Bönnigheim Ende eines historischen Ensembles in Bönnigheim

Das sogenannte „Handtuchhaus“ neben der Bönnigheimer Stadtkirche ist wohl nicht mehr zu erhalten und muss abgerissen werden.
Das sogenannte „Handtuchhaus“ neben der Bönnigheimer Stadtkirche ist wohl nicht mehr zu erhalten und muss abgerissen werden. © Foto: Kurt Sartorius
Bönnigheim / SUSANNE YVETTE WALTER 30.08.2016
Seit Jahrzehnten gibt es Löcher im Dach des schmalen Häuschen neben dem Pfründhaus an der Cyriakuskirche. Es kann wohl nicht mehr erhalten werden.

Der Zahn der Zeit nagt unermüdlich an alten Bauwerken, wenn ihm niemand Einhalt gebietet. Im Fall des schmalen Häuschens neben den Pfründhaus gegenüber der Bönnigheimer Cyriakuskirche war das öffentliche Interesse wohl nicht groß genug, das charmante Ensemble, Pfründhaus, „Handtuchhaus“ mit Nebengebäuden und Kirche als Einheit zu erhalten.

Seit Jahrzehnten ist das Häuschen, das die Größe eines einzigen Raumes vom Grundriss her aufweist, unbewohnt. Seit Jahrzehnten regnet es, so Heimatforscher Kurt Sartorius, durch das Dach. Das Gebälk dürfte inzwischen wohl deshalb in einem Zustand sein, der es schwer macht, das Haus vor dem Abriss noch zu bewahren. Dabei könnte es als besonderes Kleinod gehandelt werden. Als Teil eines Ensembles ist es eigentlich schade, dass das nebenstehende Pfründhaus erhalten werden soll und dieses Häuschen, das die bescheidenen Verhältnisse dokumentiert, in denen anno dazumal gelebt wurde, von der Abrissbirne ausgenockt wird. In den 1980er Jahren wurde, so Sartorius, sogar ein Modell angefertigt (siehe Foto), das genau zeigt, wie malerisch das Ensemble hätte aussehen können, wenn man damals gehandelt und das Fachwerk freigelegt hätte. Nun ist es wohl zu spät. Wenn nicht noch ein Wunder passiert, wird das 1783 erstmals erwähnte Häuschen dem Erdboden gleichgemacht.

Stadtarchivarin Helga Engster-Möck recherchiert zur Zeit die Hausgeschichte des nebenstehenden Pfründhauses und geht dabei auch der Spur des schmalen Nachbargebäudes nach. Weingärtner und Bauern bewohnten es weitgehend. Gebaut wurde es wohl von Jacob Friedrich Härtner, der es an seinen Schwiegersohn verkaufte, einen gewissen Christian Unz, der Weinbauer war. Dieser wiederum verkaufte es an einen Schullehrer Georg Jakob Kurz, und dieser gab es nach nur zwei Jahren weiter an Weinbauer Johann Jacob Bechtel. Dann verliert sich die Spur für die Stadtarchivarin. „Alles weitere könnte sich im Grundbuch finden. Doch da komme ich nicht ran“, sagt sie. „Der letzte Bewohner war ein Schuhmacher Kiefer, von dem ich den Werkzeugschrank erhalten habe“, erzählt Sartorius. Zum Häuschen gehört auch eine Scheune in der Schlossstraße, die wohl 1796 vom Erbauer des Hauses errichtet wurde.

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