Planung Ein Quartier aus Massivholz

In der Kirchheimer Hauptstraße sollen drei Spitzgiebelbauten entstehen.
In der Kirchheimer Hauptstraße sollen drei Spitzgiebelbauten entstehen. © Foto: Grafik-Quelle: Architekt Gerald Erdudatz
Uwe Deecke 16.12.2017

Die Bebauung der Fläche am Rathausplatz sei „ein Ziel, das die Gemeinde schon viele, viele Jahre hat“, erklärte Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold zu Beginn der Sitzung des Gemeinderats. Die Zeit sei reif, so Seibold, über die schon heruntergekommenen Gebäude an der Hauptstraße, die nun einem „Meilenstein in der Ortskernsanierung“ weichen sollen.

Die Gemeinde hat bereits in der Vergangenheit die Grundstücke Hauptstraße 59 und 61 sowie Badgasse 2 erworben, die Hauptstraße 63 und Badgasse 4 befinden sich in Privatbesitz. Nicht nur von Seiten der Gemeinde, sondern auch der Besitzerfamilie werde der Abriss und die Neubebauung gewünscht, die an der prominenten Stelle erfolgen soll. So würde die gesamte Maßnahme zwar in Abstimmung mit der Gemeinde, letztlich aber als private Investitionsmaßnahme realisiert werden.

Die Planung umfasst alle Gebäude und eine angrenzende Scheune, die einem komplett zusammenhängenden Neubau weichen sollen. Dieser werde sich sehr stark an den vorhandenen Bestand anlehnen, heißt es in der Vorlage.

Architekt Gerald Erdudatz, der selbst bei seiner Familie in einem der Häuser aufgewachsen ist und nun im Saarland arbeitet, hatte schon vor Jahren Ideen, was aus der Fläche werden könnte und zeigte frühe Skizzen von damals. In Abstimmung mit Architekt Ruprecht Neulinger, der in Kirchheim die Ortskernsanierung begleitet, nahmen die Pläne nun konkrete Formen an.

Weil sein Saarländer Büro viel mit solchen hier noch seltenen Massivholzbauten arbeitet, plant Erdudatz auch an der Hauptstraße ein solches Objekt mit acht Wohneinheiten. Im Erdgeschoss soll das Polizeirevier angesiedelt werden, das aus dem bisherigen Platz am Rathaus ausziehen muss. Grund dafür sind aktuelle Sicherheitsbestimmungen, denen das Gebäude nicht mehr gerecht wird.

Entstehen werden nach außen hin drei Spitzgiebelbauten an der Hauptstraße und ein längeres Gebäude in der Badgasse sowie auf der gegenüberliegenden Seite, so dass das Objekt einen Innenhof erhält. Angelegt sind die Wohnungen im Maisonette-Stil in drei Etagen, die um das Atrium angeordnet sind. Die Stellplätze im Parkhaus werden von der Badgasse erreicht, einen Stock darüber befindet sich dann der Innenhof. Außen soll ein hoher Gablionenkorb mit Steinen „in Anlehnung an Weinbergmauern“ das ganze Erdgeschoss umranden, so der Architekt. Auf die geleimten Hölzer soll auch eine Isolierung kommen, die das Heizen der Räume kaum noch nötig macht. Auch Gauben könnte das Gebäude an der Badgasse in Anlehnung an die umliegenden Bestandsbauten bekommen.

„Ein sehr gelungener Entwurf“, befand Inge Schemminger von den Unabhängigen die vorgestellte Planung. Dass Dach und Fassade gleichfarbig präsentiert wurden, missfiel Erich Schneider von der CDU-Fraktion. Hier seien Abstufungen durchaus möglich, erklärte der Architekt, der auch das Thema Brandschutz ansprach. Diese Massivholzflächen seien nur schwer zum Brennen zu bringen, da sie eine Fläche bilden. Möglich seien nach der neuen Landesbauordnung nun auch höhere Gebäude in Massivholz, wie sie etwa gerade in Heilbronn entstehen. Mit langen Beeinträchtigungen an der Hauptstraße sei nicht zu rechnen, da die Teile vorgefertigt geliefert und aufgebaut werden. Wenn alle Hürden genommen sind, könnte der Baubeginn schon im Spätsommer sein, so Erdudatz.