesamte Gebiet mit 6,3 Millionen Kilowattstunden zu versorgen. Möglich werden soll das mit der bestehenden Heizzentrale, die im ersten Fall mit zwei Gas-Blockheizkraftwerken erweitert wird bis hin zu einer zusätzlichen Holzfeuerungsanlage und Reservelastfeuerung. Die Zulieferung von Gas könnte über den Gaisgraben zwölfmal im Jahr erfolgen, bei einer Holzschnitzelanlage wären es rund 100 Anlieferungen im Jahr, die dann ebenfalls nicht durchs Wohngebiet laufen würden.

Spannend wurde es bei der Frage der Kosten. Die erste Variante käme lediglich auf rund 880 000 Euro, die zweite auf 1,3 Millionen und die dritte mit voll ausgebauter Heizzentrale und Rohrverlegung auf 4,8 Millionen Euro. „Wichtig ist, wo lohnt es sich?“, gab der Rathauschef zu bedenken, der aus Erfahrung weiß, dass viele beim Umstieg zögern, wenn sich der Anschlusspreis verteuert. Das Neubaugebiet zu versorgen, sei mit zwei Blockheizkraftwerken in einem ersten Schritt möglich.

Dass die Tonne CO2 bald 20 Euro kosten werde, stehe bereits jetzt fest, so Rainer Wegscheider, und dabei werde es nicht bleiben. „Ich glaube dass sich im Bewusstsein des Gesetzgebers vieles tut, das gibt uns Chancen“, blickte er auf die Zukunft der lokalen Nahwärmeversorgung.

Das Gremium traf auf der Sitzung noch keine Entscheidung, sondern will sich auf der Klausurtagung am 9. November eingehend mit den Varianten befassen.